AK-NÖ-Beratungen um ein Drittel gestiegen. Im Corona-Jahr 2020 waren bei der Arbeiterkammer NÖ besonders Beratungen in den Bereichen "Reisen" und "Wohnen" stark nachgefragt. "Die Sorgen der Menschen sind groß gewesen", sagt Direktorin Bettina Heise. Als "Anlaufinvestition" und zur "Kaufkraftsteigerung" fordert die AK vom Bund ein 1.000 Euro Gutschein-Heft für jeden Haushalt.

Von Norbert Oberndorfer. Update am 25. Januar 2021 (13:13)
AK Niederösterreich-Direktorin Mag. Bettina Heise und AK Niederösterreich-Präsident und ÖGB NÖ-Vorsitzender Markus Wieser präsentierten die Bilanz der Konsumentenberatung im Corona-Jahr 2020.
AK Niederösterreich/Mario Scheichel

55.000 Beratungen wickelte die Arbeiterkammer NÖ im Jahr 2020 ab. Ein Drittel mehr als noch im Jahr davor, resümiert AK-Präsident und ÖGB-NÖ-Vorsitzender Markus Wieser. In den ersten Wochen nach dem März-Lockdown verzeichnete die AKNÖ fast dreimal soviele Anfragen. "Wir konnten jederzeit Stabilität gewährleisten und professional arbeiten", sagt Wieser zur kompletten Umstellung auf Telefon- und Onlineberatung. So habe man beispielsweise 1,26 Millionen Euro für Konsumentinnen und Konsumenten  "gesichert bzw. zurückgeholt." Die Verdoppelung der Zugriffe auf die Website sei bemerkenswert gewesen. "Die Sorgen der Menschen sind groß gewesen", sagt AK-NÖ-Direktorin Bettina Heise, "insbesondere was die finanzielle Situation angeht."

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Die Fragen und Anliegen in der AK-Konsumentenberatung drehten sich primär um die Bereiche Reisen, Wohnen, Finanzdienstleistungen, Online-Geschäfte, KFZ und Versicherungen. "Mit 11.000 Beratungen zu Reisen stand dieser Bereich besonders im Mittelpunkt", sagt Wieser. Fragen rund um Reisestornos und Rückerstattungen dominierten.

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Auch Wohnen als "existenzielles Thema" war stark nachgefragt: Wenn man den Mietzins sich aufgrund Kurzarbeit oder Jobverlust nicht mehr leisten kann, oder aufgrund  Corona-bedingter Arbeitslosigkeit die Kreditrate nicht mehr bedienen kann. Aktuell sind in NÖ rund 81.000 Menschen arbeitslos und 90.000 in Kurzarbeit.

1.000 Euro Gutscheine "für die regionale Wirtschaft"

Die Pandemie wirkt seit dem Vorjahr als massiver Dämpfer auf die Wirtschaft und die Menschen. Ein wesentlicher Beitrag zur raschen Erholung spiele auch die Kaufkraftsteigerung. "Sie sichert Arbeitsplätze und kann neue schaffen", ist Wieser überzeugt. Darum fordert die AK-NÖ abermals vom Bund die "rasche Umsetzung"  eines Gutscheinhefts im Wert von 1.000 Euro für jeden Haushalt -  mit einer 100er-Stückelung à 10 Euro. "Die Gutscheine sollen breitestmöglich für alle Branchen gelten - bevorzugt für die regionale Wirtschaft - und als Anstoßfinanzierung individuell im Handel und für Dienstleistungen bis Ende 2021 eingelöst werden", schlägt Wieser vor.

Kritik: Kreditstundungs-Recht für Schuldner läuft aus

Wieser kritisiert, dass das Recht auf Kreditstundungen bei Banken mit Ende Jänner ausläuft und fordert eine Verlängerung bis Sommer 2021. Außerdem müsse die Stundung zins- und spesenfrei sein. Das sei sie bis dato nicht, sagt Wieser.

Bei Gutscheinen gebe es derzeit keine Rechtssicherheit im Falle einer Insolvenz des Ausgebers, zum Beispiel ein Veranstalter, der für ein abgesagtes Konzert den Kartenkäufern Wertgutscheine ausgestellt hat.

Auch die Forderung, dass die Maklergebühr künftig der Auftraggeber - in der Regel der Vermieter bzw. Verkäufer einer Immobile - tragen muss, wiederholte Wieser. "Sie ist bereits in der Regierungserklärung, aber passiert ist bis jetzt nicht."

"Das Geld ist nicht mehr geworden"

Das Jahr 2021 werde für die Konsumentenberatung und die Arbeiterkammer "mitnichten weniger herausfordernd", glaubt AK-NÖ Direktorin Bettina Heise. Schon jetzt zeigen sich die nachfragten Themen. "Kreditstundungen sind ein großes Thema. Das Geld ist nicht mehr geworden. Im Gegenteil: Kurzarbeit hat sich verfestigt, die Haushalten leiden unter weniger Geld", sagt Heise. Hier müsse schnell eine Lösung gefunden werden.

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