Metaller: Streik angedacht. Metallbetriebe-Chefverhandler dementiert kolportiertes Angebot der Arbeitgeber von 0,5 Prozent Lohnerhöhung.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 20. Oktober 2014 (10:01)
Verhandler aus NÖ: Gewerkschafter Patrick Slacik (l.), Unternehmer Veit Schmid-Schmidsfelden.
NOEN, Fotos: zVg

Nach der erfolglos verlaufenen dritten Kollektivvertrags-Verhandlungsrunde in der Maschinen- und Metallwarenindustrie vergangene Woche haben sich die Fronten zwischen den Sozialpartnern verhärtet. Dabei geht es um die Entlohnung von rund 118.500 Beschäftigten – etwa 27.000 davon in NÖ.

Versammlungen in allen Metallbetrieben

Bundesweit gab es nun Betriebsrätekonferenzen. Bei jener für Ostösterreich waren rund 400 Personen in Vösendorf dabei. Und bis zur vierten Verhandlungsrunde am 28. Oktober sollen in allen Metallbetrieben Versammlungen abgehalten werden. Allein in NÖ sollen es knapp 200 sein, so Gewerkschafts-Verhandler und Pro-GE-Landessekretär Patrick Slacik.

Empört ist Slacik vom Rechenschema der Arbeitgeberseite. Demnach werde die EU-weite Inflationsrate von 0,5 Prozent zugrunde gelegt und nicht die österreichische von 1,7 Prozent in den letzten zwölf Monaten.

Streik nicht mehr ausgeschlossen

„Es gibt von unserer Seite keine Lohnforderung in Prozenten“, erklärt der Gewerkschafter. So wie in den letzten Jahrzehnten müssten aber die heimische Inflationsrate und der Produktivitätsfortschritt als Verhandlungsbasis herangezogen werden. Damit müsste ein Prozentsatz mit einem Zweier vor dem Komma herauskommen.

Sauer stößt Slacik auf, dass es laut Arbeitgebern keine Anhebung der Mindestlöhne geben sollte und Biennalsprünge halbiert werden sollten: „Das lassen wir uns nicht gefallen.“ Sollte es am 28. Oktober keine Fortschritte geben, werde ein Streik nicht mehr ausgeschlossen.

"Generell ordentliche Löhne"

Veit Schmid-Schmidsfelden, Chefverhandler auf der Arbeitgeberseite und Geschäftsführer des Wolkersdorfer Automobilzulieferers Fertinger, sieht die Sache anders. So würden in der Branche generell ordentliche Löhne gezahlt. Der niedrigste Mindestlohn liege bei 1.688,71 Euro. Und Biennalsprünge würden ältere Arbeitnehmer zu teuer gegenüber jüngeren machen.

Er wehrt sich zudem gegen die medial oft verkürzte Darstellung, dass nur 0,5 Prozent an Lohnerhöhung angeboten würden. Dabei handle es sich eben um die EU-Inflationsrate, die als Ausgangsbasis genommen werde. Eine konkrete Zahl wäre nie genannt worden.

„Wir vertreten eine Branche mit einer Exportquote von 80 Prozent“, erklärt er. Aus Gründen der Wettbewerbsfähigkeit müsse man die Inflation in den Nachbarländern im Auge haben. Erstmals seit Jahren habe man in der Branche nur noch 118.500 Mitarbeiter und damit 1.500 Jobs verloren. Schmid-Schmidsfelden hofft nun auf den 28. Oktober. Streiks würden nur unnötig Zeit und Geld kosten und wären kontraproduktiv.