Keine Macht den Falten. Sie leben von dem, was viele hassen: Barbara Fischer und Sandra Whiteley führen einen mobilen Bügelservice.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 20. Juni 2018 (14:42)
Anita Kiefer
Barbara Fischer (links) und Sandra Whiteley sind die Bügelmizzis. Die Freundinnen und Schwägerinnen bügeln die Wäsche ihrer Kunden daheim und liefern sie dann per Auto aus. Drei bis sechs neue Kunden bekommen die Bügelmizzis pro Woche dazu. Deswegen wir das Angebot aktuell auch erweitert: Die „Mizzis“ sind auf der Suche nach Büglerinnen, die sie auf geringfügiger Basis unterstützen. „Dampfbügelstation und ein geeignetes Bügelbrett sind Voraussetzung“ heißt es in der außergewöhnlichen Stellenbeschreibung.

Es gibt Pflichten des Alltags, die das Gros der Menschen gerne erledigt. Garteln zum Beispiel. Oder den Wocheneinkauf erledigen. Sogar Putzen steht auf der Beliebtheitsskala der Menschen noch weiter oben als ... Bügeln! Die zwei Freundinnen und Schwägerinnen Barbara Fischer und Sandra Whiteley haben für die zahlreichen Bügel-Hasser im Land jedoch Abhilfe geschaffen: Sie sind die Bügelmizzis und haben sich im Vorjahr mit einem mobilen Bügelservice selbstständig gemacht. Und haben sich mit ihrer ausgefeilten Marketing-Strategie und ihrem außergewöhnlichen Auftreten in kurzer Zeit einen großen Kundenstock aufgebaut.

Drei bis sechs neue Kunden pro Tag

Ein Anruf oder eine Nachricht genügt, und der Termin für die Abholung der Bügelwäsche durch die Mizzis, wie sie sich selbst liebevoll nennen, steht. Und Anrufe gibt es aktuell genügend: Allein während des Gesprächs mit der NÖN läutet drei Mal das Handy. Am Display: Eine unbekannte Nummer. „Schon wieder eine neue“, kommentiert Whiteley schmunzelnd. Pro Tag kommen drei bis sechs neue Mizzi-Kunden dazu. Beliefert werden die Regionen Wien, Baden, Wiener Neustadt, Mödling und Schwechat. Ein Kilogramm Bügelwäsche kostet 4,90 Euro. Zum Vergleich: Fünf T-Shirts wiegen ungefähr ein Kilo.

Die beiden gleichaltrigen Schwägerinnen (beide sind 1983 geboren) kennen sich seit rund drei Jahren. Entstanden ist die Idee zum Bügelservice aus der Frage heraus, wie man von daheim aus Geld dazuverdienen kann – Barbara Fischer ist nämlich junge Mutter. Innerhalb von drei Tagen vom ersten Gespräch miteinander zu dem Thema haben die Freundinnen bereits mit ihrem Steuerberater gesprochen, ihre Facebook-Site erstellt und es ging an die Unternehmensgründung.

Fischer und Whiteley haben beide ganz unterschiedliche Bügel-Vorlieben. Fischer liebt laut eigenen Angaben Hemden, wohingegen Whiteley eher an Mischkörbe ihr Herz verloren hat. Drei Minuten jedenfalls brauchen die beiden durchschnittlich für ein perfekt gebügeltes Hemd. Bei einem Neun-Stunden-Arbeitstag schafft eine Mizzi zwischen 50 und 60 Kilo Bügelwäsche. „Wir sind nicht nur die Bügelmizzis, sondern eine Marke“, sagt Sandra Whiteley. „Wir bekommen auch ständig Komplimente für den Namen.“ Die Mizzis punkten mit ihrem 50er-Jahre-Stil, guter Laune, witzigen Facebook-Postings und einem offenen Ohr für die Kunden. Beim Großteil der Kunden kommen die Bügelmizzis im Abstand von gut zwei Wochen vorbei.

