Flughafen Wien: "Steuern neuem Rekordjahr zu“ . Die Flughafen-Vorstände Günther Ofner und Julian Jäger über Passagierzahlen, Billigflüge, Umweltschutz & dritte Piste.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 29. Mai 2018 (01:46)
zVg
Flughafen-Vorstand Julian Jäger rechnet, dass die Ticketpreise weiter fallen werden.

NÖN: Von Jänner bis April sind am Flughafen Wien über sieben Millionen Menschen abgeflogen. Ein Plus von 5,2 Prozent. Zudem wurde ein deutlich besseres Quartalsergebnis als im Vorjahr erzielt. Und das nach dem Aus von Air Berlin.

Günther Ofner: Die Air-Berlin-Pleite ist gut verdaut worden und die Nachfrage nach Flügen und Dienstleistungen steigt sehr stark, wie die Konjunktur generell. Das macht sich auch bei uns positiv bemerkbar.

Julian Jäger: Wir rechnen insgesamt in der Gruppe mit einem Passagierwachstum 2018 von über acht Prozent und sind optimistisch, dass wir einem neuen Rekordjahr zusteuern.

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Ofner:  Wir freuen uns über den Preis, der auch das turbulente Jahr 2017 reflektiert. Mit der zuerst negativen Entscheidung in der Sache dritte Piste, dann der Aufhebung dieser negativen Entscheidung durch den Verfassungsgerichtshof, und natürlich auch die Air Berlin Pleite, die ein außerordentliches Ereignis war. Der Preis ist eine tolle Anerkennung für das Team.

Wie entwickeln sich die Auslandbeteiligungen Malta Airport und Flughafen Kosice?

Jäger: Noch besser als wir in Wien. Dort haben wir an beiden Standorten jetzt ein zweistelliges Wachstum. In Malta hatten wir vor zehn Jahren nicht einmal drei Millionen Passagiere. Die Zahl hat sich schon mehr als verdoppelt. Viele Touristen entscheiden sich für einen Urlaub auf Malta anstelle von Tunesien, Ägypten, oder der Türkei.

Marschik
Flughafen-Vorstand Julian Jäger rechnet, dass die Ticketpreise weiter fallen werden.

Hingegen mutiert der Bau der dritten Piste zur Never-Ending-Story. Sowohl der Verfassungsgerichtshof als auch der Verwaltungsgerichtshof wurden angerufen. Kann man die Chance auf eine Realisierung beziffern?

Ofner: Es wäre völlig fahrlässig, jetzt eine Prognose abzugeben. Die Gegner versuchen jedenfalls alles, um das Projekt zu verhindern. 1996, also vor 22 Jahren, war die erste Pressekonferenz, bei der das Projekt vorgestellt wurde.

Eine Auflage bei der Aufhebung der negativen Entscheidung vom Verfassungsgerichtshof zur dritten Piste war, dass der Flughafen klimaneutral werden soll. Ist das möglich, wenn der Flugverkehr zunimmt?

Ofner: Es ist ein sehr ambitioniertes Ziel, aber ein machbares Ziel. Wir haben in den letzten vier Jahren CO 2 um 34 Prozent und den Stromverbrauch um über 20 Prozent reduziert.

Wie wird sich das Fluggeschäft in den nächsten zehn Jahren entwickeln? Wird die Anzahl der Billig-Fluglinien weiter steigen?

Jäger: Es werden im touristischen Bereich die Tickets in den nächsten ein, zwei Jahren noch billiger werden. Ich gehe aber davon aus, dass sie dann wieder steigen. Aber wir haben nach wie vor einen unterdurchschnittlichen Anteil an Low-Cost-Carrier. Europaweit reisen 40 Prozent der Passagiere damit, bei uns nur 20 Prozent.

In den nächsten 20 Jahren wird jährlich ein Passagierwachstum von vier Prozent prognostiziert. Wann stößt der Flughafen Wien an seine Kapazitätsgrenzen?

Ofner: Ab 2025 wird es sehr eng bei den Abflugkapazitäten. Bei der Terminalkapazität können wir 35 bis 40 Millionen Passagiere verkraften (Anm.: 2017 waren es 24 Millionen bei den Abflug-Kapazitäten)

Jäger: Wir investieren in den Terminals in den nächsten fünf Jahren 500 Millionen Euro, um neue Flächen für Passagiere, Sicherheitskontrollen, Shopping- und Warteflächen zu erhalten.

Marschik
Die Zahl der Passagiere geht steil nach oben, wie Flughafen-Vorstand Günther Ofner berichtet.

Welche Pläne gibt es für den weiteren Ausbau der Infrastruktur?

Ofner: Wir haben in der Airport-City einen kontinuierlichen Zustrom an Betrieben. Es wird in den nächsten Jahren viele große Ansiedelungen geben. Da kommen wahrscheinlich einige tausend zusätzliche Arbeitsplätze. Zusätzlich bauen wir den Office Park und wir beginnen jetzt den Prozess für ein weiteres Hotel. Spätestens im Sommer wird unser neues Gesundheitszentrum in Betrieb gehen, wo mehr als 20 Facharztrichtungen hier vertreten sein werden, um für die Mitarbeiter, aber auch über den Flughafen natürlich hinaus, ein wirklich tolles Gesundheitsservice zu bieten.

Ist das nicht ein zwiespältiges Verhältnis zu den Leuten in der Region, die eigentlich von der Entwicklung profitieren, wo aber auch viele Gegner zuhause sind?

Ofner: Es sind nur wenige Gegner. In der Nachbarschaft haben wir ein gutes Verhältnis zu den Gemeinden und den Bürgerinitiativen. Es gibt Einzelne, die Fundamental-Opposition betreiben. Das ist bedauerlich, dass die Rechtslage das zulässt. Wir hoffen, dass die Verfahren gestrafft werden. Denn wenn Dinge 20 Jahre in die Länge gezogen werden, hilft das niemandem. Auch nicht der Umwelt.

Jäger: Die meisten Familien in der Region haben ein Mitglied, das am Flughafen arbeitet. Wir bemühen uns um einen Ausgleich der ökologischen und ökonomischen Interessen.

Ist der gute Ausbau der Bahn eine Konkurrenz im Nah- und Mittelstreckenbereich oder eher ein Vorteil wegen der guten Anbindung zum Flughafen?

Jäger: Ich sehe es als tolle Ergänzung. Durch die tolle Anbindung aus Zentral- und teilweise Westösterreich sehen wir die Bahn als Zubringer. Damit haben wir unsere Marktausschöpfung im oberösterreichischen Zentralraum in den letzten drei Jahren signifikant gesteigert und konnten unsere Marktposition gegenüber München verbessern. Wir würden uns freuen, wenn der Bahnausbau auch nach Osteuropa forciert wird.