kika/Leiner fordert XXXLutz heraus. Nummer zwei will Nummer eins überholen. XXXLutz hält das für völlig unrealistisch. Mit einer Kampfansage wartet die Nummer zwei des heimischen Möbelhandels auf.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 10. Juni 2014 (00:01)
NOEN, kika

„Es ist unser Ziel, uns als Nummer eins am heimischen Markt zu positionieren“, erklärt nun kika/Leiner-Geschäftsführer Hermann Wieser.

Wie will man also der XXXLutz-Gruppe Paroli bieten? Seit dem Vorjahr gehört die St. Pöltner Einrichtungshausgruppe zum südafrikanischen Steinhoff-Konzern und damit zum zweitgrößten Möbelhändler der Welt. Die Nutzung von Synergien und Ressourcen, vor allem in den Bereichen Sortiment, Werbung und Logistik berge enormes Potenzial, erklärt Wieser.

Zudem wären laufende Investitionen in das Filialnetz geplant. Die Verkaufsflächen sollen punktuell erweitert und noch kundenorientierter gestaltet werden. Einige Häuser sollen einem Komplettumbau unterzogen werden.

Breiter aufstellen will sich die kika/Leiner-Gruppe in allen Preissegmenten. Einerseits soll das Markenmöbelsortiment ausgebaut werden. Andererseits will man auch im Tiefpreisbereich punkten. Dafür soll ein eigenes Flächenkonzept zur getrennten Präsentation der Produkte erarbeitet werden.

Der neu eingeführte Sortimentsbereich an Unterhaltungselektronik soll erweitert werden. Kunden werden damit etwa TV-Geräte, Handys und Tablets angeboten.

Die Zentrale soll auch in Zukunft in St. Pölten bleiben. Hier sollen auch weiter alle operativen Entscheidungen getroffen werden, versichert das Unternehmen. Auch die beiden Marken kika und Leiner sollen erhalten bleiben, wenngleich ab sofort beide Logos gemeinsam in der Werbung aufscheinen.

XXXLutz: „Das ist ein frommer Wunsch“ 

Was sagt aber die Konkurrenz zur großen Ankündigung der Übernahme der Marktführerschaft? „Das ist ein frommer Wunsch und aus heutiger Sicht nicht machbar“, meint XXXLutz-Sprecher Thomas Saliger: „De facto ist der Zug abgefahren.“ Vor allem im Diskontbereich könne kika/Leiner nicht mit den Vertriebsschienen der XXXLutz-Gruppe mithalten.

Unterhaltungselektronik will Saliger nicht ins Sortiment aufnehmen: „Wir konzentrieren uns auf Möbel- und Einrichtungsgegenstände.“

Dass kika/Leiner-Geschäftsführer Hermann Wieser früher für XXXLutz tätig war, sieht Saliger nicht als Problem: „Er hat bei uns als Gebietsleiter in Ostösterreich einen guten Job gemacht und versucht sich dort in einer anderen Rolle.“

Konkurrenten in Zahlen

Branchen-Reihung

Länderumsätze weisen kika/Leiner und XXXLutz nicht aus. RegioPlan erhebt aber Rankings im Möbeleinzelhandel (untenstehende Top-5-Liste aus dem Jahr 2012). Genaue Marktanteile werden nicht publiziert, da sie Teil einer kostenpflichtig zu beziehenden Studie sind.

1. XXXLutz GmbH

2. Kika MöbelhandelsgesmbH / Rudolf Leiner GesmbH

3. Ikea Möbelvertrieb OHG

4. Garant-Möbel Austria GmbH & Co KG

5. MHK Österreich GmbH & Co KG

XXXLutz-Gruppe

Die Firmengruppe mit Sitz in Wels in OÖ gehört im Wesentlichen der Gründerfamilie Seifert. Europaweit zählt sie 203 Standorte mit rund 19.000 Mitarbeitern. Im Vorjahr wurden rund 2,9 Milliarden Euro umgesetzt. In Österreich gibt es 45 XXXLutz-, 49 Möbelix- und 13 Mömax-Filialen. Auf NÖ entfallen insgesamt 22 Standorte .

kika/Leiner-Gruppe

Die Firmengruppe aus St. Pölten wurde erst im Vorjahr von der Familie Koch an den börsenotierten südafrikanischen Steinhoff-Konzern verkauft (Umsatz 2012: 6,8 Milliarden Euro). In Europa verfügt kika/Leiner über 73 Standorte mit 7.450 Mitarbeitern. Der Vorjahresumsatz lag bei über 1,2 Milliarden Euro. In Österreich gibt es 32 kika- und 18 Leiner-Standorte. Insgesamt 13 davon sind in NÖ.