Peter Gonda: „Apotheken sind keine Gewinner der Krise“. NÖ Apothekerkammer-Präsident Peter Gonda über Lehren aus der Krise, Einbußen und Geschäftemacherei. Angebotene Antikörpertests sind „Blödsinn“.

Von Walter Fahrnberger. Erstellt am 06. Mai 2020 (05:42)
„Es kommen bald seriöse Antikörpertests, die gleichen, die vom Bund verwendet werden“, betont Peter Gonda. Aktuell rät er den Apotheken ab, welche zu verkaufen.
NOEN, zVg

NÖN: Die Apotheken zählen zur kritischen Infrastruktur. Wie sind die 240 Apotheken in Niederösterreich bzw. deren 4.000 Mitarbeiter bis dato durch die Krise gekommen? Gab es beim Personal Infizierte?

Peter Gonda: Im Großen und Ganzen gab es keine. Aber das ist auch klar, weil wir relativ schnell reagiert haben. Schon ab dem Freitag Mitte März, als die Krise quasi begonnen hat, haben wir nur mehr so viele Leute hereingelassen, wie wir bedienen konnten. Auch den Spuckschutz haben viele rasch umgesetzt. Und unsere Belegschaft hat ein anderes Infektionsbewusstsein als der normale Österreicher.

Gibt es aufgrund der aktuellen Situation Lieferengpässe bei Medikamenten?

Gonda: Coronabedingt gar nicht. Die Situation ist so wie vorher. Die meisten Sachen können wir gut anbieten. Es gibt nur ein paar wenige Wirkstoffe, die nicht erhältlich sind.

Wie lange bleiben die für die Coronazeit geschaffenen Ausnahmeregelungen für das Abholen von Medikamenten oder der Übermittlung des Rezeptes noch aufrecht?

Gonda: Das ist schwierig zu sagen. Manche Sachen sind ja total gescheit. Vor allem dort, wo es die Risikogruppen betrifft. Bei vielen Änderungen hoffen wir, dass sie vielleicht für die Zeit nach Corona bleiben.

Gilt das auch für das elektronische Rezept?

Gonda: Nein. Das ist, so wie es jetzt ist, in der Praxis unbrauchbar, weil es mit einem unfassbar großen Aufwand verbunden ist.

Warum das? Man könnte denken, das erleichtert Ihre Arbeit?

Gonda: In der Theorie haben wir das auch gedacht. Aber jeder auch noch so kleine Fehler in der Verschreibung ist kaum zu beheben. Und die Art und Weise, wie die Datensätze geschickt werden und in der Apotheke ankommen, aufgerufen und ausgedruckt werden müssen, benötigt bis zu 30 Prozent mehr Zeit. Und die haben auch Kunden nicht.

Hat unser Gesundheitssystem in der Krise Defizite gezeigt?

Gonda: Sagen wir so: Gewisse Defizite sind ganz schnell verschwunden. Mit der Gebietskrankenkasse war es seinerzeit manchmal ein wenig holprig. Doch die haben super reagiert, und innerhalb kürzester Zeit ist alles vereinfacht worden. Da hoffen wir auch, dass dieses Weniger an Bürokratie bleibt. Ich würde auch sagen, dass die Coronazeit für die Patienten unbemerkt vorbeigegangen ist, weil Ärzte und Apotheker sehr gut zusammenarbeiten. Wir haben ein super Verhältnis mit unseren Ärzten.

Wie haben sich die Umsätze der Apotheken entwickelt? Nach dem ersten großen Ansturm war dann ja weniger los.

Gonda: Ich denke, die Bevölkerung glaubt, wir wären der große Gewinner der Krise. Das sind wir ganz sicher nicht. Viele Leute sind daheimgeblieben und haben nur das Notwendigste gekauft. Apotheken in Einkaufszentren verzeichnen überhaupt ein Minus von 80 Prozent des Umsatzes, weil diese nicht offen waren. Ich gehe davon aus, dass es unserer Branche in Summe im Jahr 2020 schlechter gegangen sein wird als im Jahr davor. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, wenn man an die Wirte denkt.

Einige unserer Leser haben uns von überteuerten Schutzausrüstungen oder zu hohen Preisen bei Einweghandschuhen oder Desinfektionsmitteln berichtet. Können Sie ausschließen, dass manche Apotheken mit der Krise ein Geschäft machen wollen?

Gonda: Ausschließen kann man gar nichts. Es wird den Einzelfall geben. Bei vielen Dingen sind aber auch die Einkaufspreise plötzlich so hoch gewesen, dass man sich entscheiden konnte, ob man Produkte überhaupt noch anbietet oder nicht. Meine Entscheidung war, ich hab sie nicht mehr angeboten. Ein Beispiel: Wir kaufen nach wie vor so ein, dass eine Packung Handschuhe 20 Euro kostet. Wir haben einen Bandagisten integriert, wo das angeboten wird. In der Apotheke verkaufen wir das gar nicht, damit man überhaupt nicht in den Geruch kommt, dass man ein Kriegsgewinner ist.

Vereinzelt werden in Niederösterreichs Apotheken jetzt Covid19-Antikörpertests angeboten, die aber laut Experten nur zu 85 Prozent sicher sind. Ist das nicht gefährlich?

Gonda: So etwas ist momentan ein Blödsinn. Sie haben recht, die sind nur zur 85 Prozent sicher. Deshalb raten wir davon auch ab. Wenn ich höre, dass das eine Apotheke anbietet, rufen wir an und bitten, das zu unterlassen, weil die Kollegen damit angreifbar sind. Es kommen bald seriöse Test, die gleichen, die vom Bund verwendet werden.