Keine Risikofreudigkeit bei Firmen. In der Halbjahresbilanz des KSV1870 zeigte sich, dass in Niederösterreich bei den Unternehmensinsolvenzen fast Stillstand herrscht. Chef des Kreditschutzverbandes rät dazu, dass Unternehmen mehr investieren sollen.

Von Teresa Sturm. Erstellt am 18. Juni 2019 (18:26)
Teresa Sturm
1870-Chef Ricardo-Jose Vybiral und Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz, präsentierten die Halbjahresbilanz.

Die Entwicklungen bezüglich Insolvenzen unterscheiden sich in den Bundesländern. Lagen die Zuwächse in den Bundesländern Wien und Niederösterreich unter dem Österreichschnitt, so verzeichneten die Steiermark, Kärnten und das Burgenland Zuwächse (2019 auf den „normalisierten Schnitt“ 2017 und 2018) von jeweils mindestens 40 Prozent.

Die Novelle 2017, die überraschend im Jänner 2017 angekündigt worden war, sorgte im ersten Schritt zu einer großen Verunsicherung aller Beteiligten, heißt es vonseiten des KSV18070 (Kreditschutzverband). Allen voran bei den Schuldnern, weshalb sie ihre Anträge erst einmal auf die hohe Kante legten. Erst ab Inkrafttreten der neuen Bestimmungen (Verkürzung der Abschöpfung auf 5 Jahre und ersatzlose Entfernung der anzupeilenden Mindestbefriedigung der Gläubiger im Umfang von 10 %) kamen die Schuldner wieder mit ihren Anträgen. Eine Verwerfung 2017 und 2018 sei die Folge gewesen. Hans-Georg Kantner, Leiter KSV1870 Insolvenz, bezeichnet die beiden Jahre als „anormal“.


Österreichweit sind Privatkonkurse in Wachtumsphase

Ein Langfristtrend würde sich nur ermitteln lassen, wenn man die Zahlen 2017 und 2018 „normalisiert“, indem der Mittelwert daraus gebildet wird. Bezogen auf diesen Mittelwert liegt Österreich derzeit in einer starken Wachstumsphase des Privatkonkurses. Unschwer erkennt man, dass 2019 eigentlich in jedem Bundesland ein solides Wachstum verzeichnet wird, lediglich Vorarlberg (4 Prozent) und Tirol (9 Prozent) sind nur einstellig gewachsen. In Niederösterreich sind es 16 Prozent.

Bei den Unternehmensinsolvenzen spricht man vonseiten des KSV1870 von einem „Stillstand“. Während Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg nur geringe Veränderungen aufweisen, spielt sich die Divergenz vor allem zwischen der Steiermark (minus) und Kärnten/Vorarlberg/Tirol (plus) ab. Ein besonderer Trend scheint derzeit noch nicht erkennbar, da es sich auch nur um Halbjahreszahlen handelt. In Niederösterreich wurden im Vergleichszeitraum 2018 267 Fälle eröffnet, heuer waren es bisher 265.

Wenig Risikobereitschaft bei Firmen


Hier spricht KSV1870-Chef Ricardo-Jose Vybiral von einer Risikoarmut bei den Österreichischen Firmen. Die Stimmung sei jedoch laut Befragung bei den Unternehmen nicht schlecht. Die derzeitige Geschäftslage bezeichneten 70 Prozent der befragten Firmen als "gut" oder "sehr gut". Konträr dazu steht, dass nur 43 Prozent der Firmen die momentanen Investitionen erhöhen wollen.