Speed-Dating für Lehrlinge. Bei „10.000 Chancen“ können Unternehmer mit Speeddatings Lehrlinge finden.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 11. September 2018 (02:46)
Am 14. November haben in St. Pölten junge Menschen die Chance, sich für das Job-Speeddating Ende November in Graz zu qualifizieren.
zVg

Die heimischen Betriebe suchen händeringend nach Fachkräften, das ist kein Geheimnis. Sie zu finden ist offenkundig eine unglaubliche Herausforderung. Bernhard Ehrlich hat ein Rezept, um interessierte Jugendliche und fachkräftesuchende Betriebe zusammenzubringen: die Initiative „10.000 Chancen“.

Sieben Minuten pro Gespräch

Am 27. November können sich im Zuge dieser Initiative in Graz 480 Jugendliche bei Speeddatings mit 15 ausgewählten Betrieben (darunter Kika/Leiner aus St. Pölten und Libro/Pago aus Guntramsdorf) für Lehrstellen bewerben. Sieben Minuten stehen jedem Lehrling bei jedem der 15 Jobgespräche zur Bewerbung zur Verfügung – eben Speeddating.

Je 120 der 480 Finalisten kommen aus Niederösterreich, Wien, der Steiermark und Oberösterreich. Die Vorauswahl dazu in St. Pölten findet am 14. November statt. Bewerben können sich grundsätzlich alle Jugendlichen, der Fokus liegt aber auf Jugendlichen mit Einschränkungen, etwa Migrationshintergrund oder Behinderungen wie Seh- oder Hörschwächen.

Bernhard Ehrlich, Initiator von „10.000 Chancen“.
David Visnjic

„Auch wenn es viele nicht hören wollen: 80 Prozent der Jugendlichen bei uns haben Migrationshintergrund“, konstatiert Ehrlich.

„Ich habe aber schon 2016 gesagt, dass es der größte Glücksfaktor ist, dass wir Flüchtlinge haben – nämlich die, die wirklich da bleiben wollen. Denen zu verwehren, eine Lehre zu machen, ist nicht sehr g’scheit und schlecht für die Volkswirtschaft“, nimmt Ehrlich auch zum aktuellen Ende des Zugangs zu Lehrstellen für Asylwerber Stellung. „Das ist fast ein Skandal.“

Vier Voraussetzungen für die Bewerber

Die Voraussetzung für die Zulassung zu den Speeddatings mit den Unternehmen jedenfalls, die sind strikt einzuhalten. Es sind: Sprachkenntnisse in Deutsch auf B1-Niveau, Arbeitszugang, Pflichtschulabschluss und – vor allem – Arbeitswille.

„Ich habe bewusst Betriebe ausgewählt, die in allen vier Bundesländern Filialen haben“, erklärt Bernhard Ehrlich, Initiator der „10.000 Chancen“. Den Stein ins Rollen gebracht hat ursprünglich die Flüchtlingskrise 2015 bis 2016. „Wir haben die Menschen hier, und jetzt sollten wir das Problem lösen. Irgendwo werden sie abgeholt werden – wenn wir sie nicht am Arbeitsmarkt abholen, dann macht es jemand anderer“, so Ehrlichs Zugang zum Thema.

Keine Förderung für Initiative

Nach wie vor bekommen die „10.000 Chancen“ keine Förderung. Allein das Speeddating in Graz und die vier Vor-Events kosten rund 100.000 Euro. Die Finanzierung erfolgt über die Betriebe, die Lehrlinge suchen. In Niederösterreich hat Ehrlich aber bereits intensive Unterstützung erhalten – vom Büro des zuständigen Landesrats Martin Eichtinger ebenso wie von der Wirtschaftskammer (WK) NÖ und deren Präsidentin Sonja Zwazl. Die WKNÖ hat beispielsweise auch die Location für die Vorauswahl in St. Pölten zur Verfügung gestellt.

Bisher wurden im Zuge der „10.000 Chancen“ rund 400 Jugendliche in eine Lehrausbildung vermittelt. Das Ziel ist, wie der Name der Initiative verrät, 10.000 Jobs zu vermitteln.

Die Bewerbungsfrist jedenfalls für die Vorauswahl in St. Pölten läuft. Für alle interessierten Jugendlichen, die sich bei den „10.000 Chancen“ bewerben wollen, gibt es mehr Infos unter www.10000chancen.com