Finanzbildung für Kinder: Mit Geld umgehen lernen. Die Jugendverschuldung steigt seit 2015 stetig. Ein Sozialunternehmen will das ändern – mit einem Familien-Brettspiel.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 07. April 2021 (03:38)
Volksschulkinder lernen den Umgang mit Geld und Werten im kooperativen Finanz-Brettspiel „Die Schotterbande“. 50 Familien testeten bereits den Prototyp.
Elias Jerusalem, Elias Jerusalem

Immer mehr Unter-25-Jährige schlittern in die Schuldenfalle. Bei der Schuldnerberatung NÖ waren im Vorjahr 233 Jugendliche durchschnittlich mit 27.000 Euro verschuldet. Neben Arbeitslosigkeit, Einkommensverschlechterung und gescheiterter Selbstständigkeit ist in 40 Prozent aller Fälle das Konsumverhalten der Jungen die Ursache Nummer eins für Schulden, weiß die Schuldnerberatung.

Alexandra Wolk vermitteltFinanzbildung für Kinder und Jugendliche
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„Unsere Welt hat sich sehr verändert: Die Konsumwelt wurde schneller und beeinflussender. Gleichzeitig sind die digitalen Kauf- und Bezahl-Möglichkeiten so ungreifbar für Kinder geworden. Auch hat sich die emotionale Wertigkeit von Geld in unserer Gesellschaft verändert“, sagt die gebürtige Asperhofnerin (Bezirk St. Pölten) Alexandra Wolk von ThreeCoins.

Seit 2012 widmet sich das Sozialunternehmen der Finanzbildung und bietet Workshops und Beratungen für Schulen, Jugendbetreuer, Eltern und Unternehmen an. Sogar eine Smartphone-App namens „CURE Runners“ für Jugendliche wurde entwickelt. „Es geht uns darum, dass so viele Menschen wie möglich den Umgang mit Geld lernen, um unabhängige und eigenständige Finanzentscheidungen treffen zu können“, sagt Wolk.

Die Familie als Wurzel der Finanzbildung

Die meisten lernen den Umgang mit Geld in der Familie. „Den Banken wird auch noch etwas zugeschrieben. Und in der Schule hängt es stark von den Lehrkräften ab.“ Um das Risiko einer späteren Verschuldung zu verringern, müsse man sich schon im frühen Kindesalter mit Geld, Werten und Finanzen bewusst auseinandersetzen. Da seien alle Akteure gefragt: Eltern, Banken, auch Lehrende.

„Wir empfehlen Eltern, dass Kinder bereits ab dem sechsten Lebensjahr ein eigenes, kleines Budget bekommen, um das ‚Brauchen, Wollen und Sparen‘ zu lernen, damit sie selbst Finanzentscheidungen im Kleinen treffen und auch Fehler machen können, um dann daraus zu lernen“, sagt Wolk. Wichtig dabei sei die Bedingungslosigkeit: Der Betrag sollte fixiert, nicht an andere Bedingungen geknüpft und regelmäßig an die Kinder ausbezahlt werden.

Finanz-Brettspiel für Volksschulalter

Vor eineinhalb Jahren bekam ThreeCoins den Förderzuschlag für die Entwicklung des Brettspiels „Die Schotterbande“. „Die Kinder müssen im Spiel einen Überblick über ihr Einkommen behalten, Preise und Werte vergleichen, die sie kaufen, und auch bewusst zwischen Wollen und Brauchen unterscheiden. Schurken wie beispielsweise Vivi Verwirrti und Haiko Hacker wollen ihnen dabei das Geld abluchsen – sie stellen die Gefahren der Konsumwelt und der digitalen Welt dar“, sagt Wolk.

Im Mai soll mithilfe eines Crowdfundings die erste Charge des Brettspiels produziert werden. „Nachhaltig und regional, nicht in Fernost“, wie Wolk versichert. Die Spielentwicklung sei jedenfalls „sehr sehr komplex“ und anspruchsvoll gewesen. „Die Herausforderung war, dass die Schotterbande spielmechanisch für Kinder ansprechend ist, generell funktioniert und auch pädagogisch das bietet, was wir uns vorgenommen hatten“, sagt Wolk. Spielerisch finanzkompetent werden.

threecoins.org/schotterbande/