Gründer-Boom durch die Krise. Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger und Petra Patzelt von der NÖ Gründeragentur über Beratung und Trends für neue Firmen.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 14. April 2021 (05:47)
Jedes fünfte Unternehmen, das in Österreich gegründet wird, entsteht in Niederösterreich, betonen ÖVP-Wirtschaftslandesrat Jochen Danninger (M.) und Geschäftsführerin Petra Patzelt (r.) von der NÖ Gründeragentur „riz up“ im Gespräch mit NÖN-Chefredakteur Walter Fahrnberger (l.).
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NÖN: Die NÖ Gründeragentur begleitet seit Jahren die Unternehmensgründungen im Land. Wie stark beeinflusst die Krise die Entwicklung von Neugründungen?

Petra Patzelt: Die „riz up“-Beratungen werden in Krisenzeiten von besonders vielen Unternehmern in Anspruch genommen, das sehen wir deutlich: 2020 war der Bedarf an Beratungen besonders groß, über 17.000 Beratungen wurden durchgeführt, das sind 5.000 mehr als im Vorjahr. Und der Trend setzt sich heuer fort: 2021 gab es bereits knapp 4.000 Beratungen in den ersten drei Monaten. Auch die Zahl der Neugründungen war 2020 mit fast 6.300 Unternehmen so hoch wie noch nie.

Jochen Danninger: Niederösterreich ist ein Gründerland, und wir merken auch, dass Krisenzeiten auch Gründerzeiten sind. Jedes fünfte Unternehmen, das in Österreich gegründet wird, wird bei uns in Niederösterreich gegründet. Das ist der beste Beweis dafür, dass bei uns auch der Nährboden, auf dem Unternehmen entstehen und wachsen können, ein guter ist.

Sie bieten seit Jahrzehnten Service und Dienstleistungen, um Jungunternehmer sattelfest für ihre Aufgaben zu machen. Das war in der Krise wohl nicht so einfach.

Danninger: Nachdem die Krise auch die Gründer-Szene nicht verschont hat, haben wir unser Gründerprogramm komplett digitalisiert. Es ist uns innerhalb kürzester Zeit gelungen, dass wir unser Schulungs-und Beratungsangebot von zuvor physischer Präsenz auf online umgestellt haben. Und viele Unternehmer nutzen diese Angebote gerade jetzt im Lockdown. Die gesamte Beratung ist kostenlos.

Patzelt: Sehr gut angenommen wird die neu entstandenen Digithek. Das sind mittlerweile über 180 Kurz-Videos, mit denen man sich in unternehmerischem Grundwissen rund um die Uhr fortbilden kann.

Welche Hilfe brauchen die Jungunternehmer am meisten? Hat sich der Bedarf in den letzten Jahren verändert?

Patzelt: Auch hier ist der Wechsel in die Digitalisierung vollzogen worden. Die richtige Nutzung von sozialen Medien, der Gestaltung einer Website oder auch digitale Geschäftsmodelle sind aktuell wesentliche Fragen – e benso Megatrends und neue Geschäftsmodelle.

Danninger: Flankierend zu diesen Zukunftsthemen sind aber die klassischen Gründerthemen wie Finanzierung, Erstellung eines Businessplans oder Gewerberecht weiter wichtig. Nachdem die Grundbedürfnisse digital mit den Tutorials abgedeckt werden, können sich die „riz up“-Berater viel intensiver mit einzelnen Kunden auseinandersetzen. Das ist ein großer Mehrwert für die einzelnen Gründerinnen und Gründer.

Welche Eigenschaften muss Ihrer Meinung nach ein Unternehmensgründer unbedingt mitbringen?

Danninger: Ehrgeiz, Hartnäckigkeit, Mut und Unternehmergeist. Das sind für mich die wichtigsten Kriterien.

Aufgrund der Krise ist die Arbeitslosigkeit aktuell hoch. Kann hier auch vereinzelt eine Unternehmensgründung ein Ausweg sein?

Danninger: Ja, es gibt einen Zusammenhang zwischen der Krise und der Arbeitslosigkeit und Gründern. Viele Menschen in Niederösterreich wollen sich den eigenen Arbeitsplatz selbst schaffen. Darum gibt es da auch neuerdings eine sehr gute Kooperation mit dem AMS, damit wir den Arbeitslosen ein Angebot machen können und ihnen das Rüstzeug für die Unternehmensgründung in die Hand geben.

Patzelt: Es gibt sehr schöne Beispiele, wie Menschen aus der Arbeitslosigkeit mit wirklich guten, soliden Unternehmen – auch in den traditionellen Branchen, Bäckerei, Kaffeehaus, Frisör – gestartet sind oder Betriebe übernommen haben.