Zukunft der Agrana-Zuckerfabrik weiter offen. Nachdem der Agrana-Konzern eine seiner beiden Zuckerfabriken zusperren will, hat Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) heute zu einem runden Tisch mit relevanten Stakeholdern geladen. Die Zukunft der Fabrik in Leopoldsdorf im Marchfelde blieb danach vorerst offen. In den nächsten Wochen wird weiter an einer Lösung gearbeitet.

Von APA, Redaktion. Update am 03. September 2020 (14:15)

Damit die Fabrik in Leopoldsorf auch nächstes Jahr wieder eine sogenannte Kampagne fährt, müsse die Rübenanbaufläche wieder auf zumindest 38.000 Hektar anwachsen, bekräftigte Agrana-Generaldirektor Johann Marihart nach dem runden Tisch. Noch sei die Zukunft des Standorts "nicht abschätzbar". Die Agrana biete Bauern mehrjährige Verträge an, um ihnen Sicherheit zu geben. Verträge für den Anbau sind noch zu schließen. "In den nächsten zwei Monaten, Mitte November, werden wir bescheid wissen."

Runder Tisch zur Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf 
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Heuer lag die Fläche nur mehr bei 26.000 Hektar, dank guter Erträge arbeiten heuer noch beide Fabriken, neben jener in Leopoldsdorf auch jene in Tulln (Niederösterreich), die ohnehin erhalten bleiben soll. Viele Rübenbauern hatten umgesattelt, da die klimatischen Bedingungen - Hitze und Trockenheit - zuletzt zu massivem Schädlingsbefall und damit zu Ernteausfällen geführt hatten. Das Aus der EU-Zuckermarktordnung 2017 hatte zudem für einen Preisverfall gesorgt. Die Bauern wollen mehr Möglichkeiten im Pflanzenschutz, wovor Umweltschützer vor dem runden Tisch warnten.

Agrana-Zuckerfabrik in Leopoldsdorf
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"Wir haben heute sehr intensiv Lösungsvorschläge diskutiert", sagte Köstinger. "Unterstützungsmaßnahmen werden überprüft." Seitens Bund und Ländern werde angedacht, Unterstützungen für Flächen zu zahlen, die etwa vom Rübenrüsselkäfer befallen wurden. "Gemeinsam mit den Bundesländern wollen wir hier in den nächsten zwei Wochen Ergebnisse erzielen." Köstinger bedauerte, dass Vertreter der Bundesländer Wien und Burgenland - im Gegensatz zu Vertretern aus Niederösterreich, Oberösterreich und der Steiermark - heute nicht zum runden Tisch kamen, diese für eine Gesamtlösung aber auch dabei sein müssten. Also lud sie diese nochmals ein.

Weiterhin werde es auch Notfallzulassungen für Neonicotinoide geben. Einhergehend gebe es ein "Bienenmonitoring", so die Landwirtschaftsministerin. "Auch in die Wissenschaft des Pflanzenbaus wollen wir massiv investieren."

Rübenbauernpräsident: Die Zeit drängt

"Die Rübenbauern müssen finanziell unterstützt werden", forderte Rübenbauernpräsident Ernst Karpfinger. Die Landwirte bräuchten mit Pflanzenschutzmitteln die entsprechenden Werkzeuge, um zu arbeiten. "Wir brauchen eine rasche Entscheidung", forderte Karpfinger, "am besten in den nächsten 14 Tagen, die Zeit drängt".

Der niederösterreichische SPÖ-Chef Franz Schnabl wies am Donnerstag vor Ende des Treffens via Aussendung darauf hin, dass das AMS die Kosten für die 150 Arbeitnehmer im Falle der Arbeitslosigkeit errechnet habe: Diese würden sich in eineinhalb Jahren auf 4,6 Millionen Euro belaufen. "Geld, dass man auch in Maßnahmen stecken kann, die den Standort und damit den Menschen ihren Arbeitsplatz erhalten", so Schnabl. Er fordert zusätzliche Anreize und Förderungen für langfristig angelegte Zuckerrübenflächen - etwa Fünf-Jahresverträge und Förderungen von Bund und Land Niederösterreich für den Rübenanbau.

Schmuckenschlager und Pernkopf: Klares Bekenntnis zum heimischen Rübenanbau

„Wir stehen klar hinter den Rübenbauern und zu Zucker aus Österreich. Der heutige Gipfel weist dazu in die richtige Richtung, um das Ziel 38.000 Hektar Zuckerrübe für das Jahr 2021 zu erreichen“, begrüßen LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Johannes Schmuckenschlager, Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, das präsentierte Maßnahmenpaket von Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger.

„Wir sind zuversichtlich, dass es zu einer guten Lösung kommt, dazu braucht es aber eine gemeinsame Kraftanstrengung aller. In erster Linie geht es um die Absicherung der Eigenversorgung mit hochwertigem heimischen Zucker sowie um die Standortabsicherung in der Zuckerfabrik Leopoldsdorf“, so Pernkopf.

So soll es finanzielle Unterstützungen für Flächen geben, die vom Rübenrüsselkäfer befallen wurden und somit eine Risikoabsicherung für die Rübenanbauer im Falle von erneuten Flächenverlusten. „Denn um den Zuckerrübenanbau in Österreich wieder zu erhöhen, brauchen die Bäuerinnen und Bauern klare und planbare Rahmenbedingungen“, erklärt Schmuckenschlager. 

„Wird der Zucker nicht in Österreich produziert, kommt er von irgendwoher, wo er unter Bedingungen produziert wird, die wir nicht kennen“, sind sich Pernkopf und Schmuckenschlager über die Folgen einer Schließung einig. Welche Pflanzenschutzmittel dort zum Einsatz kommen, sei mehr als fraglich. Schließt die Zuckerfabrik kommt es zu einem Verlust regionaler Wertschöpfung und zum Verlust von Arbeitsplätzen.