Irrationale Märkte. Auf fallende Kurse wettende Spekulanten bringen nicht nur italienische Staatsanleihen in die Bredouille. Aktien dürften heuer zur interessantesten Geldanlagemöglichkeit zählen.

Erstellt am 17. Juli 2011 (22:38)
NOEN, Wodicka; A-4062 Thening
Vorsorge,Schilling,Sparen,Sparschwein,Geld,Währung,Waehrung,Zinsen,Bargeld,Vermögen,Vermoegen,Ansparen,Kredit, Copyright by BilderBox- Erwin Wodicka,A-4062 Thening; September 1999
VON HEINZ BIDNER

Kann man angesichts der Finanzprobleme Italiens noch dessen Staatsanleihen kaufen? „Aus fundamentalen Gründen spricht nichts dagegen“, sagt Gerhard Rehor, Vorstand der Raiffeisen-Landesbank NÖ-Wien. Er ist überzeugt, dass das Land keineswegs am finanziellen Abgrund stehe und seine Schulden zahlen könne. Auch wäre die Situation mit dem angeschlagenen Griechenland nicht vergleichbar.

Die Hysterie auf den Finanzmärkten der letzten Woche samt Euro-Abwärtstrend führt Rehor vor allem auf Spekulanten zurück: „Offensichtlich wetten wenige Marktteilnehmer darauf, dass italienische Staatstitel im Kurs fallen.“ Andere Marktteilnehmer würden darauf hereinfallen, die Märkte würden sich eben nicht rational verhalten. Rehor ortet nicht zuletzt großen Handlungsbedarf bei der Politik, um Maßnahmen gegen solche Spekulationen zu setzen.
Ein Sondertreffen der Staats- und Regierungschefs zur Griechenlandhilfe war übrigens zwar für letzten Freitag im Gespräch, wurde nun aber für diese Woche angesetzt. In der Zwischenzeit wird auch eifrig über ein zweites Hilfspaket für andere pleitebedrohte Euro-Länder diskutiert.

Leitzinsen sollen im nächsten halben Jahr weiter steigen

In seinem Geldanlagebarometer rechnet Gerhard Rehor nun vor, dass Privatanleger bei Wertpapieren im ersten Halbjahr 2011 zumeist nur dürftige Erträge lukrieren konnten. Ausnahmen waren Aktien aus Osteuropa, die einen kleinen Realgewinn brachten. Auch das hoch spekulative Anlageprodukt Gold erzielte keinen Wertzuwachs.
Bei Staats- und Unternehmensanleihen ging sich meist ein Plus aus. Am besten entwickelten sich Unternehmensanleihen mit mittlerer Bonität – bei damit verbundenem höherem Risiko. Das Sparbuch schaffte nur ein schwaches Plus. Aus 1000 Euro zu Jahresbeginn wurden 1010 Euro zu Jahresmitte.

Für das zweite Halbjahr rechnet Raiffeisen-Vorstand Rehor mit einer Fortsetzung der Leitzinserhöhung, welche die Europäische Zentralbank im April startete, für Oktober und Jänner 2012 auf zwei Prozent. Zuletzt wurde der Dreimonats-Euribor am 7. Juli auf knapp 1,6 Prozent angehoben. An diesen Zinssatz sind zumeist variabel verzinste Konsumentenkredite und Zinsgleitklauseln im Spargeschäft gebunden.
Rehor empfiehlt daher, Anleihen mit einer Laufzeit von maximal fünf Jahren zu erwerben. „Denn langfristig festverzinsliche Wertpapiere sind bei steigenden Zinsen der Gefahr von Zinsrückgängen ausgesetzt.“
Weiter attraktiv sollen auch Aktien bleiben – trotz der steigenden Zinsen, so Rehor. Er empfiehlt speziell Energiewerte, Konsum- und Finanztitel. Nicht zuletzt sollen auch Sparbuchbesitzer von den steigenden Zinsen profitieren.