Bauern denken wegen Hitze an Viehreduktion. Ausfälle im Grünland könnten Reduktion des Viehs um zehn Prozent bringen.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 14. August 2018 (03:00)
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Hitze, Hitze, Hitze – es ist das Thema, das die Schlagzeilen aktuell beherrscht. Besonders Leidtragende unter den heißen Temperaturen sind die Landwirte, die um Ernte und Futter für ihr Vieh kämpfen.

210 Millionen Euro machen Schäden in der Landwirtschaft nach Schätzungen der Österreichischen Hagelversicherung bundesweit aus. Besonders stark betroffen ist Niederösterreich – rund 64 Millionen Euro, also etwas weniger als ein Drittel, entfallen auf das blau-gelbe Bundesland. Beim Getreide machen die Schäden davon 47 Millionen Euro aus, bei Grünland 17 Millionen Euro.

Besonders Gras, das „klassische Wiederkäuerfutter“, sei betroffen, so Gerald Stögmüller, Fütterungsreferent und Leiter des Futtermittellabors der Landwirtschaftskammer (LK) Niederösterreich. „Das geht heuer stellenweise in Richtung Totalausfall.“ Die Landwirte brauchen Alternativen. Eine Bewässerung von Grünland kommt jedenfalls nicht in Frage – die zahle sich schlicht nicht aus.

Die Konsequenz: „Die Betriebe müssen den Bestand abstocken, und die Futterpreise explodieren.“ Zwar seien die Landwirte nach wie vor optimistisch, was das Wetter angeht. „Man hofft noch auf Niederschläge. Kommt es zu einer Reduktion des Viehbestands, wird diese Entscheidung im September oder Anfang Oktober fallen.“ Tritt dieser Fall ein, könnte jede zehnte Kuh wegfallen. „Bei Milchvieh könnte es einen Rückgang von zehn Prozent geben.“ Die diesjährigen Engpässe beim Futter sind aber keineswegs ein Phänomen allein des Jahres 2018. „Das hat sich in den vergangenen Jahren schon aufgeschaukelt.“

Getreideernte um zwölf Prozent zurückgegangen

Was die bereits abgeschlossene Getreideernte angeht, ist sie in Niederösterreich wie im Bundestrend rund zwölf Prozent unter dem Normalwert anzusiedeln, erklärt Manfred Weinhappel, Leiter der Abteilung Pflanzenschutz der LKNÖ. Dabei handelt es sich aber nur um einen Durchschnittswert – einige Regionen seien deutlich stärker betroffen, vor allem der Norden Niederösterreichs.

Das wirkt sich natürlich auf die Preise aus. Europaweit werde eine schlechtere Ernte erwartet. Die Preise seien um zehn bis 15 Prozent höher als gewöhnlich. „Das hilft den Bauern aber nicht, die Ertragsergebnisse zu kompensieren.“ Für die Konsumenten wird diese Entwicklung preislich jedoch noch nicht spürbar werden. „Der preisliche Bestandteil von Getreide im fertigen Produkt ist so gering, dass es dadurch zu keinen Preiserhöhungen kommen sollte.“

Auch für die noch nicht abgeernteten Herbstkulturen rechnen die Landwirte mit Ernteeinbußen, betroffen sind etwa Erdäpfel, Zuckerrüben und auch Mais. „Wir haben mit der Silomaisernte begonnen. Seit ich mich erinnern kann, hat es das vor dem 15. August noch nie gegeben“, so Weinhappel.

Ein Thema in diesem Zusammenhang ist der Ausbau der Bewässerungssysteme, was aber nicht überall möglich ist. „Wir wollen das Thema natürlich forcieren, daran führt kein Weg vorbei.“ Eine Möglichkeit, die im Sommer des Vorjahres ins Spiel gebracht wurde, ist die Donauwassernutzung. Dazu wurde ein Evaluierungsprojekt gestartet. Mitte September würden die Ergebnisse präsentiert, heißt es aus dem Büro des zuständigen Landeshauptfrau-Stellvertreters Stephan Pernkopf dazu.