Handel und Friseure sind offen und hoffen. Mit Eintrittstests und FFP2-Maskenpflicht probt das Land die Wiedereröffnung. Händler melden am ersten Einkaufstag einen "guten Betrieb" , "überdurchschnittliche Umsatzzahlen" und "viele Schnäppchenjäger". Besonders Textil-, Elektro- und Möbelhändler waren sehr stark frequentiert. Der NÖ-Handel sieht „Chance auf etwas mehr Normalität“ und appelliert "jede und jeden" zur Verantwortung.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 08. Februar 2021 (19:00)
NÖ sperrt wieder auf: Neben der Rückkehr zum Präsenzunterricht in Schulen, haben seit 8. Februar Fachgeschäfte und körpernahe Dienstleiter wie Friseure wieder geöffnet.
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Nach sechs Lockdown-Wochen sind die Geschäfte wieder offen. Händler und Shopping Center-Betreiber melden zum Start einen "guten Betrieb", "überdurchschnittliche Umsatzzahlen" und "viele Schnäppchenjäger", informiert der Handelsverband. Speziell Textil, Elektro und Möbelhändler sind sehr stark frequentiert. Kunden halten sich diszipliniert an die verordneten Covid-19-Hygienemaßnahmen.

Franz Kirnbauer, Obmann Sparte Handel der WKNÖ
Tanja Wagner

Jede und jeder müssen Verantwortung übernehmen und die Hygienebestimmungen einhalten, „damit wir diese Chance auf etwas mehr Normalität nicht ungenutzt lassen“, sagt Franz Kirnbauer, Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer NÖ. Das Aufsperren sei „überlebenswichtig“, „richtig“ und ein „Neuanfang“, tönt es von den einzelnen Fachhandelsvertretern. Im Vorjahr verzeichnete der Handel ohne die Grundversorgung ein Umsatzminus von zehn Prozent.

Die Modebranche schrieb sogar ein Minus von 24,4 Prozent. „Die Zahlen zeigen deutlich, wie wichtig ein Aufsperren der Geschäfte ist“, betont Kirnbauer. Wirtschaftlich seien die Betriebe am Limit und bei den Menschen mache sich eine gewisse ‚Lockdown-Müdigkeit‘ breit, so Kirnbauer. 

"Wir knabbern schön langsam an der Substanz"

Silvia Rupp, Landesinnungsmeisterin der NÖ-Friseure
Josef Bollwein

Auch 1.700 NÖ-Friseure dürfen wieder zur Schere greifen und ihren Kunden ihre Haarpracht zurechtstutzen. Die Friseure haben im letzten Lockdown einen „guten Monatsumsatz“ verloren. „Das hat trotz Hilfen ein Riesenloch gerissen“, sagt Landesinnungsmeisterin Silvia Rupp. Sie ist jedenfalls aktuell „gut gebucht, aber nicht überrannt.“ Es komme jetzt auf jeden Kunden an, denn „wir knabbern schön langsam an der Substanz“. Viele ihrer Kollegen seien froh, dass sie wieder aufsperren können. Einigen wenigen stoßen aber die Eintrittstests sehr sauer auf: Wegen der Kontrollpflicht. Kunden, speziell im urbanen Raum, hätten sich über die Testpflicht mokiert und signalisiert, dass sie zum Pfuscher gehen. „Und das hilft absolut niemanden“, sag Rupp. 

Der Ausbau der Teststraßen sei zwar ein guter Anfang, aber ausbaufähig. Für ältere Kunden sei der Friseurbesuch das Highlight der Woche, aber "oft sind sie nicht gut mobil und die Teststraßen für sie nicht einfach erreichbar“, kritisiert Rupp. Sie hofft, dass bald weitere Testmöglichkeiten wie Wohnzimmertests bzw. auch die bereits in Schulen angewandten Nasenbohrer-Tests von der Regierung erlaubt werden. „Die Zulassung von ‚Nasenbohrertests‘ für den Handel wäre hilfreich“ , sagt Rupp.

Gastronomie und Hotellerie: Bitte warten!

