Novomatic: Teilrückzug bringt Geld zum Schuldentilgen. Nach den Razzien bei seinem Eigentümer Johann F. Graf und seinem Chef Harald Neumann in der Casino-Affäre lässt der Novomatic-Konzern auf seinem Heimmarkt Österreich die Muskeln spielen. Aber nicht insofern, als dass man expandierte, sondern im Gegenteil, es kommt zum Teilrückzug. Ein Zusammenhang wird in Abrede gestellt. Man sei "nicht beleidigt", ein "Aber" folgt jedoch schon auf den Fuß.

Von APA, Redaktion. Erstellt am 06. Februar 2020 (11:53)
Dworak

Neumann hat am Rande der weltgrößten Glücksspielmesse ICE in London auch angekündigt, dass Novomatic seine Schulden (hauptsächlich Anleihen, mit 1 Prozent verzinst) in der Höhe von einer knappen Milliarde Euro innerhalb von 12 bis 24 Monaten gänzlich abbauen wolle, um "Ruhe" zu haben. Und das, obwohl auch viele Zukäufe geplant sind. Das könnte unter anderem auf einen womöglich raschen Verkauf der Tochter ACE (Admiral Casinos & Entertainment, 150 Standorte) hindeuten, die das Kleine Glücksspiel in jenen fünf Bundesländern betreibt, in denen es Landesausspielungen gibt.

Die Casinos-Austria-Anteile sollen nach der Casinos-Affäre rund um FPÖ-Mann Peter Sidlo im Casinos-Vorstand ohnehin abgegeben werden. Wie viel diese wert sind, wollte Neumann nicht verraten. Am 12. Februar treffen sich alle Casinos-Aktionäre, die jeweils über gegenseitige Vorkaufsrechte verfügen. Die tschechische Sazka (38 Prozent), die Staatsholding ÖBAG (33 Prozent), Novomatic (17 Prozent), das Bankhaus Schelhammer & Schattera (5 Prozent) und die Melchart-Stiftung (5 Prozent).

Die Staatsholding - Alleinvorstand ist ÖVP-Mann Thomas Schmid - lässt bisher offen, ob sie ihr Vorkaufsrecht nutzen wird. Derzeit verhandelt die ÖBAG mit Sazka einen Syndikatsvertrag. Die Gespräche sollen konstruktiv verlaufen. Angeblich wird in ÖVP-Kreisen ein Börsengang der Casinos bevorzugt. Hier könnte die ÖBAG zuerst zukaufen und ihren Anteil dann auf eine Sperrminorität (25,1 Prozent) absenken.

Bewerben will sich Novomatic wie berichtet in Österreich um gar keine Lizenzen mehr. Weder um etwaige Casino-Lizenzen noch um die einzige österreichische Online-Glücksspielkonzession der Lotterien, die 2027 ausläuft.

In einer detaillierten anonymen Anzeige wird Novomatic beschuldigt, mit der FPÖ einen Deal geschlossen zu haben: Der Konzern soll Sidlo zum Finanzvorstand der Casions gemacht haben, um dafür Glücksspiellizenzen zu kriegen. Alle Beschuldigten dementieren das. Dazu gehören etwa Sidlo, Neumann, Konzerneigentümer Graf, ÖBAG-Chef Schmid, Ex-FPÖ-Chef und -Vizekanzler Heinz Christian Strache, Casinos-Aufsichtsratschef Walter Rothensteiner, dessen dritter Stellvertreter im Casinos-AR sowie Ex-ÖVP-Chef und -Finanzminister Josef Pröll und Ex-ÖVP-Finanzminister Hartwig Löger. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.

"An den Vorwürfen ist nichts dran", sagte Neumann in London. Er hofft auf ein rasch verlaufendes Ermittlungsverfahren. Am Ende werde nichts herauskommen. Sollte er wider Erwarten doch angeklagt werden, müsste er den Chefsessel der Novomatic verlassen, sagte er.

Statt Hausdurchsuchungen durchzuführen, hätte die Staatsanwaltschaft auch Amtshilfe-Anfragen an das Finanzministerium stellen können, glaubt Neumann. Die Hausdurchsuchungen in der Causa Casinos waren allerdings rechtskonform, wie das Oberlandesgericht (OLG) Wien kürzlich entschied. Auch eine Rufdatenrückerfassung wurde als zulässig beurteilt. Arbeitsrechtlich wäre es aus Sicht der Casinos außerdem klüger gewesen, Sidlo auf der Hauptversammlung das Vertrauen zu entziehen als ihn durch den Aufsichtsrat abzuberufen, sagte der Novomatic-Chef weiters vor Journalisten in London.

Bei den Ermittlungen dreht es sich auch um die Frage, ob Sidlo fachlich als Finanzvorstand der Casinos Austria geeignet war und ob er vom Aufsichtsrat gar nicht hätte bestellt werden dürfen. Der Aufsichtsratschef des teilstaatlichen Glücksspielkonzerns, Rothensteiner, hatte sich im Vorfeld der Bestellung Sidlos skeptisch gezeigt, bestellt wurde dieser trotzdem. Am 2. Dezember berief der Aufsichtsrat Sidlo ab: wegen "gröblicher Pflichtverletzungen" nach der Bestellung, "und nicht, weil Sidlo für die Vorstandsfunktion nicht geeignet wäre", schrieb Rothensteiner der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) am 9. Dezember, berichtete "Der Standard" am Donnerstag.

Im Bericht heißt es, dass Rothensteiner seine Skepsis mit "persönlichen Gründen" erkläre, weswegen er sich eine Zusammenarbeit "eher schwierig vorgestellt" habe. Gesetzliche Qualifikationen habe Sidlo "ohne Zweifel" erfüllt. Schlussendlich sei die Zusammenarbeit mit Sidlo "professionell und persönlich unproblematisch" verlaufen. Auch die internen Prüfer kamen in ihrem Endbericht zum Schluss, dass Sidlo fachlich geeignet sei. Zitat: "Der Aufsichtsrat interpretierte die gesetzlichen Vorgaben in vertretbarer Weise und beachtete in Bezug auf die fachliche Eignung Sidlos die vom Aufsichtsrat einer AG geschuldete Sorgfalt." Daran ändere auch nichts, "dass der Einstieg von Sidlo ein von der ersten Minute an für den Aufsichtsrat erkennbar parteipolitischer war".