Umweltanwalt: „Wir müssen Energie einsparen“. Damit NÖ die Klimawende schafft, muss der Energie-Verbrauch um 50 Prozent gesenkt werden.

Von Norbert Oberndorfer und Lisa Röhrer. Erstellt am 03. Februar 2021 (05:45)
Symbolbild
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Bis 2030 will Niederösterreich 36 Prozent der Treibhausgas-Emissionen einsparen. Gerade präsentierten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ihr Vize Stephan Pernkopf (beide ÖVP) dazu einen 573-teiligen Maßnahmenplan. Bei Verfahren oder in der Erabeitung von Gesetzen haben das Klima und das Ökosystem in Niederösterreich auch eine Stimme: Umweltanwalt Thomas Hansmann.

Thomas Hansmann leitet die NÖ-Umweltanwaltschaft.
NLK

Er stellt dem Land, was den Klimaschutz betrifft, in vielen Bereichen ein gutes Zeugnis aus. So ist Niederösterreich etwa beim Ausbau der Erneuerbaren Energie sehr gut unterwegs. Es ist bereits gelungen, die Zahl der Photovoltaik-Anlagen zu verdoppeln. Außerdem sind auf den heimischen Straßen bereits 12.600 E-Autos unterwegs. Was das Einsparen von Energie betrifft, ortet Hansmann aber noch großen Nachholbedarf.

Energie einsparen als stärkster Klima-Hebel

Mit Ausnahme des Corona-Jahres stieg der Energieverbrauch in NÖ seit 1990 stetig an (siehe Grafik oben). Für 2020 liegen noch keine Zahlen vor, im Klimaschutzministerium rechnet man jedoch mit einem leichten Rückgang des Verbrauchs. Die Treibhausgas-Emissionen sanken seit 1990 bisher um nur 2,3 Prozent. In Hinblick auf die ambitionierten Klimaziele des Landes „muss sich wirklich was bewegen“, fordert Hansmann, denn „alle Hochrechnungen zeigen, dass wir 50 Prozent Energie einsparen müssen.“ Nur dann könne man die angestrebte CO2-Einsparung erreichen. Und das Reduzieren des Verbrauchs wirke immerhin am stärksten auf die Reduktion der Treibhausgas-Emissionen – vor allen anderen Maßnahmen.

Quelle: Statistik Austria, Energie- und Klimafahrplan NÖ, Daten: 2018 
Illustration: gyn9037/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Ein Knackpunkt für das Energie-Einsparen ist die Ökologisierung des Steuersystems in Form einer CO 2 -Bepreisung. Die aktuelle NOVA-Reform sei zwar „ein erster Schritt“, aber der Bund könnte auch festschreiben, wie viel Strom ein Vier-Personen-Haushalt verbrauchen darf, schlägt Hansmann vor. Er stellt sich Anreize für sparsame Haushalte vor: Wer wenig Energie verbraucht, zahlt weniger Steuern.

CO 2-Bepreisung soll 2022 kommen

Auch im Klimaschutzministerium von Leonore Gewessler betont man, dass der sorgsame Umgang mit Energie und das Einsparen von Energie ein wichtiger Teil im Klimaschutz seien. „Wir haben gesehen, dass das aktuelle Energieeffizienzgesetz dabei nicht die notwendigen Effekte erzeugt hat. Wir arbeiten deswegen unter Hochdruck an einem neuen Gesetz, das sinnvolle Anreize und Möglichkeiten schafft, dass Energie effizienter eingesetzt wird.“

Quelle: Statistik Austria, Energie- und Klimafahrplan NÖ, Daten: 2018 
Illustration: gyn9037/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Was die CO2-Bepreisung betrifft, verweist das Ministerium auf das Jahr 2022. Klimaschädliches Verhalten soll künftig mit einem Preis versehen werden, klimafreundliches Verhalten dagegen belohnt werden. Erste Vorboten sind die Flugticketabgabe und die NoVA-Reform. „Jetzt geht es konsequent weiter hin zu CO2-Bepreisung.“

Konkret ansetzen will Umweltanwalt Hansmann auch in den Gewerbeparks. „Da ist alles beleuchtet, was nur angeht, obwohl das überhaupt keinen Sinn macht. Wir leben in einer totalen Energieverschwendung.“ Außerdem regt er in der Bauordnung eine PV/Solarthermie-Verpflichtung für den Neubau an, dazu eine verbindliche Recyclingstoff-Quote im Hoch- und Tiefbau und eine höhere Kernsanierungsrate.