Frisches Kapital für krisengebeutelte Betriebe. Das Land NÖ stellt 120 Millionen Euro in Form von direkten Zuschüssen, Bürgschaften und zinsvergünstigten Nachrangdarlehen für Klein- und Mittelbetrieben zur Verfügung.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 23. Oktober 2020 (12:07)

Mitten in der Coronakrise hat Bäckermeister Wolfgang Hager eine neue Filiale in Traismauer eröffnet. Wie 700 andere Klein- und Mittelbetriebe arbeitet Hager mit der NÖ Bürgschaften und Beteiligungen GmbH (NÖBEG) des Land Niederösterreich zusammen, um die Finanzierung von Projekten auf die Beine zu stellen und die Liquidität seines Unternehmen auch in Krisenzeiten zu sichern.

"Schockstarre" durch Corona und "Hilfe" durch NÖBEG

Zu Beginn habe Corona bei Hager eine "Schockstarre" und "blankes Entsetzen" ausgelöst. Die NÖBEG sei für Hager wie "Partnerschaft", "Sparring" und "Hilfe, wenn es etwas enger wird - wie jetzt in der Coronakrise". Besonders in Zeiten der Verunsicherung sollten Unternehmen Meilensteine für die Zukunft setzen, die auch Vertrauen signalisieren. Hager glaubt, dass Betriebe im Jänner eine harte Zeit erleben werden. "Betriebe werden insolvent ", sagt Hager. Die Bäckerei Hager beschäftigt 240 Mitarbeiter in 16 Filialen und arbeitet seit über 20 Jahren mit der NÖBEG zusammen.

Corona: Druck auf Betriebe wird weiter steigen

Seit sechs Monaten wirkt sich die Coronakrise auf fast alle Wirtschaftsbranchen in Niederösterreich negativ aus. Der wirtschaftliche Druck auf heimische Betriebe werde weiter steigen, sagt Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (ÖVP). Mit der im Landtag beschlossenen "Kapitalstärkungsoffensive" in Höhe von 120 Millionen Euro, das zuvor von der EU genehmigt wurde, wolle das Land "eine solide Kapitalbasis" für Klein- und Mittelbetriebe schaffen, "um einerseits die Krisen gut zu überstehen und andererseits auch um danach wieder an Wachstum denken zu können", sagt Danninger. Es brauche jedoch kein neues "Verstaatlichungsprogramm", sagt der Wirtschaftslandesrat. Die Anteilstrukturen des Unternehmens bleiben bei einer Beteiligung des Landes NÖ über die NÖBEG unberührt, so Danninger.

Mit bis zu fünf Millionen Euro werden Projekte unterstützt, sagt WKNÖ-Präsident und NÖBEG-Aufsichtsrat Wolfgang Ecker. Die Vorteile liegen für Ecker auf der Hand: Die Eigentumsverhältnisse bleiben in den Betrieben unberührt und die Haftungs- bzw. Beteiligungslaufzeit von bis zu 15 Jahren sind "deutlich besser als andere Modelle."

Die 120 Millionen Euro "Kapitalstärkungsoffensive"

Die "Kapitalstärkungsoffensive" tritt mit 23. Oktober in Kraft und wird von der NÖBEG umgesetzt. Sie besteht aus drei Maßnahmen:

  • 50 Millionen Euro nachrangiges Kapital:  Eine Erweiterung des NÖ-Beteiligungsmodells um 50 Millionen Euro nachrangiges Kapital. Nachrangiges Kapital erhöht die Eigenkapitalquote  und damit auch die Kreditwürdigkeit des Betriebes für weitere Finanzierungen. Die Anteilsstrukturen des Unternehmens bleiben erhalten. Die Laufzeit des Kredits bei der NÖBEG und jeweiligen Bank beträgt zwischen 7 und 10 Jahren. Der Kredit ist tilgungsfrei während der ersten 5 Jahre. 
  • 50 Millionen Euro Aufstockung des NÖ-Beteiligungsmodells:  Insgesamt stehen 150 Millionen Euro als "stille Beteiligung" zur Verfügung. 750 Betriebe finanzieren bereits über das NÖ-Beteiligungsmodell der NÖBEG, 100 weitere sollen durch die Aufstockung dazukommen. Die "stille Beteiligung" geht als Fremdkapital in das Unternehmen ein und wird über eine Laufzeit von 10 bis 15 Jahren vom Unternehmen getilgt, wobei die ersten 3-4 Jahre tilgungsfrei sind.
  • 20 Millionen Euro Haftungen für kleinere Investitionsprojekte: Neben der Covid-19-Investitionsprämie vom Bund bietet das Land Niederösterreich bis zu 250.000 Euro Haftungen pro Projekt eines Betriebes.

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- Bäckerei Hager
- NÖ Bürgschaften und Beteiligungen GmbH (NÖBEG)