Egger zahlt Millionen für Vergleich in Rumänien. Drei österreichische Holzkonzerne sind in Rumänien zu Millionenstrafen verurteilt worden, darunter Egger Romania SRL (Tochter des Holzwerkstoffherstellers Egger aus St. Pölten-Radlberg). Das berichtete der WWF am Dienstag unter Berufung auf die Plattform Rise sowie Angaben der rumänischen Wettbewerbsbehörde.

Von APA / NÖN.at. Erstellt am 19. Januar 2021 (18:48)
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Bei den heimischen Firmen handelt es sich um Töchter von Kronospan, Egger und Schweighofer (HS Timber). Insgesamt wurden 31 Firmen mit Strafen belegt. 13 Firmen - darunter die heimischen - haben einen Vergleich mit der rumänischen Wettbewerbsbehörde geschlossen.

Die rumänische Behörde hat konkret den Holzbeschaffungsmarkt im Balkanland beleuchtet. Sie untersuchte mutmaßliche wettbewerbsrechtliche Verstöße in den Jahren 2011 bis 2016.

Aus Österreich gerieten dabei konkret die Egger Romania SRL, die HS Timber Prodctions SRL sowie die drei Kronospan-Firmen Romania SRL, Kronospan Sebes SA sowie Kronospan Trading SRL ins Visier, geht aus einer Mitteilung der rumänischen Behörde hervor. Gemeinsam zahlen sie für die erzielten Vergleiche nun gut 26 Mio. Euro. Bei Schweighofer sind es mehr als 10 Mio. Euro, für Kronospan rund 9,5 Mio. Euro und für Egger fast 5 Mio. Euro.

Bei den festgestellten Mängeln seien "umgehend die notwendigen Korrekturmaßnahmen ergriffen" worden, teilte HS Timber (Schweighofer) gegenüber der APA mit. Man habe das Sorgfaltspflichtsystem der Firma verbessert, klare Regeln definiert und Maßnahmen zur Förderung einer sicheren Holzlieferkette in Rumänien implementiert. Für Lieferanten wurde ein verpflichtender Verhaltenskodex eingeführt. Mit dem Vergleich könne nun "endlich ein Schlussstrich unter dieses Kapitel" gesetzt werden.

Egger erklärte indes gegenüber der APA, dass es seitens der verantwortlichen Mitarbeiter von Egger Romania ein "individuelles Fehlverhalten" gegeben habe, das von der rumänischen Wettbewerbsbehörde zu Recht beanstandet worden sei. "Diese Mitarbeiter haben die festgestellten Verstöße zwar nicht initiiert, es aber versäumt, die beanstandeten Vorgänge zu unterbinden. Deshalb haben wir uns auch vorbehaltlos bereit erklärt, diese Strafzahlung zu leisten", sagte Thomas Leissing, Sprecher der Egger-Gruppenleitung.

Bei den Wettbewerbsverstößen handle es sich um "absolute Ausnahmen", betonte Leissing. Zudem habe es die Wettbewerbsbehörde als positiv bewertet, dass das Unternehmen ein eigenes Programm zur Einhaltung des Wettbewerbsrechts verfolge und nicht nur seine Mitarbeiter in diesen Belangen schule, sondern auch Handelspartner auf Lieferantenseite in diese Schulungen einbezogen habe.

Laut Angaben der Wettbewerbsbehörde und des WWF haben auch Egger und Kronospan wettbewerbsrechtliche Verfehlungen eingestanden.

Es zeige sich immer wieder, dass illegales Holz aus Kahlschlägen auf den Markt komme, so der WWF. Der Grund dafür seien säumige Behörden und die Politik. Hinweisen würde "entweder gar nicht oder nur völlig unzureichend nachgegangen".

Der WWF Österreich fordert daher "jetzt eine volle Aufklärung seitens der involvierten österreichischen Holzkonzerne sowie europaweit schärfere Kontrollen des Holzhandels". "In Rumänien liegen Europas wertvollste Urwälder, die aufgrund massiver Kahlschläge extrem bedroht sind", so Hanna Simons von den Umweltschützern. "Daher muss die gesamte Holzbranche ihr Geschäftsmodell ändern. Zusätzlich muss das geltende EU-Recht gegen den illegalen Holzhandel endlich wirksam umgesetzt werden."

"Auch in Österreich gibt es hier sehr große Defizite", so Simons. "Das Bundesamt für Wald kontrolliert viel zu wenig, hat zu wenige personelle Ressourcen und entsprechend geschultes Personal."

Die zuständige Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) müsse "endlich tätig werden, um bestehende Schlupflöcher für illegale Aktionen zu schließen", so die WWF-Vertreterin. "Es kann nicht sein, dass Politik und Verwaltung den Raubbau an den weltweiten Wäldern einfach nur achselzuckend hinnehmen."

In Rumänien gibt es schon eine lange andauernde Kontroverse um illegale Waldrodungen. Laut Umweltschützern finden sich dort zwei Drittel der unberührten Wälder in der EU außerhalb Fennoskandinaviens. Die Umweltschützer sprechen von systematische Abholzungen in "Natura 2000"-Gebieten ohne entsprechende Prüfung der Auswirkungen. Damit würde das EU-Recht verletzt.