Gutes Gehalt ist für Frauen ein größerer Motivator als für Männer

Erstellt am 22. Juni 2022 | 12:47
Lesezeit: 4 Min
Geschäftsprojektteam Meeting Sitzung Büro Symbolbild
Was Männer und Frauen im Beruf als Motivatoren sehen, war eine der Fragen, die im Rahmen der Studie "Zukunft der Arbeit 2.0" beantwortet wurde.
Foto: SFIO CRACHO / shutterstock.com
Was sie antreibt, einen Job anzunehmen und welche Erwartungen sie an Arbeit haben, wollten die Leitbetriebe Austria und "Zukunft.Lehre.Österreich" von 14- bis 29-Jährigen wissen. Die repräsentative Studie zeigt: Frauen wägen bei Jobangeboten Vor- und Nachteile besser ab. Familie, Freizeit und Freunde zählen für Junge heute mehr als der Job.
Werbung

Gutes Gehalt ist für Frauen ein größerer Motivator als für Männer
Präsentierten die Ergebnisse: „Zukunft.Lehrer.Österreich“-Geschäftsführer Mario Derntl , Leitbetriebe-Geschäftsführerin Monica Rintersbacher, Beiratsvorsitzender der Leitbetriebe Austria Andreas Gnesda, CEO FACC AG Robert Machtlinger sowie Flughafen-Vorstand Günther Ofner.
Foto: Christian Mikes

Gängige Geschlechterklischees sind oft völlig verkehrt. Die gerade präsentierte Studie "Zukunft der Arbeit 2.0" zeigt das einmal mehr. Die Leitbetriebe Austria und die Initiative "Zukunft.Lehre.Österreich" fragten dabei ab, was 14- bis 29-Jährige von ihrer Arbeit erwarten, welchen Stellenwert der Job für sie hat und was sie beruflich motiviert. 

Die Annahme, dass Frauen bei der Berufswahl primär auf Soft Facts achten, während Männer rational entscheiden, hat sich dabei nicht bestätigt. Wie sich zeigte, sind die Motivatoren, sich für einen Job zu bewerben, bei Männern und Frauen unterschiedlich. Aber nicht, wie man vielleicht annehmen mag: Ein gutes Gehalt ist 70 Prozent der Frauen, aber nur 62 Prozent der Männer wichtig. Flexible Arbeitszeiten sind für 59 Prozent der Frauen, 46 Prozent der Männer entscheidend. Interessante Tätigkeitsbereiche sind für 57 Prozent der Frauen ein Motivator und 45 Prozent der Männer. Eine Vier-Tage-Woche bei vollem Gehalt ist für 54 Prozent der Frauen und 46 Prozent der Männer wichtig. 

Leitbetriebe-Austria-Geschäftsführerin Monica Rintersbacher folgert, dass Frauen bei der Berufsauswahl systematischer vorgehen: "Sie setzen sich mit den Vor- und Nachteilen eines Jobangebots gründlicher auseinander, sie achten deutlich mehr auf das Gehalt sowie geldwerte Sozialleistungen und sie gewichten Flexibilitätsthemen."

Männer hingegen würden mehr Wert auf das Unternehmensimage legen oder darauf, ob sie von dem Unternehmen angesprochen wurden. "Offenbar ist ihnen diese Form von Wertschätzung, die aber keinen realen Vorteil bringt, wichtiger als das bei Frauen der Fall ist", meint Rintersbacher. "Das einzig objektiv wichtige Entscheidungskriterium, bei dem Männer höhere Werte erzielen, ist die Frage nach Aufstiegschancen", sagt Andreas Gnesda, Beiratsvorsitzender von Leitbetriebe Austria. Das ist 41 Prozent der Männer und 39 Prozent der Frauen wichtig. 

„Dieses Ergebnis war auch für uns eine Überraschung, aber genau dazu wurde unsere Studie gemacht: Vermeintliche Wahrheiten zu überprüfen, neue Erkenntnisse zu gewinnen und damit den Entscheidungsträgerinnen und -träger Grundlagen für richtige Weichenstellungen für die Zukunft zu liefern“, meinte die Leitbetriebe-Austria-Geschäftsführerin bei der Präsentation am Flughafen Schwechat.

Der Job zählt heutzutage weniger

Im Zuge der Studie zeigte sich zudem, dass der Erwerbsarbeit heutzutage generell eine geringere Bedeutung zugemessen wird. "Ich arbeite, also bin ich" gilt für viele Junge nicht mehr. Bei den wichtigsten Lebensbereichen rangiert die Arbeit nur noch auf Platz vier. Bedeutsamer sind für junge Menschen Familie, Freizeit oder Freunde. Insgesamt messen jedoch 77 Prozent der Befragten ihrem Beruf einen hohen Stellwert bei.

Ein bisschen weniger junge Menschen sehen den Job als gute Möglichkeit, sich selbst zu verwirklichen. Das gaben 74 Prozent der Befragten an. 76 Prozent legen Wert auf eine gute Work-Life-Balance, 79 Prozent wollen sich während ihrer gesamten Berufslaufbahn weiterbilden. Sich im Leben etwas leisten zu können, ist 72 Prozent der Befragten wichtig.

Junge Leute wollen häufiger den Job wechseln

Außerdem zeigte die Studie: 40 Jahre im selben Unternehmen zu arbeiten, war gestern. Die Lust auf häufige Job-Wechsel ist groß. Gutes Mitarbeitermanagement besteht daher nicht nur aus Recruiting, leitet Gnesda ab. "Entscheidend ist es, Mitarbeiter zu halten und motiviert zu halten. Seit Corona ist die Wechselbereitschaft deutlich gestiegen. 20 Prozent aller Mitarbeiter planen maximal zwei Jahre im Unternehmen zu bleiben, weitere 29 Prozent nur drei bis fünf Jahre." Unternehmen seien deshalb gefordert, die Angestellten zu überzeugen, dass der Arbeitsplatz für sie der richtige ist. Und auch mit dem ausschließlichen Angebot einer 40-Stunden-Woche kommen Firmen wohl nicht mehr weiter: Nur noch der Hälfte der Befragten ist es den Angaben zufolge wichtig, einen Vollzeitjob zu haben. Der Wunsch nach Teilzeit ist auf dem Vormarsch.

Zur Studie: Befragt wurden von dem Meinungsforschungsinstitut "Market Agent" im Mai und Juni 2022 im Rahmen von Online-Interviews 1.000 junge Menschen aus ganz Österreich.