Große Kluft im Land. Studie / Die Arbeiterkammer warnt vor der zunehmenden Diskrepanz zwischen wirtschaftlich schwachen und starken Regionen in NÖ.

Erstellt am 09. Mai 2013 (06:00)
NOEN, Marschik
Foto: Marschik
Von Heinz Bidner

„Ich warne vor einem Land der zwei Geschwindigkeiten. Wir wollen keine Kluft unter den Landesteilen“, sagt Hermann Haneder, Präsident der Arbeiterkammer (AK) NÖ. Anlass ist die Präsentation der neuen AKNÖ-Broschüre zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung der Bezirke und Regionen in NÖ, die auch kostenlos bei der Kammer erhältlich ist.

Dabei sticht vor allem das Waldviertel hervor. „Hier gehen die Schülerzahlen dramatisch zurück – und auch das Einkommen“, sagt Haneder zur Abwanderungsregion. Er fordert die Landes- und Bundespolitik zum Handeln auf.

So würde eine Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur Betriebe anziehen, Jobs bringen und die Abwärtsspirale bremsen, ist sich Haneder sicher: „Gmünd hätte sofort einen Aufschwung, wenn wir eine Schnellstraße und eine schnellere Bahn hätten.“ Er fordert daher einmal mehr neben einem Straßenbau auch die Modernisierung der Franz-Josefs-Bahn.

Im Gegensatz zum Waldviertel prosperiert das Mostviertel am stärksten, so die AKNÖ-Studie. Das Einkommen ist hier am höchsten, während das Wein- und Waldviertel Schlusslichter sind. Bei diesen Zahlen wurden allerdings nur die in NÖ erzielten Einkommen berücksichtigt, womit die Einkünfte von Wien-Pendlern herausfallen.

Großen Nachholbedarf ortet die Kammer zudem in der Kinderbetreuung. Für Kinder unter zweieinhalb Jahren wäre das Angebot gerade im Most- und Waldviertel mager, was vor allem für Eltern mit Vollbeschäftigung problematisch sei.

In Punkto Bildung wird den AHS-Unterstufen in den nächsten Jahrzehnten ein Boom vorausgesagt. Vor allem im Speckgürtel um Wien schießen Gymnasien aus dem Boden. Dort ist auch die Akademikerquote wegen des starken Zuzugs aus Wien landesweit am höchsten.