Jeder dritte Beschäftigte in Kurzarbeit. Mehr als 13.400 Anträge auf Kurzarbeit sind bis zum gestrigen Sonntag beim AMS Niederösterreich eingelangt – das betrifft über 206.000 Beschäftigte.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 20. April 2020 (12:43)
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Martin Eichtinger.
NLK

Allein zwischen 13. und 19. April ist sowohl die Zahl der erfassten Anträge als auch die der in Kurzarbeit befindlichen Arbeitskräfte um fast die Hälfte gestiegen. „In der Woche nach Ostern haben wir die Marke der 200.000 Beschäftigten, die in Niederösterreich in Kurzarbeit beschäftigt sind, durchstoßen“, erklären AMS-Chef Sven Hergovich und der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) heute Vormittag via Aussendung.

Bisher bewilligte Fördersumme: 663 Millionen Euro

Seit heute, 20. April, ist auch die Abrechnung der Beihilfen möglich. Tatsächlich bewilligt sind aktuell knapp 5.660 Anträge für mehr als 90.350 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Die dafür nötige Fördersumme liegt bei 663 Millionen Euro. Die Beratung übernimmt hier jedoch weitestgehend die Wirtschaftskammer NÖ, ergänzt um die Expertise von Steuerberatern und Lohnverrechnern. Als Fördergeber darf das AMS NÖ nämlich bei der Abrechnung nicht beraten, heißt es. „Ich danke allen Unternehmen, die dieses Modell wählen und damit auch einen hohen Finanzaufwand auf sich nehmen. Und wir arbeiten weiter an der Vereinfachung“, betont Wirtschaftskammer NÖ-Präsidentin Sonja Zwazl.

75 Prozent der Industriebetriebe nutzen Kurzarbeit

In Niederösterreich nutzen allein unter den Industrieunternehmen 75 Prozent der Betriebe Kurzarbeit. Dies geschehe, um Auftragsausfälle zu kompensieren, erklärt Thomas Salzer, Präsident der Industriellenvereinigung NÖ. Laut Arbeiterkammer NÖ gebe es eine hohe Zustimmung von mehr als 90 Prozent zur Corona-Kurzarbeit unter der NÖ Bevölkerung. Wenn diese zu Ende ist, würden die Unternehmen mehr denn je ihre Facharbeiterinnen und Facharbeiter benötigen, so der Präsident der AKNÖ und ÖGB-Niederösterreich-Vorsitzender Markus Wieser.

Täglich werden 500 Anträge bewilligt

AMS NÖ-Geschäftsführer Sven Hergovich.
Franz Gleiß

Nach wie vor bewilligt das AMS Niederösterreich täglich rund 500 Anträge auf Kurzarbeit. „Das heißt, wir bewilligen jetzt pro Tag über dreimal mehr Anträge, als in der Wirtschafts- und Finanzkrise in einem Jahr bewilligt wurden“, betont AMS-Chef Hergovich gegenüber der NÖN. Denn: Ausgelöst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise gab es innerhalb des gesamten Jahres 2009 lediglich 140 Anträge auf Kurzarbeit. Das AMS Niederösterreich hat seit der Vorwoche auch noch einmal die Zahl der intern mit der Abwicklung der Kurzarbeit beschäftigten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erweitert, nämlich von 159 auf 180. Vor der Coronakrise hatte diesen Aufgabenbereich eine einzige Person innerhalb des AMS Niederösterreich inne. Die Höchstzahl der Anträge, die beim AMS NÖ einlangt, sei jedenfalls noch nicht erreicht, so Hergovich.