Volle Regale & mehr Ab-Hof. Versorgungssicherheit: EU arbeitet an Plan für Notfall. Ziel ist, Bauern als systemrelevant einzustufen.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 09. März 2021 (10:04)
„Lebensmittelversorgung muss sicher sein“, sagen Stephan Pernkopf, Paul Nemecek, Karoline Edtstadler, Johannes Schmuckenschlager.
BB

Ein Jahr ist es her, dass Menschen die Supermärkte stürmten, um sich mit Klopapier und haltbaren Lebensmitteln einzudecken. Die Regale mit Nudeln oder Mehl waren am Freitag der Hamsterkäufe, kurz vor dem ersten Lockdown, zum Teil fast leer geräumt.

Die dahinter steckende Sorge, dass das Essen knapp werden könnte, hat sich aber nicht bewahrheitet. Zu verdanken ist das den Bäuerinnen und Bauern, betonen Bauernbund-Obmann Stephan Pernkopf, EU-Ministerin Karoline Edtstadler und Landwirtschaftskammer-Präsident Johannes Schmuckenschlager (alle ÖVP).

In Niederösterreich sind es 38.000 bäuerliche Betriebe, die 676.000 Hektar Ackerfläche bewirtschaften und damit etwa 780.000 Tonnen Weizen und 570.000 Tonnen Kartoffeln pro Jahr liefern. Die Politik müsse aus der Krise nun die Lehren ziehen. Konkret, indem sie dafür sorgt, dass Versorgungssicherheit zu jeder Zeit gegeben ist und das Bewusstsein für heimische Erzeugnisse weiter steigt.

10-Punkte-Paket des Bauernbundes

Die Europäische Kommission arbeitet dazu an einem Notfall-Plan für die Landwirtschaft. Der Bauernbund hat dazu in Brüssel ein 10-Punkte-Paket deponiert. Oberstes Ziel ist es, die Landwirtschaft als kritische Infrastruktur einzustufen, um die Versorgungssicherheit in Krisenzeiten zu erhöhen. Gleichzeitig soll die strategische Lagerhaltung als Kriseninstrument verankert werden, um Produktionsausfälle und Marktpreisverwerfungen abfedern zu können. Hohe politische Bedeutung hat zudem die Einführung eines Versorgungs-Checks bei europäischen Gesetzen. Also eine obligate Prüfung bei jeder neuen Richtlinie oder Verordnung, wie sich diese neue Regelung auf die Versorgungssicherheit auswirkt.

„Ohne diesen Check kommen versorgungsschädigende Gesetze durch die Hintertür, das gilt es unter allen Umständen zu verhindern. Die Priorität muss in der Versorgung der Bevölkerung liegen. Das bringt Sicherheit und stärkt die Landwirtschaft“, meint Pernkopf. Festgehalten ist in dem Plan außerdem, dass die Reisefreiheit von Arbeitskräften in kritischen Bereichen weiter bestehen müsse. Dazu sollen auch Erntearbeiter zählen, die im Vorjahr nicht nach Österreich durften und so etwa bei der Spargel-Ernte viele Betriebe vor Herausforderungen stellten.

Zudem müsse das Bewusstsein für „rot-weiß-rote“ Lebensmittel gesteigert werden – etwa durch Herkunftskennzeichnung von verarbeiteten Lebensmitteln.

21 Prozent mehr Einkäufe am Bauernhof

Bei vielen Konsumenten ist der Wert der Regionalität bereits angekommen: Erhebungen der AMA zufolge wurde der Ab-Hof-Umsatz der Landwirte im Vorjahr um ein Viertel gesteigert, im zweiten Quartal 2020 sogar um mehr als 40 Prozent.