Insolvenz bei Dayli verschleppt?. Konkurs / Gläubigerschützer wollen klären, ob Insolvenz antrag zu spät gestellt wurde. Ex-Mitarbeiter auf Jobsuche.

Erstellt am 19. August 2013 (10:00)
NOEN, APA/GEORG HOCHMUTH
Ein Jahr nach der Gründung ist nun die Schlecker-Nachfolgefirma Dayli in Konkurs.APA
Von Heinz Bidner & Gerti Süss

„Eines der Hauptthemen der nächsten Zeit wird sein, ob bei Dayli eine Insolvenzverschleppung vorliegt“, sagt Gerhard Weinhofer, Chef des Gläubigerschutzverbandes Creditreform zur möglichen zusätzlichen Schädigung der Dayli-Gläubiger. Demnach könnte die Zahlungsunfähigkeit erst zu spät eingestanden worden sein, womit zusätzlich Geld verloren ging. Das werde nun zu prüfen sein.

Von der angekündigten 25-prozentigen Quote dürften nach Meinung von Weinhofer nur mehr unter zehn Prozent rausschauen.

Drohender Rechtsstreit zwischen Gründer und Kurzzeiteigentümer

Am Montag vergangener Woche hatten Gläubigerausschuss und Gericht die vom Masseverwalter beantragte Schließung der TAP dayli Vertriebs GmbH bewilligt. Es konnte bis dahin kein Investor gefunden werden. Die Passiva belaufen sich auf rund 67 Millionen Euro, rund 1.600 Gläubiger sind betroffen.

Ein Rechtsstreit bahnt sich nun auch zwischen Dayli-Gründer Rudolf Haberleitner und Kurzzeiteigentümer Martin Zieger an. Haberleitner behauptet, Zieger habe bei Übernahme der Anteile von Haberleitner nur als Treuhänder fungiert. Zieger bestreitet das, weshalb ihn Haberleitner auf Herausgabe der Anteile geklagt habe. Haberleitner kündigte zudem medial an, Filialen wieder aufsperren zu wollen. Mit wessen Geld blieb bislang offen.

60 Dayli-Mitarbeiter aus NÖ bei AMS 

Von den bundesweit 3.468 Ex-Dayli-Mitarbeitern haben bis jetzt nur wenige einen Job bei den beiden größten Handelsketten gefunden. Zwei Mitarbeiter wurden bis vergangene Woche fix von Spar übernommen. Zu „vereinzelten Einstellungen“ kam es auch beim Rewe-Konzern.

Zudem verzeichnet Spar derzeit 70 offene Bewerbungen von Dayli-Mitarbeitern, bei Rewe sind es etwa 60. Rewe geht davon aus, dass die Bewerberzahlen bis Ende August noch steigen werden.

Von den 660 in NÖ betroffenen Mitarbeitern haben sich bis Freitag 60 beim Arbeitsmarktservice (AMS) gemeldet. Dort setzt man auf Vermittlung oder Qualifizierungsmaßnahmen.

Arbeitsstiftung von AMS und Land in Planung

Zusätzlich ist eine Arbeitsstiftung in Planung, die je zur Hälfte von Land und AMS getragen werden soll. Pro Stiftungsteilnehmer sind rund 7.500 Euro für die Weiterbildung geplant. Die Verbleibzeit wird erfahrungsgemäß im Schnitt 20 Monate pro Person betragen, heißt es vom AMS.

Starten wird das Projekt wegen des Ausschreibungsverfahrens voraussichtlich aber erst im Oktober. Es muss noch ein Schulungsträger zur Abwicklung der Fortbildungsmaßnahmen gefunden werden.