Neue Initiative für arbeitslose Frauen 55+

Über den Weg der gemeinnützigen Arbeitskräfteüberlassung soll 20 jobsuchenden Frauen im Alter ab 55 in den Bezirken rund um Wien und im Zentralraum der Wiedereinstieg ins Erwerbsleben gelingen.

Erstellt am 20. November 2019 | 16:29
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Der Badener Bürgermeister Stefan Szirucsek (ÖVP), ÖVP-Landesrat Martin Eichtinger und AMS NÖ-Landegeschäftsführer Sven Hergovich mit Helene Lischka, einer erfolgreichen Wiedereinsteigerin aus Kottingbrunn und Claudia Schweiger, Leiterin des AMS Baden.
Foto: Andreas Fussi

Die seit März 2017 anhaltende Erholungsphase am Arbeitsmarkt neigt sich langsam dem Ende zu. Vor allem ältere Arbeitslose, besonders Frauen, sind von steigender Arbeitslosigkeit betroffen.

Landesrat Martin Eichtinger (ÖVP) und der Landesgeschäftsführer des Arbeitsmarktservice (AMS) NÖ Sven Hergovich wollen hier entgegensteuern und starten jetzt mit dem Projekt „Frauenpower 55+“ eine neue Initiative, die ab sofort AMS-Kundinnen der Geschäftsstellen rund um Wien sowie im niederösterreichischen Zentralraum angeboten wird. Die Präsentation der neuen Arbeitsmarkt-Offensive wurde heute im AMS Baden vorgestellt. 

„Wir wissen, dass es Frauen über 55 Jahre besonders schwer am Arbeitsmarkt haben. Daher stellen wir für dieses wichtige Projekt 300.000 Euro für ca. 20 arbeitslose Frauen über 55 bereit. Wir wollen besonders den Frauen in den Bezirken St. Pölten, Tulln, Mödling, Baden und Gänserndorf helfen. Die Abwicklung erfolgt rasch und unbürokratisch durch den Verein ‚Jugend und Arbeit‘“, erläuterte der für den Arbeitsmarkt zuständige Landesrat Eichtinger.

Die Projektteilnehmerinnen erhalten im Rahmen der Aktion auch ein individuelles Coaching, werden in passende Schulungen eingebunden und an Arbeitgeber im Bereich der Gemeinden, bei gemeinnützigen Vereinen sowie auch an Unternehmen der Privatwirtschaft für die Dauer von maximal sechs Monaten überlassen. Die Beschäftiger leisten dabei einen Pauschalkostenersatz von lediglich 350 Euro pro Monat. Um sämtliche Angelegenheiten rund um die Personaladministration kümmert sich der Verein „Jugend & Arbeit“.

„Uns ist wichtig, die Frauen nicht nur aus der Arbeitslosigkeit herauszuholen, sondern ihnen sinn- und wertvolle Beschäftigungsmöglichkeiten in ihrer Wohnregion anzubieten“, betont AMS NÖ-Chef Hergovich. Und: „Mit dem `Frauenpower 55+´ setzen wir einen ersten raschen Schritt im Kampf gegen Altersarbeitslosigkeit in Niederösterreich“ Weitere Schritte sollen folgen.

Unter anderem sollen in folgenden Bereichen Einsatzmöglichkeiten entstehen:

  • Stützkräfte in Kinder- und Seniorenbetreuungseinrichtungen
  • Alltagsbetreuerinnen für ältere Menschen
  • Freizeitservicekräfte in Gemeinde- und Landeseinrichtungen
  • Unterstützung im Pflege- und Gesundheitsbereich
  • Fahrdienste bei gemeinnützigen Organisationen

Angesichts des Erfolges vergleichbarer Projekte „gehen wir davon aus, dass 4 von 10 Projektteilnehmerinnen der dauerhafte Wiedereinstieg ins Erwerbsleben gelingen wird“, ist Landesrat Eichtinger überzeugt.

Steigende Altersarbeitslosigkeit vor allem 

im Bereich urbaner Zentren

Ende Oktober waren 46.407 Personen bei den 22 AMS-Geschäftsstellen in Niederösterreich arbeitslos vorgemerkt. 40% von ihnen gehörte der Generation 50 plus an. Seit Oktober des Vorjahres steigt die Zahl der jobsuchenden Niederösterreicherinnen über 50 wieder an (+6,3% von Jänner bis Oktober 2019). Besonders betroffen sind Frauen im Alter ab 55: Hier beträgt der Anstieg heuer bereits 12,3%.

Ein Blick auf die niederösterreichischen Regionen rund um Wien und im Zentralraum zeigt, warum gerade hier das neue Projekt „Frauenpower 55+“ angeboten wird:

  • In den nun für das Projekt „Frauenpower 55+“ angebotenen Regionen ist Ende Oktober 2019 bei arbeitslos vorgemerkten über 55-jährigen Frauen ein deutlicher Anstieg gegenüber Oktober 2018 zu verzeichnen, am stärksten in Baden (+12,9%) und St. Pölten (+12,7%) – der nö-weite Anstieg liegt hier hingegen bei 8,4%.
  • Während die Langzeitarbeitslosigkeit nö-weit rückläufig ist, fällt auf, dass die Dauer der Arbeitslosigkeit der über 55-jährigen Frauen in den Pilot-Regionen bei weit über 300 Tagen (nö-Schnitt in dieser Gruppe: 267 Tage) liegt: An der „Spitze“ sind hier Baden (336 Tage), Gänserndorf (348 Tage) und St. Pölten (313 Tage).
  • Markant ist außerdem der Anstieg von über 55-jährigen Frauen mit gesundheitlichen Vermittlungseinschränkungen: Beträgt der Anstieg nö-weit gegenüber Oktober 2018 +15,7%, ist er in den AMS-Bezirken Gänserndorf (+41%), Tulln (+33,7%) und Mödling (+29,3%) deutlich höher.