Wolfgang Ecker: „Ein klarer Standortnachteil“. Der neue Wirtschaftsbund-Obmann Wolfgang Ecker verlangt eine Steuerreform und fairen Wettbewerb.

Von Walter Fahrnberger, Daniel Lohninger und Martin Gruber-Dorninger. Erstellt am 11. Dezember 2018 (02:23)
NÖ Wirtschaftsbund-Obmann Wolfgang Ecker (53) aus Wolfsgraben (Bez. St. Pölten Land) ist Steinmetzmeister. Sein Unternehmen umfasst fünf Betriebe in NÖ sowie einen Steinbruch im Burgenland und beschäftigt 120 Mitarbeiter.
Lechner

NÖN: Sie sind vor Kurzem mit fast 99 Prozent zum neuen NÖ Wirtschaftsbund-Obmann gewählt worden. Ihre Vorgängerin Sonja Zwazl hat sehr großen Wert auf eine gute Zusammenarbeit in der Sozialpartnerschaft gesetzt. Wie werden Sie es anlegen?

Wolfgang Ecker: Genau so. Ich bin ein großer Anhänger der Sozialpartnerschaft. Ich lebe die Sozialpartnerschaft, auch in meinen eigenen Betrieben. Und ich werde sie auch in der Zukunft genauso weiterleben.

Wie geht es Ihnen da mit der Bundesregierung? Dort scheint die Sozialpartnerschaft nicht immer so im Vordergrund zu stehen?

Ecker: Man ist nicht mit allem zufrieden, aber unsere Bundesregierung ist sehr unternehmerfreundlich. Ich glaube, man lernt aus so einem Prozess und ich bin auch davon überzeugt, dass es wieder zu einer besseren Sozialpartnerschaft auf der Bundesebene kommen wird. Im Endeffekt kann es nur miteinander gehen.

Für ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz liegt der Fokus nicht mehr so stark auf der Bündestruktur. Ist diese noch zeitgemäß?

Ecker: Aus unserer Sicht sind die Bünde unverzichtbar. Das ist in Wahrheit eine klassische Zielgruppensegmentierung. Ich glaube, dass die Bundesregierung mittlerweile gemerkt hat, dass es ohne Bünde nicht geht.

Was sind die vordringlichsten Themen, die Sie jetzt in der neuen Funktion angehen wollen?

Ecker: Wir beginnen im Februar unsere Zuhör-Tour durch die Bezirke. Da sehe ich sehr viel Potenzial, um Stimmungen zu bekommen. Und ich bin davon überzeugt, dass wir auch Lösungen und Ideen in den Bezirken bekommen werden. Die Herausforderung ist, dass etwas geschieht und es nicht nur Alibiaktionen sind.

Wo liegen die inhaltlichen Schwerpunkte?

Ecker: Der Facharbeitermangel ist in aller Munde. Ich lehne mich da weiter raus und nenne es jetzt schon als Mangel der Arbeitskraft. Jetzt werden schon nicht so gut ausgebildete Mitarbeiter gesucht. Auch da gibt es schon ein großes Problem.

Jetzt gibt es trotzdem Arbeitslose, auch im Facharbeiterbereich bzw. in der Gastronomie. Wäre es ein Ansatz, die Zumutbarkeitsbestimmungen zu ändern?

Ecker: Mein Zugang ist, dass sie geändert gehören. Auch das gehört gemeinschaftlich gelöst. Ich merke beim AMS NÖ, dass ein wenig schärfer vorgegangen wird. Und das ist gut so.

Aber von den Unternehmen hört man auch, dass jene, die sich bewerben, sehr schwach qualifiziert sind. Haben Sie einen Wunsch an den Bildungsminister?

Ecker: Solange stark zwischen Schülern für die AHS und jenen für die Lehre unterschieden wird, haben wir ein Problem. Unsere Lehrer müssen mehr wirtschaftliches Verständnis haben. Dann wird das auch auf die Schülerinnen und Schüler übergehen.

Wie dringend ist eine Steuerreform für Unternehmer?

Ecker: Es muss vor allem bei der Einkommensteuer und bei der Körperschaftssteuer Änderungen geben. Wir haben bei der Steuerlast eine der höchsten Quoten im EU-Schnitt. Bei der Körperschaftssteuer liegt nur Italien höher. Das ist für uns ein klarer Standortnachteil. Aber ich denke, dass die Regierung unsere Rufe erhören wird. Ein anderer Schwerpunkt von uns ist der faire Wettbewerb. Auch die ausländischen Firmen müssen sich an unsere Regeln halten, wenn sie in Österreich arbeiten. Für unsere Regierung ist das derzeit noch nicht unbedingt ein Thema. Ich bin aber noch nicht draufgekommen, warum nicht .

Welche Eigenschaften aus Ihrer gelernten Profession als Steinmetz kommen Ihnen jetzt in der Funktion zugute?

Ecker: Es ist kein Stein zu hart zum Bearbeiten, es kommt immer aufs Werkzeug an. Man braucht immer den richtigen Zugang zur Bearbeitung.