Laute Erntezeit: Wenn die Idylle Ärger birgt. Anrainer-Beschwerden wegen Lärm und Ruhestörung gehören für Landwirte in der Erntezeit mehr und mehr zum Alltag, auch vor Anzeigen wird nicht zurückgescheut. Es wird mehr Verständnis gefordert.

Von Victoria Schmidt. Erstellt am 22. Juli 2020 (05:09)
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich rund um Präsident Johannes Schmuckenschlager wirbt für mehr Verständnis während der Erntezeit und will ein positives Bild vermitteln.
LK NÖ/Philipp Monihart

Das unbeständige Wetter macht es den Landwirten derzeit nicht leicht. Getreide, Stroh und Heu müssen eingebracht werden – und zwar trocken. Dafür wird jede Minute genützt, Maschinen laufen auf Hochtouren, oft auch abends oder am Wochenende. 

Heuernte im südlichen Niederösterreich
Schmidt

Anrainer-Beschwerden sind da vorprogrammiert. Landesweit klagen Landwirte, vor allem in Siedlungs- oder Stadtnähe, über Nachbarschafts-Konflikte. 

Probleme gäbe es vor allem mit Zugezogenen, erzählen viele Bauern der NÖN. „Die Alteingesessenen wissen das ja, die beschweren sich auch nicht“, fasst ein Landwirt aus dem Bezirk Wiener Neustadt zusammen. 

Fehlendes Verständnis über Erntetermine 

Spitzen sich die Konflikte zu, wird auch vor Anzeigen nicht zurückgescheut. Meist verlaufen sie zwar im Sand, wie Bezirkshauptleute-Sprecher Josef Kronister (BH St. Pölten) erklärt, es gehe aber immer öfter um persönliche Befindlichkeiten. 

Die Landwirtschaftskammer wirbt deshalb für mehr gegenseitiges Verständnis. Oft gäbe es nur kurze Zeitfenster, in denen umso intensiver gearbeitet werden müsse. „Die zügige Ernte – und daher auch zu ungewöhnlichen Terminen – sichert die Qualität“, erklärt Pressesprecherin Christina Spangl. 

Landwirten wird geraten, in direkten Gesprächen, über Ortsbauernräte oder in der Gemeindezeitung über Erntetermine zu informieren. Gerade in Stadtnähe fehle nämlich die Vorstellung darüber. Rückendeckung gibt es von ÖVP-Landesrat Stephan Pernkopf, der betont: „Die Arbeit muss dann gemacht werden, wenn sie anfällt.“ Als nicht akzeptable Alternative bliebe nur der Import aus Ländern mit Niedrigstandards. Es brauche daher wieder mehr Bewusstsein. 

Verzögerungen im Straßenverkehr    

Die Landwirtschaftskammer startete dazu eine neue Kampagne zur Vermittlung einer positiven Botschaft der Landwirtschaft. Ein weiteres Problem während des Ernteeinsatzes sind nämlich Beeinträchtigungen im Straßenverkehr,  etwa durch überbreite Fahrzeugen oder langsamere Erntemaschinen.

 "Das erfordert Verständnis und Toleranz auf den Straßen – von allen Verkehrsteilnehmern", erklärt Spangl.  Die Landwirtschaftskammer will darauf unter anderen  mit Transparenten und Aufklebern auf Anhängern und Maschinen aufmerksam machen. "Damit für Verständnis geworben werden und zum Nachdenken über Landwirtschaft und Lebensmittelerzeugung angeregt werden", so die Sprecherin, die auch weiß: "Die Geduld der Konsumenten ist oftmals gefragt, wenn es einmal länger dauert, bis landwirtschaftliche Fahrzeuge überholt werden können."

Die Vermittlung eines positiven Bildes der Landwirtschaft scheint unterdessen zumindest in einer Branche bereits zu gelingen: In den niederösterreichischen Tourismus-Destinationen ist die Nachfrage nach Urlaub am Bauernhof so hoch wie selten zuvor. „Man kann hier doch erkennen, dass es wieder mehr Interesse an den Vorgängen auf einem Hof gibt“, erklärt Gerda Wally (Wiener Alpen) .