Salzer: "Höchste Zeit für das neue Arbeitszeitgesetz“. Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) NÖ und Spartenobmann Industrie der WKNÖ, über Arbeitszeitregelungen und die bevorstehenden Industrietage.

Erstellt am 20. Juni 2018 (12:44)
SEPA.Media/Josef Bollwein
Thomas Salzer, Präsident der IV-NÖ und Spartenobmann Industrie in der WKNÖ.

Bei der Konjunktur hält der Aufwärtstrend seit über einem Jahr an und die Zahl der Arbeitslosen ist im Mai erneut zurückgegangen. Das müsste für Jubelstimmung in der Industrie sorgen, oder?

Thomas Salzer: Das reicht leider noch nicht, um in Jubelstimmung zu verfallen. Derzeit deutet zwar nichts darauf hin, dass es heuer noch zu einem deutlichen Konjunkturabschwung kommen könnte. Nichtsdestotrotz muss der Aufwärtstrend durch Reformschritte abgesichert werden. Es ist höchste Zeit für das neue Arbeitszeitgesetz, das von der Regierung schon vor längerer Zeit angekündigt wurde. Gerade in konjunkturell guten Phasen ist es wichtig, dass die Weichen für die Zukunft richtiggestellt werden.

Wie soll dieses Arbeitszeitgesetz aussehen?

Salzer: Wenn etwa ein Projekt abgeschlossen werden muss, soll es künftig möglich sein, länger zu arbeiten. Die tägliche Höchstgrenze kann auf zwölf Stunden sowie die wöchentliche Höchstgrenze auf 60 angehoben werden – die durchschnittliche Wochenarbeitszeit darf aber 48 Stunden im 17-Wochen-Schnitt nicht überschreiten. Bei Gleitzeit kann die tägliche Arbeitszeithöchstgrenze ebenso auf zwölf Stunden angehoben werden. Das stand bereits im vorhergehenden Regierungsprogramm. Jetzt ist es höchste Zeit für die Umsetzung!

Die Arbeitnehmervertreter prangern bei dieser Diskussion an, dass es den Unternehmen um die Abschaffung der Überstundenzuschläge geht. Ist das so?

Salzer: Niemand will den Mitarbeitern Überstunden wegnehmen und es ist ganz klar, dass die zwölf Stunden keine Dauerbelastung sein dürfen. Der generelle Zwölf-Stunden-Tag ist ein Märchen. Wir wollen die Stunden nur im Bedarfsfall anders verteilen können, um Aufträge annehmen und abarbeiten zu können. Viele Umfragen zeigen, dass das auch im Interesse der Mitarbeiter ist, wenn sie dadurch längere Zeit am Stück frei haben. Zwar gibt es unter bestimmten Voraussetzungen schon heute Ausnahmen für die Zehn-Stunden-Grenze, diese
decken die Anforderungen der Praxis aber leider nicht ab.

Wie geht es den Betrieben aktuell bei der Mitarbeitersuche – ist der Fachkräftemangel noch ein Thema?

Salzer: Der Fachkräftemangel hat sich in der Industrie weiter zugespitzt und droht, sich noch weiter zu verschärfen. Während die großen, sehr exportorientierten Unternehmen schon seit längerer Zeit verstärkt auf Mitarbeitersuche sind, gibt es jetzt auch immer mehr kleinere Betriebe, die ihren Beschäftigtenstand erweitern möchten. Bereits jetzt haben mehr als acht von zehn Industrieunternehmen Probleme beim Rekrutieren von Personal im Bereich Technik und Produktion sowie Forschung und Entwicklung.

Was unternehmen die Betriebe gegen den Fachkräftemangel?

Salzer: Eine sehr aktuelle Initiative, um über die Ausbildungsmöglichkeiten und Karrierechancen in der Industrie zu informieren, sind die Industrietage, die von 14. bis 16. Juni in ganz Niederösterreich stattfinden. Insgesamt 50 Betriebe öffnen an diesen ein bis drei Tagen ihre Türen und laden ein, die Berufsbilder und den Arbeitsalltag in der Industrie besser kennenzulernen.

Von der NÖN-Sonderjournal-Redaktion