Handwerkerbonus ist kein Renner. Der Anti-Pfusch-Bonus wurde zu Jahresmitte ins Leben gerufen. Von den für heuer budgetierten 10 Millionen Euro liegen noch über 8 Millionen im Topf. Der erhoffte Ansturm auf den Handwerkerbonus ist ausgeblieben.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 01. September 2014 (04:02)
NOEN, Inara Prusakova/Shutterstock

Er wurde zur Jahresmitte von der Bundesregierung eingeführt. Bis zu zehn Millionen Euro wurden für das zweite Halbjahr budgetiert, bis zu 20 Millionen sind für 2015 vorgesehen.

Großteil der Förderansuchen kommt aus NÖ

Von 1. Juli bis 25. August wurden heuer aber erst 1,9 Millionen Euro an Förderboni beantragt, die noch nicht einmal zur Gänze bewilligt wurden (Infos unten). Das ist nur ein Fünftel der Summe in einem Drittel der zur Verfügung stehenden Zeit.

Dafür wurden 4.716 Förderansuchen bei den heimischen Bausparkassen gestellt, welche alle Förderanträge abwickeln. Mit 1.260 Ansuchen kommt der Großteil aus NÖ. Diese Daten gehen aus einer NÖN-Anfrage beim Arbeitsforum Österreichischer Bausparkassen hervor.

Für jene, die heuer sanieren wollen, ist das durchwegs positiv. Sie müssen kaum befürchten, dass sie zu spät ansuchen und der Topf bereits ausgeschöpft ist.

Heuer nicht abgeholtes Geld 2015 nicht zur Verfügung

Warum die Nachfrage bislang so gering ist und ob sie unter den Erwartungen liegt, wollen weder Finanzministerium noch Bausparkassen kommentieren. Dazu sei es noch zu früh, so der einhellige Tenor. Klar ist aber, dass das heuer nicht abgeholte Geld nächstes Jahr nicht zusätzlich zur Verfügung stehen wird, weil es sich jeweils um ein maximales Fördervolumen handelt.

Dass die Erwartungen zur Pfusch-Bekämpfung und Konjunkturbelebung durch den Handwerkerbonus bislang nicht erfüllt wurden, ist für Robert Jägersberger indes nicht überraschend. „Der Ansatz ist zwar richtig, um die Schwarzarbeit einzudämmen und die legale Beschäftigung zu belohnen“, meint der NÖ-Bauinnungschef und Vizeobmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Wirtschaftskammer NÖ.

„Wir haben aber immer kritisiert, dass der Bonus im Verhältnis zur jeweiligen Investition ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, so Jägersberger. Aktuell werden nur 20 Prozent bzw. maximal 600 Euro der Arbeitsleistung gefördert. Jägersberger fordert dagegen eine maximale Förderung von 20.000 Euro.

Veröffentlichung der Namen? „Datenschutz hat oberste Priorität“

Bei so manchem Förderwerber sorgt indes auch der letzte Satz in den Allgemeinen Vertragsbedingungen des Förderantrages für Stirnrunzeln. Demnach stimmt der Fördernehmer ausdrücklich zu, dass sein Name, der Förderbetrag und der Titel des Projektes vom Finanzministerium „zu Zwecken der Information der Öffentlichkeit veröffentlicht werden können“.

„Selbstverständlich hat Datenschutz im Finanzministerium oberste Priorität – damit ist keine Veröffentlichung von personenbezogenen Förderdaten geplant“, sagt Ministeriumssprecherin Daniela Kinz. Wozu gibt es dann diese Klausel? „Die Vertragsbedingungen sind angelehnt an den Sanierungsscheck und damit an allgemeine Datenschutzklauseln“, so Kinz.


Handwerkerbonus kontra Pfusch am Bau

Die Schattenwirtschaft im heimischen Baugewerbe umfasste 2013 laut Prof. Friedrich Schneider rund 7,5 Milliarden Euro. Laut WKNÖ-Schätzung entfielen davon 1,25 Milliarden Euro auf NÖ.

Für den Handwerkerbonus einreichen können Personen, die an ihrem heimischen Haupt- oder Nebenwohnsitz eine Renovierung, Erhaltung oder Modernisierung durchgeführt haben. Gefördert werden Arbeitsleistungen samt Fahrtkosten von Handwerkern und befugten Unternehmen.

Die Förderung beträgt 20 Prozent der Kosten (exklusive Umsatzsteuer), aber maximal 600 Euro. Nur ein Förderantrag pro Antragsteller und Kalenderjahr kann gestellt werden. Für dasselbe Objekt kann aber eine weitere Person einen Antrag stellen. Insgesamt liegt die maximale Förderung bei 600 Euro.

4.716 Anträge mit einem Fördervolumen von 1.923.020 Euro wurden bei den heimischen vier Bausparkassen zwischen 1. Juli und 25. August 2014 eingebracht. Bereits genehmigt wurden 2.998 Projekte (1.220.223 Euro). 52 Projekte wurden abgelehnt, der Rest ist noch in Bearbeitung.

www.handwerkerbonus.gv.at