Wien vom Tisch, Sitz bleibt in NÖ. Der Sitz des Unternehmens bleibt entgegen Spekulationen über eine Übersiedlung nach Wien in St. Pölten.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 17. August 2018 (11:11)
Leiner/Kika 
APA

Der Firmensitz von Kika/Leiner bleibt in St. Pölten, das ist nach den gestern angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen klar. Ansonsten bleibt bei der angeschlagenen Möbelkette kaum ein Stein auf dem anderen.

Knapp 500 NÖ Mitarbeiter betroffen

Vier Filialen werden, wie gestern Abend vom Eigentümer, der Signa Holding, bekannt gegeben wurde, geschlossen, bundesweit 1.100 Mitarbeiter abgebaut. Abgesehen von der Schließung der beiden Standorte in Wiener Neustadt (Leiner) und Vösendorf (Kika) wird es Restrukturierungen im Backoffice und der Lagerlogistik geben, die Niederösterreich betreffen.

In Niederösterreich verbleiben somit zehn Kika/Leiner-Filialen – das ist knapp ein Viertel des gesamten Filialnetzes in Österreich. Die Leiner-Filiale in der Wiener Neustädter Innenstadt dürfte die am schlechtesten performende Filiale in ganz Österreich sein, heißt es aus Insiderkreisen.

Verkaufspersonal wenig betroffen

Nach den Schließungen und dem Mitarbeiterabbau – beides wird per Jahresende schlagend – bleiben bundesweit rund 3.900 Mitarbeiter in 42 Filialen übrig. In Niederösterreich sind es insgesamt rund 500 Mitarbeiter, die heute beim Frühwarnsystem des AMS angemeldet wurden. Konkret sind 96 Mitarbeiter aus der Zentrale betroffen, 168 aus den beiden Filialen, die geschlossen werden, weitere 130 Mitarbeiter, die Backoffice-Tätigkeiten in niederösterreichischen Filialen erledigen und weitere 100 aus dem Lager- und Logistikbereich.

Das Sanierungskonzept dürfte so aufgesetzt sein, dass die Kunden möglichst wenig davon spüren – das Verkaufspersonal scheint weitestgehend unangetastet zu bleiben.

Kleines Lager schließt

Was die Lager angeht, so sollen das große Zentrallager in St. Pölten sowie die Lager in Traiskirchen und Krems erhalten bleiben. Ein zweites kleineres Lager in St. Pölten wird geschlossen. Größere Investitionen – etwa in die Renovierung von Standorten – dürften bis Ende nächsten Jahres auf Eis gelegt sein. Der Onlinebereich aber soll weiter ausgebaut werden.

Schwarze Zahlen in drei Jahren

Aus Insiderkreisen heißt es, dass das Unternehmen in einem Zeitraum von drei Jahren wieder schwarze Zahlen schreiben will. Die Bilanz des Geschäftsjahres 2016/17 liegt nach wie vor nicht vor.

Noch kein neuer Geschäftsführer

Der bisherige Kika/Leiner-Geschäftsführer Gunnar George wurde beurlaubt. Seine bisherige Telefonnummer ist nicht mehr vergeben. Wer ihm nachfolgt, ist noch unklar. Ein neuer Geschäftsführer wird wohl in den kommenden Wochen präsentiert werden.

Nachrichten sind ein „Schock“

Sonja Karner, Zentralbetriebsrätin bei Kika, bestätigt im NÖN-Gespräch, dass Verhandlungen über einen Sozialplan bereits gestern angelaufen sind. Für die Mitarbeiter seien die Nachrichten gestern natürlich ein Schock gewesen, so Karner. „Wir haben damit gerechnet, dass etwas kommt, aber wenn es da ist, ist es trotzdem ein Schock.“ Der Betriebsrat habe die Restrukturierungsmaßnahmen jedoch mitgetragen. „Die Signa Holding hat uns glaubhaft gemacht, dass die Maßnahmen notwendig sind, um die Zukunft nachhaltig zu sichern. Die Gesprächsbasis ist gut.“

Unterstützung bei Nachnutzung

Die beiden VP-Landesräte Petra Bohuslav (Wirtschaft) und Martin Eichtinger (Arbeitsmarkt) bezeichnen die von der Signa Holding kommunizierten Maßnahmen als einen „herben Schlag für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich und vor allem für die hunderten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter“.

