Die Mobilität der Zukunft

Hamburg und Kopenhagen zeigen, wie es gehen kann: Mit Öffis und E-Mobilität zur Klimaneutralität – auch im ländlichen Raum.

Erstellt am 22. Oktober 2021 | 05:00
440_0008_8209969_noe42hamburg_schleritzko_02_c_florian_k.jpg
Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko und VOR-Geschäftsführer Wolfgang Schroll machten sich in Hamburg ein Bild von den E-Bussen, die ab 2022 am Schweinbarther Kreuz unterwegs sein werden.
Foto: Büro LR Schleritzko

Umweltfreundliche Mobilität ist eines der großen Zukunftsthemen – gerade im Flächenbundesland Niederösterreich. Neue Ideen holte sich eine von Verkehrslandesrat Ludwig Schleritzko angeführte Delegation aus Niederösterreich beim ITS-Kongress in Hamburg, der weltweit größten Messe zur Zukunft der Mobilität. Das Fazit: Das Auto wird auch in Zukunft außerhalb der Städte eine Rolle spielen – in erster Linie aber als Zubringer zu den Öffi-Netzen.

E-Busse wie in Hamburg ab 2022 im Weinviertel

Die Stadt Hamburg beispielsweise plant, dass 2030 nur mehr 20 Prozent des gesamten Verkehrsaufkommens von Pkw verursacht wird. Der Rest der Wege wird mit Öffi, per Rad oder zu Fuß erledigt – auch von Einpendlern, berichtete Staatsrat Martin Bill. Kopenhagen will Autos bis 2025 aus der Stadt verbannen. Bereits heute fährt nur mehr jeder achte Einwohner mit dem Auto.

„Die Menschen verzichten nicht der Umwelt zuliebe auf das Auto, sondern weil Rad, Öffis oder Zu-Fuß-Gehen bequemer sind. Alle unsere Entscheidungen zielen darauf ab, die Stadt den Menschen zurückzugeben – also autofrei zu machen“, erzählte Vizebürgermeisterin Ninna Hedeager Olsen. Auch für Pendler bedeutet das, dass sie sich umstellen müssen – schon heute kommt die Hälfte mit dem Rad. Zur Verbesserung der Anbindung werden S-Bahnen ausgebaut, Radschnellstraßen errichtet und Busnetze adaptiert.

„Alle unsere Entscheidungen zielen darauf ab, die Stadt den Menschen zurückzugeben – also autofrei zu machen.“ Ninna Hedeager Olsen, Vizebürgermeisterin der Stadt Kopenhagen

Doch was kann Niederösterreich – ein Bundesland ohne Millionenstadt – aus Hamburg und Kopenhagen mitnehmen? Viel, meint Schleritzko: „Österreich will bis 2040 klimaneutral sein. Wir werden dieses Ziel nicht erreichen, wenn wir nur von Autos auf E-Autos umsteigen. Aber das Auto wird bei uns immer eine Rolle spielen.“

Wie es gehen könnte, erprobt Niederösterreich ab 2022 am Schweinbarther Kreuz im Weinviertel. Zehn Elektrobusse, wie sie in Hamburg derzeit im Einsatz sind, werden im August in Betrieb genommen. Weitere Busstrecken könnten folgen. Auch die Errichtung der ersten Radschnellwege ist auf Schiene: 200 Kilometer auf elf Achsen sind vorerst geplant – unter anderem von Lilienfeld nach St. Pölten, von Wiener Neustadt nach Wien-Liesing und von Gmünd nach Schrems.

In Niederösterreich umsetzbar wären auch Formen des Anrufsammeltaxis mit E-Kleinbussen, wie Moina in Hamburg, oder E-Taxis, wie sie Uber anbietet. Einen Test könnte es in absehbarer Zeit in Klosterneuburg geben, wie Roland Werner, einer der Uber-Direktoren, beim ITS-Kongress anklingen ließ.