Johann Marcher: Klimawandel wird Baustoff Ziegel helfen. Wienerberger-Österreich-Chef Johann Marcher spricht über Bautrends, Nachhaltigkeit und neue Pläne für die zwei NÖ-Werke.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 23. September 2020 (03:03)
Johann Marcher ist seit März Geschäftsführer der Wienerberger-Österreich-GmbH.
A.Hafenscher

In Hennersdorf (Bezirk Mödling) steht das größte Ziegelwerk Österreichs. Mit dem zweiten NÖ-Werk Göllersdorf (Bezirk Hollabrunn) sind hierzulande 150 der 500 Wienerberger-Österreich-Mitarbeiter tätig. An ihrer Spitze steht seit März der im Marchfeld lebende Johann Marchner. Er spricht über einen anhaltenden Trend zum Einfamilienhaus, Maßnahmen gegen den Klimawandel und neue Chancen für den Baustoff.

NÖN: Wienerberger hatte im März in einigen Werken Stillstand. Wie sehr hat die Krise getroffen?

Johann Marchner: Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen. Den vorübergehenden Stillstand einiger Baustellen werden wir nicht mehr wettmachen können. Die Jahresziele erreichen wir nicht. Es ist nicht lebensbedrohlich, aber es tut weh.

Wie hat sich seither das Auftragsvolumen entwickelt?

Marchner: Die Bereiche Dach- und Wandziegel haben sich unterschiedlich entwickelt. Der Bereich Dach gut und damit auf Vorjahresniveau. Das liegt nicht zuletzt daran, dass es eine steigende Sanierungsquote gibt und viele Menschen, die gerade jetzt öfter zuhause sind, etwa ihr Dach sanieren. Im Bereich der Wandziegel erreichen wir das Vorjahresniveau nicht mehr.

Wie wichtig ist der Einfamilienhaus-Bereich für Wienerberger?

Marchner: Das ist ein starkes Segment. Es ist für uns aber auch ein erklärtes Ziel für die Zukunft, wieder im mehrgeschossigen Wohnbau zu punkten.

Bis 2050 wollen Sie CO2-neutral produzieren. Wie geht das?

Marchner: Wir haben schon diverse Maßnahmen gesetzt. Etwa den Einsatz von Wärmepumpen in unseren Werken, mit denen es gelingt, die Energieeffizienz um bis zu 80 Prozent zu steigern und CO2-Emissionen um bis zu 75 Prozent zu reduzieren. Neue Fertigungstechnologien sollen unseren Fußabdruck senken. Diese sind für 2021 geplant.

In den USA sollen Naturkatastrophen den Ruf nach massiver Bauweise verstärkt haben. Kann das also auch eine Chance sein?

Marchner: Generell ist der Baustoff Ziegel für ein angenehmes Raumklima – im Sommer kühl, im Winter angenehm warm – bestens geeignet. Er funktioniert wie eine natürliche Klimaanlage. Außerdem punktet er durch seine Langlebigkeit und seine hohen statischen Fähigkeiten. Unser Anspruch muss es sein, ein nachhaltiges Gebäude zu errichten. Deshalb glaube ich, dass der Klimawandel dem Baustoff Ziegel weiter helfen wird.

Wie sind die Pläne für NÖ?

Marchner: NÖ ist einer unserer wichtigsten Absatzmärkte, es gibt sehr gute Rohstoffvorkommen. Mittelfristig ist es wichtig, weitere Premium-Produkte auch produktionsseitig in den Hauptmarkt zu bringen. In NÖ geht es in den nächsten Jahren also um ständige Sortimentserweiterung und Innovation.