Kaeser soll Löscher als Siemens-Chef folgen. Nach einem dramatischen Machtkampf muss der aus Österreich stammende Siemens-Chef Peter Löscher seinen Posten räumen. Die Aufsichtsräte des Münchner Elektrotechnik-Konzerngiganten haben sich nach Marathon-Beratungen mehrheitlich auf die Absetzung Löschers und die Berufung von Finanzvorstand Joe Kaeser als seinen Nachfolger verständigt, wie am Sonntag aus gut informierten Kreisen verlautete.

Erstellt am 28. Juli 2013 (13:58)

"Es gibt ein klares Mehrheitsbild im Aufsichtsrat", hieß es. Damit ziehen die Kontrolleure die Konsequenzen aus der Serie von Misserfolgen bei Deutschlands größtem Elektrokonzern, die mit der neuesten Gewinnwarnung am vergangenen Donnerstag ihren Höhepunkt erreicht hatte.

Formell müssen die Personalien bei der nächsten regulären Sitzung des Gremiums am kommenden Mittwoch (31. Juli) noch beschlossen werden. Am späten Samstagabend hatte Siemens aber bereits bekannt gegeben, dass ein Wechsel an der Vorstandsspitze anstehe und am Mittwoch beschlossen werden solle. Der 55 Jahre alte Kärntner Löscher führte den Konzern seit 2007. Erst vor zwei Jahren war sein Vertrag vorzeitig um fünf Jahre bis 2017 verlängert worden.

Offen ist noch, ob Löscher einer Trennung zustimmt oder sich feuern lässt. Er kann bei einer einvernehmlichen Trennung mit rund neun Millionen Euro an Zahlungen und zusätzlichen Pensionsansprüchen rechnen. Noch am Samstag hatte der Villacher in einem Zeitungsinterview gesagt, er wolle um seinen Job kämpfen. "Mir bläst jetzt der Wind ins Gesicht, aber es war noch nie meine Art, aufzugeben oder schnell die Segel zu streichen", sagte der Manager der "Süddeutschen Zeitung".

Anfangs als Aufräumer in der Schmiergeldaffäre gefeiert, wuchs in letzter Zeit unter Aktionären und Analysten das Missfallen an Löscher. Richtig eng wurde es für den Kärntner aber mit der zweiten Gewinnwarnung in nicht einmal drei Monaten am vergangenen Donnerstag. Siemens hatte bekanntg egeben, dass die für 2014 angepeilte operative Ergebnismarge - also der Anteil des Gewinns am Umsatz - von mindestens zwölf Prozent voraussichtlich nicht erreicht werde.

Die neuerliche Hiobsbotschaft verschreckte die Börsen und ließen die Siemens-Aktie abstürzen. Als sich dann am Freitag die Hinweise auf eine mögliche Ablösung Löschers verdichteten, zogen die Papiere wieder kräftig an. Am kommenden Donnerstag (1. August) legt Siemens auch seine Quartalsbilanz vor. In Medienberichten war bereits über durchwachsene Zahlen spekuliert worden.