Neben Hilfe für die Betroffenen wollen die Landesräte auch eine rasche Nachnutzung der Gebäude sicherstellen. „Wir wissen, dass ein langer Leerstand von großen Flächen schlecht für die gesamte Umgebung ist. Daher habe ich die Expertise durch unsere Wirtschaftsagentur ecoplus angeboten. Wichtig ist, dass es zu keinen größeren negativen Auswirklungen für die jeweiligen Standorte kommt“, so Landesrätin Bohuslav dazu.

Bürgermeister in NÖ sprechen von "schwerem Schlag"

Nach Bekanntwerden der Sparpläne von Kika/Leiner haben die Bürgermeister von St. Pölten, Matthias Stadler (SPÖ), und Wiener Neustadt, Klaus Schneeberger (ÖVP), am Freitag in Aussendungen von einem "schweren Schlag", vor allem für die betroffenen Mitarbeiter, gesprochen. Die Leiner-Gründungsstadt St. Pölten ist laut Stadler "bei den Kündigungen einer der am stärksten betroffenen Standorte".

Betroffen seien in der niederösterreichischen Landeshauptstadt vor allem Arbeitsplätze in der Zentrale, aber auch in der Logistik und einige in den beiden Möbelhaus-Filialen. "Das ist ein sehr schwerer Schlag für die Mitarbeiter und ihre Familien, der uns zutiefst erschüttert", sagte Stadler. Er forderte die volle Unterstützung des Landes und der Bundesregierung für die betroffenen Mitarbeiter und auch für eine rasche Nachnutzung eventuell nicht mehr benötigter Infrastruktur ein.

"Sehr bedauernswert ist auch die Tatsache, dass das seit Jahrzehnten für St. Pölten prägende Unternehmen von St. Pölten aus zu einem Möbelimperium aufgestiegen ist und nun ins Wanken geraten ist", meinte Stadler. Im Jahr 1910 wurde das erste Leiner Haus in St. Pölten gegründet.

"Trotz der schmerzlichen Kündigungen muss man auch sagen, dass es noch schlimmer hätte kommen können", so Stadler. Immerhin habe das Management des Kika/Leiner-Eigentümers Signa dem Stadtchef bestätigt, dass in St. Pölten das Möbelhaus Kika im Süden und das Leiner-Stammhaus im Zentrum sowie die Zentrale erhalten bleiben sollen.

In Wiener Neustadt werde mit dem Leiner-Möbelhaus in der Bahngasse eine "Institution" und ein "sehr wichtiger Betrieb" für die Innenstadt zugesperrt, meinte Bürgermeister LAbg. Klaus Schneeberger (ÖVP): "Die Schließung ist natürlich ein schwerer Schlag - vor allem für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die zum Teil seit Jahren oder gar Jahrzehnten hier beschäftigt waren. Für sie müssen wir alles unternehmen, um sie zu unterstützen."

Was die weitere Entwicklung des Standortes betreffe, "bin ich bereits seit 14 Tagen in Gesprächen mit der Signa-Gruppe von Rene Benko", informierte Schneeberger. Durch die Nähe zu den Kasematten, dem "Herz" der bevorstehenden NÖ Landesausstellung 2019, "muss es unser aller Bestreben sein, hier rasch zukunftsträchtige Lösungen zu finden".

Allein in Niederösterreich könnten insgesamt bis zu 500 Arbeitsplätze verloren gehen, unter anderem sollen auch in der Zentrale in St. Pölten zahlreiche Arbeitsplätze wegfallen. Neben dem Leiner-Möbelhaus in Wiener Neustadt wird auch die Kika-Filiale in Vösendorf und ein Filialaußenlager in St. Pölten mit Jahresende geschlossen.