LED-Nachfolger. Erzeugers ZKW, über Autotrends, Wachstum und Politiknähe.

Erstellt am 01. April 2013 (17:25)
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Von Heinz Bidner

NÖN: Wenn Ihre Pläne aufgehen, werden Sie den Umsatz von 2010 in diesem Jahr auf über 600 Millionen Euro mehr als verdoppeln. Wie ist das möglich?

Hubert Schuhleitner: Das Wachstum ist rein organisch gekommen, ohne Zukäufe. Das war das Wachstum mit den neuen Standorten. Wenn sie sich diese Kurve anschauen, dann geht die Planung nun in Richtung Verschnaufpause. Zu der Liste der Standorte wird kein weiterer dazukommen. Sie werden aber auf- und ausgebaut.

Woher soll das heurige Umsatzplus von rund 20 Prozent zum Vorjahr kommen?

Schuhleitner: Unter unseren angestammten Kunden gibt es eine Summe von neuen Projekten. Wobei das nicht allein Mengenwachstum ist. Darin ist auch Wertwachstum verborgen – auf Grund von neuen Technologien.

Nämlich?

Schuhleitner: Das große Thema sind LED-Scheinwerfer (Light Emitting Diode/ Licht aussendende Diode, Anm.). Bis jetzt produzieren wir sie nur in Wieselburg, aber die anderen Werke werden heuer nachziehen. Das ist eine neue Technologie, die jetzt Fuß fasst. Die Farbe ist wie Sonnenlicht. Wir haben bei BMW gestartet.

Wie viel teurer ist LED- im Vergleich zu klassischem Scheinwerferlicht?

Schuhleitner: Ich würde sagen, ein Vielfaches davon. Die Nachfrage ist groß. Wir haben hier die Premiumkunden. Dazu zählen Audi, BMW, Daimler, Porsche, Volvo und so weiter. Das wird sich von oben – bei den gehobenen Klassen – nach unten durchsetzen. Wir sind einer der Wenigen, die das machen.

Warum?

Schuhleitner: Das ist Spitzentechnologie, die nicht jeder kann. ZKW gehört dazu. Da machen wir Basisentwicklungen. Wir haben hier (in Wieselburg, Anm.) 400 Leute sitzen, die sich nur damit beschäftigen, so etwas zu entwickeln. Da muss was rauskommen. Voriges Jahr haben wir den Innovation-Award von unserem größten Kunden, von BMW, bekommen. Das ist der Oskar, das ist absolut einzigartig in Österreich. Und vor wenigen Wochen haben wir den Inventum von Wirtschaftskammer und Patentamt für das bestes Patent 2012 erhalten. Für einen LED-Scheinwerfer, für einen Matrix-Light.

Wie viel Geld steckt ZKW in die Forschung?

Schuhleitner: Das kommt darauf an, was dazu zählt, zwischen drei und fünf Prozent vom Umsatz.

Wie schaut das Lichtsystem der Zukunft aus? Ist LED vorerst der letzte Entwicklungsschritt?

Schuhleitner: Es gibt einen nächsten Schritt, aber der ist nicht öffentlich.

Sie arbeiten also schon am Nachfolger von LED?

Schuhleitner: Genau. Es gibt was nach LED. Aber das ist noch sehr exklusiv.

Wann kommt das auf den Markt?

Schuhleitner: So richtig schöne Vorentwicklungsprojekte, die wir unter Verschluss betreiben, kommen irgendwann in fünf Jahren ins Auto rein.

In Wiener Neustadt hat Zizala 2012 einen Standort gegründet. Wie geht es da weiter?

Schuhleitner: Wiener Neustadt wird im Sommer in Betrieb gehen. Wir erzeugen dort Elektronikkomponenten für LED-Scheinwerfer. Heuer werden es 57 Arbeitsplätze und im Vollausbau so an die 200 werden.

Wozu wurde ein zweiter Standort in NÖ gegründet?

Schuhleitner: Weil wir das Problem haben, dass wir die Leute in Wieselburg nicht mehr bekommen.

Ist angedacht, etwa aus dem ZKW-Werk in China, wo man billiger produzieren kann, nach Europa zu liefern?

Schuhleitner: Das ist überhaupt nicht das Geschäftsmodell und nicht angedacht. In der Automobilindustrie funktioniert es immer so, dass man den Kunden in die Märkte folgt.

Vor der Landtagswahl in NÖ haben Sie unter anderen im Rahmen einer Pressekonferenz für die Wirtschaftspolitik der Volkspartei geworben. Wie wichtig ist die Nähe eines Unternehmens zur Politik?

Schuhleitner: Überhaupt nicht.

Warum rührt man dann die Werbetrommel?

Schuhleitner: Das war nicht die Zielsetzung. Ich bin von ecoplus gefragt worden, ob ich Aussagen zu den Rahmenbedingungen des Wirtschaftsstandortes NÖ tätigen möchte. Nachdem wir sehr gut zusammenarbeiten, konnte ich den Gefallen tun und sagen, wie ich es empfinde.

Wie geht es in der Automobilbranche weiter. Wird der Konkurrenzkampf härter?

Schuhleitner: Der kann nicht mehr viel härter werden. Im Endeffekt hängt es davon ab, ob wir in den laufenden Projekten die geplanten Stückzahlen liefern oder nicht. Die Zukunftsprojekte, die ich in drei Jahren an Geschäft habe, kenne ich heute schon. Das ist die Entwicklungszeit für ein neues Produkt.

Blicken Sie also eher optimistisch in die Zukunft?

Schuhleitner: Wir sind für 2013 vorsichtig optimistisch. Wir sind hinter den geplanten Mengen zwar leicht zurück, aber das liegt in der Schwankungsbreite. Wenn nicht irgendwelche schlimmen Dinge passieren … Meistens liegt das an der Stimmung und nicht an Fakten. Wenn die Leute keine Autos kaufen, verkaufen wir keine Scheinwerfer mehr. Davon ist zunächst aber nicht auszugehen.

Daten & Fakten

Die ZKW-Gruppe steht im Eigentum des Wieselburgers Ulrich Mommert und stellt Beleuchtungssystem für Kraftfahrzeuge her – vor allem im Premiumbereich. Die Zahl der Mitarbeiter in Österreich, der Slowakei, Tschechien, China und Indien soll von 3.750 im Vorjahr heuer auf 4.120 wachsen. Rund die Hälfte davon arbeitet am Stammsitz in Wieselburg. Der Umsatz soll von rund 520 auf über 600 Millionen Euro klettern. Die Höhe der Gewinne wird nicht verraten.