Konjunktur brummt. BILANZ / Die Wirtschaftsforscher gehen für NÖ von einem Wachstum von 3,3 Prozent aus. Damit es so bleibt, will Landesrätin Petra Bohuslav den Export stärken und neue Märkte suchen.

Erstellt am 07. August 2011 (20:03)
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VON HARALD SERVUS

Es passt!" Sehr zufrieden ist Niederösterreichs Wirtschafts-Landesrätin Petra Bohuslav mit der Entwicklung, die die heimische Wirtschaft heuer genommen hat. Alle entscheidenden Parameter zeigen an, dass unsere Wirtschaft momentan sehr gut läuft", sagt Bohuslav im NÖN-Gespräch.

Ein wichtiges Indiz für die gute Wirtschaftslage sind für Bohuslav die Konjunkturprognosen der Wirtschaftsforscher. Die hatten für NÖ zu Jahresanfang ein Wirtschaftswachstum von guten 2 Prozent vorhergesagt, mittlerweile wurde der Wert für NÖ sogar auf 3,3 Prozent angehoben. Das ist ein Spitzenwert, der auch um einiges über dem Österreichschnitt liegt", sagt Bohuslav.

Getrieben wird die Konjunktur in NÖ derzeit durch den Export. Hier wirkt sich vor allem die Hochkonjunktur der Deutschen, die für uns noch immer der wichtigste Handelspartner sind, positiv aus", sagt Bohuslav.

Einen großen Anteil an der guten Konjunkturlage hätten allerdings auch die heimischen Unternehmen selbst, ist Bohuslav überzeugt: Viele Unternehmen haben die Zeit der Krise für Restrukturierungen genutzt. Dadurch sind sie schlagkräftiger geworden und können der dichten Konkurrenz auf den Weltmärkten leichter begegnen."

Damit die Exportzahlen weiterhin so positiv bleiben, will das Land NÖ in seiner Wirtschaftsstrategie für die nächsten Jahre vor allem auch die Erschließung neuer Märkte forcieren. Die positiven Erfahrungen, die wir in den letzten 5 Jahren mit der Fokussierung auf die Ostmärkte, gemacht haben, bestärken uns, neue Märkte zu versuchen", sagt Bohuslav.

Noch heuer will man den Markt Russland angehen, in den nächsten Jahren will man auch Schwerpunkte in der Türkei, in der Ukraine, in Brasilien und in den Vereinigten Arabischen Emiraten setzen.

Am NÖ-Export hängen fast  180.000 Arbeitsplätze

Die Exporterfolge der heimischen Unternehmen sind für Bohuslav deshalb immens wichtig, weil sie viele Arbeitsplätze in Niederösterreich absichern. Es gibt einen Umrechnungsschlüssel, der besagt, dass je Milliarde Exportvolumen 8000 Arbeitsplätze gesichert werden können", sagt Bohuslav. Und das aktuelle Volumen der NÖ-Exporte liegt derzeit immerhin bei 22,3 Milliarden Euro rein rechnerisch ergibt das fast 180.000 Arbeitsplätze, die in NÖ durch den Export abgesichert werden.

Bohuslav ist überzeugt, dass die positive Halbzeitbilanz der NÖ-Wirtschaft bis zum Jahresende anhalten wird auch die guten Konjunkturprognosen: Selbst wenn die Schwankungen im Industriebereich wieder zunehmen sollten, brauchen wir uns keine Sorgen machen, dass die Krise zurückkehrt", sagt Bohuslav. Einzig in der Baubranche ortet sie derzeit Probleme: Die angespannte Situation der öffentlichen Budgets habe viele Bauprojekte verkleinert oder verzögert.

Ein neues Problem sieht Bohuslav mit einem möglichen Facharbeitermangel auf Niederösterreich zukommen: Das könnte unsere Wirtschaftsexpansion bremsen, wenn wir nicht rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen", glaubt Bohuslav.

Die Öffnung des Arbeitsmarktes am 1. Mai für die Ostländer habe keinerlei Verbesserung der Situation gebracht. In den nächsten Jahren sei ein Mangel an Fachkräften zu erwarten, deshalb müsse man gezielt in die Ausbildung von heimischen Arbeitskräften investieren. Es werde so Bohuslav auch notwendig sein, ältere Arbeitnehmer auf freiwilliger Basis länger im Arbeitsprozess zu halten, um dem Facharbeitermangel entgegenzuwirken.