Startup recycelt Altreifen in NÖ

Am Areal des alten Semperit-Werks in Traiskirchen betreibt ein Startup Österreichs erste Altreifen-Pyrolyse-Anlage.

Erstellt am 20. Oktober 2021 | 02:00
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Rund 8.000 Tonnen Altreifen-Granulat kann Österreichs erste, vollgenehmigte Altreifen-Pyrolyse-Anlage in Traiskirchen verarbeiten.
Foto: privat

Sechs Millionen Altreifen fallen allein in Österreich jedes Jahr an. Weltweit sind es über 1,5 Milliarden. Der Großteil davon landet als Brennstoff in Zementwerken oder wird umweltfeindlich deponiert. Neben einem ungeheuren Rohstoffverlust bedeutet das für die Umwelt nichts Gutes.

Einem Wiener Startup ist es jetzt gelungen, in einem selbst entwickelten Vakuum-Niedertemperatur-Pyrolyse-Verfahren aus Altreifengranulat wieder Gas, Öl und Industrieruß zu gewinnen. „Es gab schon einige Versuche, eine solche technische Lösung im Sinn der Kreislaufwirtschaft zu schaffen. Uns gelang der Durchbruch“, sagt Christian Konvalina von Carbon Recovery. Das Jungunternehmen wurde dafür mit dem „Skarabäus-Preis“ für nachhaltige Kreislaufwirtschaft ausgezeichnet.

Christian Konvalina ist Mitgründer und Geschäftsführer der Carbon Recovery GmbH.
Christian Konvalina ist Mitgründer und Geschäftsführer der Carbon Recovery GmbH. 
privat

Der wiedergewonnene Industrieruß aka „recovered Carbon Black“ (RCB) kann zur Herstellung von neuen Kunststoffen und Produkten wie Gummiteile, Farben, Toner, Erdrohre oder auch letztendlich neue Reifen verwendet werden. „Seit Covid-Ausbruch ist Carbon Black ein Mangelprodukt. Wir bekommen sogar Anfragen aus dem Fernen Osten“, sagt Konvalina. Mit dem gereinigten Pyrolyse-Gas erzeugt das Unternehmen wiederum Strom und beheizt die Öfen der Pyrolyse-Anlage. Der Überschuss-Strom und die Abwärme werden ins öffentliche Netz eingespeist.

Pyrolyse-Öl macht etwa die Hälfte der recycelten Wertstoffe aus. „Das kann als Ersatzbrennstoff verwendet werden. Wir streben aber die Weiterverarbeitung in einer Raffinerie an, um wertvolle Rohstoffe für die Kunststoffindustrie wiederzugewinnen,“ sagt Konvalina.

Allein mit der Pilotanlage sollen etwa 8.000 Tonnen Altreifen - rund 15 Prozent des Aufkommens in Österreich - wiederaufbereitet werden.

OMV, Borealis und Semperit als Partner und Abnehmer

In Kürze soll neben der Pilotanlage eine zweite Verfahrenslinie in Traiskirchen (Bezirk Baden) und eine dritte in Westniederösterreich in Betrieb geben. „Es gibt auch ein starkes Interesse aus Westösterreich“, so Konvalina. Neben einer wissenschaftlichen Kooperation mit dem CEST-Kompetenzzentrum in Wiener Neustadt arbeitet Carbon Recovery auch mit Semperit in Wimpassing, Borealis und OMV in Schwechat zusammen.