Kika-Leiner-Chef: „Investieren mehr als jeder andere“

Kika-Leiner-Chef Reinhold Gütebier über neue Verkaufskonzepte, die Möbelbranche als Krisengewinner und die Sonntagsöffnung.

Erstellt am 01. Juli 2021 | 05:55
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Kika-Leiner-CEO Reinhold Gütebier hat seinen Vertrag vorzeitig verlängert: „Ein Signal, dass wir Kika/Leiner wieder zur alten Stärke zurückführen.“
Foto: APA/Fohringer, APA/Fohringer

NÖN: Sie eröffnen am Stammsitz in St. Pölten am 1. Juli die völlig neu gestaltete Kika-Filiale. Was ist so neu an diesem Möbelhaus?

Reinhold Gütebier: Es ist kein Stein auf demselben geblieben. Das heißt, wir haben alles neu gemacht, vom Boden über Decke und Fassade bis hin zur Warenpräsentation. Wir eröffnen hier, wo das Herz des Unternehmens liegt und Kika/Leiner den Ursprung hat, ein richtungsweisendes Möbelhaus. Etwas, das die Möbelbranche im kompletten deutschsprachigen Raum noch nicht gesehen hat.

Ist das nicht etwas vorlaut? Was gibt es bei Kika in St. Pölten, das es woanders nicht gibt?

Gütebier: Wir versuchen über Warenpräsentation und Dekoration, dem Kunden räumliche Gestaltungen zu bieten bis hin zur Dekoration. Wenn ich mit meiner Frau ein neues Schlafzimmer suche und ich gehe durch dieses Möbelhaus, dann zeigt mir die Warenpräsentation, dass ich sage: Mutti, genau so haben wir uns das vorgestellt. Wir kaufen nicht nur das Schlafzimmer, sondern auch die Accessoires, die gesamte räumliche Gestaltung. Das gibt es weder in Österreich noch in Deutschland.

Nach der Neueröffnung in St. Pölten – werden weitere Filialen auf das neue Konzept umgestellt?

Gütebier: Wir haben in den letzten eineinhalb Jahren unter diesem Gesichtspunkt bereits in Ansfelden, Salzburg, Graz und Vösendorf die Kika-Filialen weiterentwickelt. Im Herbst eröffnen wir in Wien-Kagran, danach in Innsbruck, Wien-Nord und Lienz. Wir investieren derzeit mehr als jeder andere in der Branche.

Es ist noch nicht lange her, da war der Kika/Leiner-Konzern in schweren finanziellen Nöten. Wie steht der Konzern jetzt da?

Gütebier: Wir befinden uns im dritten Jahr der Restrukturierung, wir haben einen ganz klaren Plan. Heute können wir vermelden, dass wir alle Restrukturierungspläne nicht nur erfüllt haben, sondern deutlich besser rausgekommen sind. Und wir können auch vermelden, dass wir selbst in diesem Geschäftsjahr, trotz eines Vierteljahres Lockdown, alle gesteckten Planziele erreichen. Das ist auf eine herausragende Mannschaft zurückzuführen. Deshalb haben wir alle, Darius Kauthe und Oliver Müther als Geschäftsführer sowie ich als CEO, ein klares Signal gesendet, indem wir unsere Verträge schon vorzeitig verlängert haben. Damit senden wir ein Signal an die Mitarbeiterschaft, dass wir Kika/Leiner zur alten Stärke zurückführen.

Um wie viele Jahre haben Sie die Verträge verlängert?

Gütebier: Um weitere drei Jahre.

Viele Betriebe beklagen, dass sie keine Mitarbeiter finden. Wie geht es Ihnen damit?

Gütebier: Wir suchen in vielen Bereichen Mitarbeiter. In den nächsten 15 Monaten wollen wir in Voll- und Teilzeit zwischen 150 und 200 Damen und Herren einstellen. Da geht es primär um Einrichtungsberater, aber auch um alle anderen Bereiche. Und ja, auch wir würden uns über mehr Bewerbungen freuen.

Wie geht es in St. Pölten mit Leiner weiter? Das Stammhaus ist derzeit ja geschlossen.

Gütebier: Die Kika-Filiale, die wir jetzt eröffnen, wird in St. Pölten sowohl bei Gestaltung, aber auch beim Warensortiment die Leiner-Kunden ansprechen. Im neuen Leiner-Quartier am Rathausplatz wird dann ja eine kleinere Leiner-Filiale eröffnen, in der sich alles um Essen, Kochen, Leben drehen wird. Das Vollsortiment-Möbelhaus für St. Pölten und Umgebung ist der Kika.

Die Möbelbranche gehört zu den Krisen-Gewinnern. Wie zeigt sich dieser Trend bei Kika/Leiner?

Gütebier: Auf der einen Seite ist ein gewisser Nachholbedarf da. Auf der anderen Seite wissen wir, dass für die Kunden aufgrund der Tatsache, dass sie weniger reisen konnten, die eigenen vier Wände an Bedeutung gewonnen haben. Das alles hat dazu geführt, dass gerade die Möbelbranche letztendlich die im Lockdown fehlenden Umsätze kompensieren hat können.

Im letzten Interview mit der NÖN haben Sie angesichts der Lockdowns gefordert, dass Geschäfte vier Sonntage pro Jahr offen halten dürfen. Gilt diese Position noch – auch, wenn Lockdowns der Vergangenheit angehören?

Gütebier: Ich habe das damals schon gesagt: Vier mal im Jahr gehört ein verkaufsoffener Sonntag her, der Kunde will es. Ich glaube, alle müssen sich mal ein bisschen daran ausrichten, was der Verbraucher will. Und in Deutschland sieht man, dass dieses Modell funktioniert. Und nein: Der Umsatz verschiebt sich nicht, sondern es ist tatsächlich Umsatz obendrauf. Denn gerade Möbelkauf ist Familienkauf, und in der Familie habe ich sonntags Zeit.