Petra Stolba: „Ideen habe ich genug“. Petra Stolba, Geschäftsführerin der Österreich Werbung aus Wieselburg, über Neues im Tourismus und Frauenquoten.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 05. Oktober 2019 (08:00)
Franz Gleiß
Petra Stolba

NÖN: Was ist es, was Sie speziell an der Arbeit im Tourismus in Österreich interessiert? Als Reiseleiterin haben Sie ja vor allem Fernreisen gemacht.

Petra Stolba: Die Österreich Werbung ist sehr stark im Ausland präsent. Das ist auch mit sehr viel Reisen verbunden. Aber es ist so, dass ein alpin geprägter Tourismus, wie es ihn in Österreich gibt, sehr kleinstrukturiert ist. 95 Prozent aller unserer Betriebe haben zwischen 0 und 9 Mitarbeiter. Hier in Österreich begegnen Sie, wenn Sie eine Woche Skiurlaub machen, im Schnitt 43 verschiedenen Leistungsträgern. Und da gibt’s niemanden, der oben steht und die alle dirigiert! Das fasziniert mich.

Wie hat sich denn Ihre Arbeit in den vergangenen Jahren verändert? Ich denke da jetzt an Digitalisierung und die Werbung über Social-Media-Kanäle.

Stolba: Es ist wie überall ein extremer Wandel passiert. Digitalisierung hat alles, was wir die Customer Journey nennen, revolutioniert. Jede einzelne dieser Phasen – Inspiration, Information, Buchung, Erleben und Teilen der Erinnerungen – hat sich durch die Digitalisierung völlig verändert. Die Österreich Werbung ist vor allem in der Inspiration, Information und im Nachbearbeiten aktiv. Gerade die Inspiration hat sich am meisten verändert. Es war früher viel einfacher: Man hat einen TV-Spot gemacht oder man hat ein großes Plakat aufgehängt. Heute ist unsere zentrale Vision in der Kommunikation, die Menschen individuell einzeln genau mit der richtigen Botschaft zum richtigen Zeitpunkt zu erreichen.

Funktioniert das im In- und Ausland unterschiedlich?

Stolba: Der Sinn ist, Menschen die Geschichte zu erzählen, die gerade ihre Bedürfnisse betrifft. Aber die Bedürfnisse, die sind pro Kulturkreis unterschiedlich. Das ist in Asien anders als im CEE-Raum (Central Eastern European Countries, Anmerkung). Da muss man sehr stark differenzieren. Auch die Geschichten müssen anders aufbereitet sein, es stecken andere Sehnsüchte und Bedürfnisse dahinter. Es geht nicht mehr, dass man mit einer Sache die ganze Welt beglücken kann.

Wie ist die Werbung zwischen der Österreich Werbung und den Landes-Tourismus-Werbungen aufgeteilt?

Stolba: Die Landestourismusorganisationen sind rechtlich eigenständig. Sie unterstehen ihrem jeweiligen Bundesland. Wir als Österreich Werbung sind sehr stark im Ausland unterwegs. Wir haben unsere Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Wir verstehen uns als diejenigen, die beobachten, was sich draußen abspielt. Und das bringen wir hinein in die Branche. Wir versuchen, Schnittmengen zu definieren. Daneben hat jedes Bundesland seine eigenen Aufgaben. Es gibt aber Dinge, die man nur gemeinsam machen kann. Zum Beispiel im Bereich Digitalisierung: Hier geht es um gemeinsame Fragen, etwa wie man zu Daten für die Kommunikation kommt.

Glauben Sie, dass das Gefühl Back to Austria noch stärker wird?

Stolba: Ich glaube, dass Reisen eine große Transformation erfahren wird. Auf der einen Seite geht’s beim Reisen immer um neue Horizonte. Es geht auch ums Selbstentdecken. Auf der anderen Seite geht es natürlich um Ressourcen. Ich persönlich halte nichts davon zu sagen, die Menschen sollen nicht mehr verreisen. Ich glaube es geht darum, ein modernes und sinnstiftendes Leben zu führen und trotzdem in einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit zu agieren. Für manche Menschen kann das heißen, dass sie nicht mehr fliegen. Manche werden etwa die Flugreise kompensieren. Was ich bedauern würde für uns als Menschheit wäre, wenn wir uns selbst limitieren. Deswegen spreche ich sehr gerne vom verantwortungsvollen Tourismus.

Sie halten sich bereits sehr lange in einer Führungsposition, wo Frauen ja nach wie vor dünn gesät sind. Haben Sie das Gefühl, als Frau in Ihrer Position schwerer gehabt zu haben?

Stolba: Mein innerer Treiber war immer, etwas zu gestalten. Ob das als Frau schwerer war weiß ich nicht. Tatsache ist, dass ich in einigen Positionen nur von Männern umgeben war. Auch jetzt – die Landestourismusorganisationen sind alle männlich geführt. Ich muss offen sein: Ich glaube in der Zwischenzeit, dass es einen Unterschied gibt, wie eine Frau und wie ein Mann arbeiten. Ich hab das früher nicht so gesehen. Ich bin schon gespannt. Eine Quote für die Aufsichtsräte gibt es bereits. Wenn sich nichts ändert muss man Voraussetzungen schaffen, dass der Männer- und Frauenanteil allgemein gleich wird.

Sie sind bereits drei Perioden lang in Ihrer Funktion. Wird es aus Ihrer Sicht eine vierte geben?

Stolba: Das hängt davon ab, wie sich die Dinge entwickeln. Was ich sagen kann: Ideen habe ich genug. Mein Vertrag geht bis 2021. Spaß macht es mir sehr großen!