„Die Kunden sehen uns ein bisschen wie Friseurinnen“, schmunzelt Fischer. Beim Wäscheanliefern und beim Abholen der Teile wird den beiden auch oft ein Kaffee angeboten – Zeit, die Einladung anzunehmen, haben die beiden aber kaum. Dass die Schwägerinnen deswegen so großen Anklang finden, weil sie ihren eigenen Stil und einen fetzigen Namen haben, davon sind die beiden überzeugt. „90 Prozent der Leute wollen uns als Bügelmizzis“, sagt Whiteley – diese Leute würden zu einem herkömmlichen Bügelservice, das es ja auch gibt, wohl gar nicht gehen. „Was auch sehr wichtig ist: Wir sind authentisch. Und wir sind mit den Kunden per du.“

„Unser eigenes Gewand bleibt oft liegen“

Die Abholung und Auslieferung der Wäsche erfolgt Mizzi-Style – also im gebrandeten T-Shirt bzw. Sweater. Gebügelt wird aber daheim im Freizeitlook. Während Barbara Fischer, die eine fast zweijährige Tochter hat, sich eher um die Auslieferung kümmert und tendenziell mehr am Abend bügelt, ist Sandra Whiteley meist tagsüber im Bügel-Einsatz. Das Bügeln nimmt auch den Großteil ihrer Zeit in Anspruch. „Unser eigenes Gewand bleibt da oft liegen. Unsere Männer haben oft ungebügelte Hemden“, lacht Whiteley. Der Kundenstock der Mizzis ist vielfältig und bereits auf über 100 Personen angewachsen: „Wir haben Geschäftsmänner dabei, Mamis, Omis ... Viele Ältere auch, die sagen, sie haben jetzt 50 Jahre lang gebügelt, sie wollen das jetzt nicht mehr machen“, sagt Fischer. „Die Kunden fragen uns auch oft, ob wir wirklich so gern bügeln.“

Bügelmizzis

Wie man in kürzester Zeit zum besten Bügel-Ergebnis kommt? Das richtige Werkzeug und die praktische Erfahrung machen es aus. Dass mit einer Dampfbügelstation gearbeitet wird, ist klar. „Wir haben viele Techniken ausprobiert – unser System ist hart erprobt“, sagt Fischer. Ihre eigenen Bügeltipps verraten die Mizzis freilich nicht. „Die Leute sollen ja unsere Kunden werden“, schmunzelt Whiteley.

Aber auch die Kunden selbst können durch die richtige Art zu waschen dazu beitragen, dass ihre Wäsche bügelleichter wird. Etwa sollte die Wäsche auf Bügeln aufgehängt werden und, wenn fertig getrocknet, nicht zu lange liegen. Je besser auf die Wäsche beim Waschen und Trocknen aufgepasst wird, „umso schöner wird das Ergebnis“, weiß Sandra Whiteley. „Wir bemühen uns natürlich immer, dass die Wäsche am allerschönsten ist, das ist unser Standard.“

Die beruflichen Erfahrungen bzw. Ausbildungen vor ihrem Mizzi-Dasein haben Sandra Whiteley und Barbara Fischer in Branchen gesammelt, die ihnen bei ihrer jetzigen Tätigkeit zugute komme. Whiteley hat den Beruf der Einzelhandelskauffrau gelernt und war lange bei einer großen internationalen Modekette in der Dekorationsabteilung tätig. Dort lernte sie unter anderem auch – richtig – die perfekte Bügeltechnik. Barbara Fischer war zuvor als graphische Buchsetzerin tätig und hat eine Marketing-Ausbildung absolviert.

Für die Zukunft sind die beiden Freundinnen gerade dabei, ihr Mizzi-Angebot zu erweitern. „Wir suchen seit kurzer Zeit Unterstützung“, sagt Sandra Whiteley – ein bis zwei Bügelhilfen sowie eine Aushilfe für Abholung und Auslieferung der Wäsche. „Sie müssen natürlich mizzi-tauglich sein.“ Heißt: gesellig, lustig und mit Bandana (also einem breiten, bunten Haarband) ausgestattet. Und wohin soll es mit dem Unternehmen gehen? Was sind die Ziele? Barbara Fischer verrät es: „Mein Traum wäre, überall in Österreich
Mizzis zu haben.“

Von Anita Kiefer/NÖN-Sonderjournal-Redaktion