NÖ: Anstieg bei Firmenpleiten. NÖ ist das einzige Bundesland, in dem es 2017 Plus bei Unternehmensinsolvenzen gab.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 27. Februar 2018 (01:06)
Creditreform Insolvenzstatistik 2017

Knapp vier Unternehmensinsolvenzen gab es im Vorjahr pro Werktag in Niederösterreich. Insgesamt 923 Firmen schlitterten in die Pleite. Bundesweit waren es 21 Insolvenzen pro Werktag. Absolut gab es knapp unter 5.320 Fälle. Das entspricht einem Minus von 3,9 Prozent im Vergleich zum Jahr 2016. Das lässt sich der Insolvenzstatistik für 2017 des Gläubigerschutzverbandes Credit reform entnehmen.

Der Bundesländervergleich zeigt: Niederösterreich ist das einzige Bundesland, das im Vorjahr ein Plus bei den Unternehmensinsolvenzen verzeichnen musste. Diese stiegen um 11,5 Prozent an. Unter den bundesweiten Top Ten der Insolvenzen 2017 nach Passiva fand sich auch die Haas Elektro GmbH aus Niederösterreich mit 32 Millionen Euro Passiva. Dieses Unternehmen scheint auch im Top Ten-Ranking nach betroffenen Mitarbeitern auf – nämlich mit 154 betroffenen Mitarbeitern knapp nach der ebenfalls aus Niederösterreich stammenden CA Industrietechnik GmbH mit 156 Betroffenen.

Rückgang bei Privatinsolvenzen

Die größte Insolvenzbetroffenheit gab es mit gut 1.790 Fällen in der Bundeshauptstadt Wien, Niederösterreich folgt auf Platz zwei. Die wenigsten Unternehmensinsolvenzen gab es 2017 in Vorarlberg.

Hauptgründe für Firmenpleiten sind laut Creditreform in der Regel kaufmännische Fehler der Geschäftsführung, Preisdruck, wettbewerbsbedingt sinkende Margen und Forderungsverluste. Betroffen sind nach Angaben von Creditreform vor allem Klein- und Kleinstunternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern.

Einen Rückgang gab es österreichweit auch bei den Privatinsolvenzen, nämlich um ganze 11,3 Prozent auf knapp 8.180 Fälle. In knapp 7.030 Fällen wurde ein Schuldenregulierungsverfahren eröffnet – ein Minus von 13,2 Prozent. Der Grund ist die Reform der Privatinsolvenz.

Privatinsolvenzen: Rückgang auch in NÖ

Das gilt hier auch für die Bundesländer-Zahlen. In Niederösterreich sank die Zahl der Privatinsolvenzen um 6,3 Prozent auf exakt 1.135. Gründe für die Pleiten von Privatpersonen sind laut Creditreform Arbeitsplatzverlust, gescheiterte Selbstständigkeit oder ein persönlicher Schicksalsschlag.

Außerdem hätten die Insolvenzschuldner durch etwa Online-Bestellungen oder Ratenkäufe keine Gesamtübersicht über ihre aktuelle finanzielle Lage. Hauptgläubiger seien laut dem Gläubigerschutzverband Banken, Versicherungen, Mobilfunkbetreiber und Online-Shops.

Die größte Insolvenzbetroffenheit gab es auch hier wenig überraschend in Wien. In der Bundeshauptstadt gingen die Privatinsolvenzen zwar um 13,3 Prozent zurück, allerdings gab es mit 3.031 noch immer mehr als doppelt so viele Fälle wie beim „Zweitplatzierten“ Niederösterreich. Die geringste Zahl von finanziellem Scheitern von Privatpersonen gab es 2017 im Burgenland.

Ausblick: Pleiten von Privaten steigen stark

Für 2018 rechnet der Gläubigerschutzverband Creditreform mit nahezu einer Verdopplung der Privatinsolvenzen. Das ist auf die bereits angesprochene Reform der Privatinsolvenz, die per 1. November 2017 in Kraft getreten ist, zurückzuführen. Viele Betroffene haben diese Reform nämlich abgewartet. Waren davor die Privatinsolvenzen zurückgegangen, stiegen sie ab 1. Jänner 2018 bundesweit bereits wieder stark an. Mit einem Plus von 67 Prozent wurde laut Creditreform in diesem Monat sogar ein Neueröffnungs-Rekord erzielt.