Kinderärzte schlagen Alarm. Zu wenig besetzte Kassenstellen erzeugen Druck. Auch die Honorierung wird kritisiert.

Von Christine Haiderer und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 16. Juli 2019 (02:36)
Symbolfoto: goodluz/Shutterstock.com
Junge Patienten und ihre Eltern verlangen oft nach mehr Zeit, als Kinderärzte zur Verfügung haben. Schwierig wird es vor allem, wenn in der Nähe andere Kassenstellen unbesetzt sind.

„Ab 1. Oktober wird diese Ordination als Wahlarztordination geführt und die Kassenordination mit 30. September 2019 beendet“, steht auf einem Zettel unter Informationen zu Grippe und FSME bei Bernhard Puchbauer-Schnabel in St. Pölten. Er ist einer von 20 Kinderärzten, die einen offenen Brief zur Situation der Kinderärzte mit Kassenvertrag in NÖ an die Landeshauptfrau und die NÖ Gebietskrankenkasse geschickt haben.

Warum? „Es geht nicht mehr“, betont Robert Weinzettel, Kinderarzt in Waidhofen an der Ybbs und Sprecher der Gruppe. „Wir stehen dauernd unter Druck. Und es geht sich
finanziell schlecht aus.“

Für eine adäquate Versorgung der Kinder und Jugendlichen in NÖ wären eigentlich flächendeckend Fachärzte für Kinder- und Jugendheilkunde mit Kassenvertrag notwendig. Viele der Kassenstellen sind aber unbesetzt, einige davon schon seit Jahren.

Die Folge: „In Regionen mit einem einzigen Facharzt für Kinder- und Jugendheilkunde arbeiten die Kollegen bereits jetzt mehr als nur am Limit.“ Gibt es unbesetzte Stellen in der Nähe, sei es unmöglich, alle anderen Patienten mit zu versorgen.

Wenig Abwechslung & geringe Honorierung

Unter solchen Bedingungen würden sich junge Ärzte eher für das Spital oder eine Wahlarztordination als für eine Kassenstelle entscheiden. Die Arbeit im Spital biete Ärzten auch die Chance, eine Vielfalt an Krankheiten zu behandeln und sich besser spezialisieren zu können. Im niedergelassenen Bereich werden viele spezielle Leistungen gar nicht bezahlt.

Nicht ausreichend honoriert würden auch andere Leistungen. Kinderärzte führen oft lange Gespräche mit Eltern und Patienten. Diese seien wichtig, würden aber nicht adäquat bezahlt.

Typisch für die Kinderheilkunde sei auch, dass Patienten bei einem Problem öfter kommen. Für die erste ärztliche Untersuchung im Quartal gebe es 23,72 Euro brutto (für Kinder unter sechs Jahren 32,79 Euro), allerdings ab der zweiten nur jeweils 8,48 Euro. Ein Wahlarzt hingegen könne auch 50 bis 80 Euro, anfangs noch mehr, verlangen. Insgesamt sei die Honorierung in den vergangenen Jahren nicht ausreichend gestiegen.

Die NÖ Gebietskrankenkasse sieht Politik und Spitäler gefordert. Österreichweit seien zu wenige Kinderärzte ausgebildet worden. Um Kassenplanstellen attraktiver zu machen, setze man aber viele Maßnahmen. So werden zum Beispiel halbe Planstellen mit reduzierten Mindestordinationszeiten ausgeschrieben. Und es gibt die Möglichkeit, in Gruppenpraxen zu arbeiten. Das bedeutet mehr Freizeit und weniger unternehmerisches Risiko.

Was die Honorare betrifft, seien diese seit 2012 im Vergleich zu anderen Fachgruppen deutlich angehoben worden, zuletzt Ende 2018 um sechs Prozent. Der durchschnittliche Umsatz eines Vertragskinderarztes allein mit der NÖGKK betrug im Vorjahr 202.434,83 Euro. Derzeit gebe es 5,5 unbesetzte Planstellen. Bis 14. August können sich Interessenten bewerben.

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