Pulker über Wirtesterben: „Gibt kein Allgemeinrezept“. WKÖ-Wirtesprecher Mario Pulker über das Wirtesterben.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 04. Juni 2019 (02:39)
NOEN, zVg
Mario Pulker ist selbst Hotelier in Aggsbach Dorf (Bezirk Melk).

NÖN: Die Zahl der Gasthäuser in NÖ hat sich seit 2000 um über 500 verringert. Woran liegt das?

Mario Pulker: Wir verlieren die Gasthäuser in erster Linie in den ländlichen Bereichen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Es gibt einen wahnsinnigen Wandel in der Gesellschaft. Die Leute gehen weniger weg, das Angebot in der Gastronomie ist mehr geworden. Es gibt vieles an Para-Gastronomie, damit sind Vereinshäuser etc. gemeint, die der Gastronomie Kundschaft abgraben. Bis 1973 war die Gastronomie überhaupt ein reglementiertes Gewerbe. Es ist also von langer Hand gekommen, dass die Land- und Dorfgastronomie so unter Zugzwang steht. Natürlich spielen da auch die gestiegenen Kosten hinein, die Bürokratie und als zusätzlicher Treiber der Personalmangel.

Das ist also ein je nach Gemeinde sehr individuelles Thema?

Pulker: Genau, das hängt auch von der Stärke einer Dorfgemeinschaft ab. In Kärnten gibt es die Entwicklung, dass Gemeinden leerstehende Gasthäuser kaufen, herrichten und dann keine Pacht von einem neuen Wirten verlangen, damit es wieder ein Gasthaus im Ort gibt.

Die Entwicklung der Restaurants ist eine gegenläufige.

Pulker: Aber man muss auch sehen, unter welch großem Einsatz der Gastronomen das passiert. Dass ein neues Restaurant eröffnen und bestehen kann, das funktioniert nur in Regionen mit starkem Einzugsgebiet.

Wie bewerten Sie diese Entwicklungen? Ist dieser Wandel ohnehin nicht aufzuhalten?

Pulker: Es gibt eine Verschiebung im Angebot. Ein Problem ist: Wir haben erst kürzlich mit der NÖ-Werbung eine Umfrage gestartet, weil NÖ damit wirbt, Genussland zu sein. Die Frage ist aber: Wie weit kann ich mich als Genussland positionieren, wenn ich in ländlichen Regionen 40 Kilometer fahren muss, um zum nächsten Gastronomen zu kommen? Es gibt kein Allgemeinrezept. Wichtig ist, bürokratische Hürden zurückzufahren und keine neuen zu schaffen. 

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