Wie neue Berufe entstehen. Neben Adaptierungen gibt es auch immer wieder neue Lehrberufe. Ein Blick hinter die Kulissen.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 04. Februar 2020 (01:57)
Glasverpackungshersteller Vetropack hat den neuen Lehrberuf des Glasverfahrenstechnikers ins Leben gerufen.Dieter Sajovic
Vetropack/

Wer in Österreich eine Lehre machen will, kann aus über 230 Lehrberufen wählen. (Auch) Aufgrund der Digitalisierung werden Lehrberufe laufend
adaptiert. Und: Es kommen immer wieder auch neue dazu. Beispielsweise Glasverfahrenstechniker, E-Commerce-Kaufmann und Fahrradmechatroniker.

Der Glasverpackungshersteller Vetropack aus Pöchlarn (Bezirk Melk) etwa bildet seit 2018 Lehrlinge im Beruf des Glasverfahrenstechnikers aus. Dreieinhalb Jahre dauert die Ausbildung. 17 Lehrlinge gab es 2019, im Herbst 2020 sollen elf neue Lehrlinge aufgenommen werden, heißt es von dem Unternehmen.

„Das Berufsbild vereint Maschinenbautechnik, Automatisierungstechnik und die Herstellung von Glas – also genau jene Bereiche, die wir in den glasbe- und -verarbeitenden Betrieben dringend benötigen“, sagt Johann Eggerth, Geschäftsführer der Vetropack Austria GmbH. Man habe gemeinsam mit der Wirtschaftskammer, dem Fachverband Glas und anderen Unternehmen der Glasbranche diesen Lehrberuf implementiert, so Eggerth.

Doch wie entstehen eigentlich neue Lehrberufe? Ganz generell werden sie vom Wirtschaftsministerium verordnet. In der Regel, so Stefan Gratzl, Bildungsexperte in der Wirtschaftskammer NÖ, seien es Unternehmen oder eine Branche, die einen neuen Lehrberuf anleiern – wie im genannten Fall die Vetropack. Danach beginnt der „Prozess der Ausgestaltung des Berufsbildes“ – das ist die Aufgabe des Berufsausbildungsbeirats. Gratzl: „Hier ist die Firma Vetropack auf uns zugekommen und hat uns erklärt, dass die bestehenden Lehrberufe für ihre Bedürfnisse nicht ausreichend sind.“

In Niederösterreich ist die Vetropack übrigens das einzige Unternehmen, das Glasverfahrenstechniker ausbildet. Bundesweit seien laut Stefan Gratzl aber auch die Firmen Stölzle und Swarovski auf diesen Zug aufgesprungen.

Lehre als E-Commerce-Kaufmann neu

Außerdem relativ „jung“ am Lehrberufemarkt ist die drei Jahre dauernde Lehre zum E-Commerce-Kaufmann. Die Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien bildet als erste Bank mittlerweile E-Commerce-Kaufleute aus. Auch hier habe man auf die Digitalisierung reagieren wollen, sagt Raiffeisen-Lehrlingsbeauftragte Sabine Cerwinka. E-Commerce-Lehrlinge werden bei Raiffeisen NÖ-Wien in den Bereichen „Digitalisierung, Produkte & Prozesse“, „Digitalisierung“, „Digitaler Vertrieb“, „Produkte & Prozesse“ sowie „Transformation & Koordination“ eingesetzt. Dabei geht es etwa um Entwicklung neuer Produkte, Optimierung von Prozessen durch die Digitalisierung und bestmögliche Verzahnung im Unternehmen. „Ziel ist es, die Banker der Zukunft auszubilden, praxisnah und somit wertvoll für beide Seiten“, erklärt Cerwinka. In NÖ gibt es aktuell 15 E-Commerce-Kaufmann-Lehrlinge.

Ganz neu in der Lehrlingsberufe-Sammlung ist die drei Jahre dauernde Lehre zum Fahrradmechatroniker. Laut Wirtschaftskammer NÖ gibt es hier noch keine Lehrlinge, da der Beruf zu frisch am Markt ist. Manche neuen Lehrberufe vertiefen auch bestehende Lehrberufe. So gibt es seit dem Vorjahr den Lehrberuf Backtechnologie, eine Weiterentwicklung des Bäckerberufs. Im Gegensatz zur herkömmlichen Bäckerlehre umfasst dieser Lehrberuf etwa die Führung digital gesteuerter Anlagen und die Überprüfung von Backeigenschaften im Labor.