Mario Pulker
Andreas Kraus

Für die Gastronomie und Hotellerie, heißt es weiterhin: 'Bitte warten!' Tourismus-Spartenobmann Mario Pulker wertet die Öffnungsschritte dennoch als „positives Signal“. Mitte Februar will die Bundesregierung die Maßnahmen evaluieren. Pulker erhofft sich dann eine "Perspektive" für die Tourismusbetriebe, um mit "entsprechender Vorlauf- und Vorbereitungszeit" bald wieder Gäste begrüßen und bewirten können. Die Konzepte seien da und funktionieren, wie die Sommermonate des vergangenen Jahres gezeigt hätten. 

Bis zur Wiedereröffnung der Tourismus-Betriebe müssen die beschlossenen Hilfsgelder schnell fließen, um die Liquidität der Betriebe sicherzustellen, fordert Pulker. "Langfristig hilft aber nur eine rasche Öffnung unter betriebswirtschaftlich vertretbaren und sinnvollen Bedingungen, ansonsten schaut es für viele Tourismusbetriebe sehr düster aus", sagt der Tourismus-Spartenobmann.

Stimmen vom NÖ-Fachhandel zur Öffnung

Andreas Auer
Andreas Kraus

Andreas Auer, Landesgremialobmann Papier- und Spielwarenhandel

„Wir freuen uns darauf, dass wir endlich wieder Kunden in unseren Geschäften begrüßen dürfen und die Stärken des regionalen Fachhandels aufzeigen können. Wir punkten mit Regionalität, Beratung, Auswahl und einer schnellen Verfügbarkeit von Produkten. Das schätzen und suchen die Kunden und das bieten wir wieder – natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsbestimmungen. Für die Branche ist es wichtig, endlich wieder Umsätze erwirtschaften zu können – auch im Hinblick auf Ostern.“

Michael Nendwich
David Schreiber

Michael Nendwich, Landesgremialobmann Sportartikelhandel

„Für den Sportartikelhandel ist das Öffnen überlebenswichtig – vor allem im städtischen Bereich. Wir haben nur mehr ein kurzes Zeitfenster, nämlich bis Ende Februar, um die Winterware zu verkaufen. Deshalb ist ein Aufsperren am 8. Februar wichtig und richtig.“

Nina Stift
WKNÖ

Nina Stift, Vizepräsidentin und Landesgremialobfrau Handel mit Mode und Freizeitartikel

„Es waren 90 Tage, an denen unsere Handelsbetriebe nicht öffnen durften. 90 Tage, in denen sie in ihren Geschäften keine Kunden begrüßen durften. Nach 90 verlorenen Öffnungstagen braucht die Wirtschaft endlich wieder ein normales Leben, um Umsätze zu generieren, um Arbeitsplätze und Standorte zu erhalten. Die Sicherheitskonzepte passen und die Händler tun alles, diese umzusetzen.“

Wolfgang Schirak
David Schreiber

Wolfgang Schirak, Landesgremialobmann Autohandel

„Der Autohandel lebt - so wie die gesamte Branche - vom persönlichen Kontakt mit den Kunden. Die Händler mussten geschlossen halten, hatten aber dennoch Ausgaben. Kosten und keine Erträge – da klafft die Schere immer weiter auseinander. Wieder öffnen zu dürfen ist überlebenswichtig für unsere

Thomas Kaltenböck
David Schreiber

Thomas Kaltenböck, Landesinnungsmeisters der Gärtner und Floristen

„Der Zeitpunkt der Öffnung kommt gerade noch rechtzeitig vor der Valentinswoche. Das Signal ist richtig und auch für unsere Branche wichtig. Die Betriebe sind gut vorbereitet und wir freuen uns richtig auf unsere Kunden. Das Strahlen der Menschen, wenn eine Blume ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Die Freude den Frühling sich nach Hause zu holen. Den Duft und die intensiven Farben des Frühlings zu sehen und spüren. Wir freuen uns auf schöne und wertvolle Begegnungen und wir bereiten den Menschen Freude und geben ihnen Hoffnung für einen Neuanfang. Das erfüllt uns ebenso mit Freude und gibt uns Mut. Wir sind bereit!“

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