Magere Müll-Sammelmoral. Getrennte Verpackungssammlung / Die Niederösterreicher liegen mit 114,5 Kilogramm pro Kopf im Bundesländervergleich im hintersten Drittel. Gemeinden sollen mehr Geld bekommen.

Von Heinz Bidner. Erstellt am 18. Mai 2015 (09:30)
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Die Sammelmoral der Niederösterreicher hat ihre Grenzen. 114,5 Kilogramm an Verpackungsmaterial trennten sie im Vorjahr pro Kopf aus dem Haushaltsmüll heraus, vermeldet der heimische Sammelsystem-Marktführer Altstoff Recycling Austria (ARA).

Im Bundesländervergleich bedeutet das den drittletzten Platz. Spitzenreiter ist Vorarlberg mit 147,3 Kilogramm, Schlusslicht Wien mit 88,4 Kilogramm pro Einwohner.

Kleines Plus gegenüber 2013

Gegenüber 2013 gibt es in NÖ zumindest ein kleines Plus von 0,4 Prozent, das vor allem auf der einprozentigen Steigerung bei der Papiersammlung beruht. Einen Rückgang von 1,8 Prozent gab es dagegen bei Leichtverpackungen. Und das, obwohl das Öko-Box-Sammelsystem im Vorjahr in die ARA integriert wurde.

„Sie Sammelmenge wird ja durch die Einwohnerzahl dividiert. In Bundesländern, die viele Touristen haben, fallen mehr Verpackungen an, die dann dazugerechnet werden“, erklärt ARA-Vorstand Werner Knausz die Statistik. Und: „Im Vorjahr gab es einen schlechten Sommer, wodurch etwa weniger Getränke wie Mineralwasser oder Limonaden verkauft wurden.“ Daher hätte es auch weniger Leichtverpackungen gegeben.

Für die ARA ist 2015 ein besonderes Jahr. Während im Gewerbebereich schon seit 15 Jahren freier Wettbewerb herrscht (dort hat die ARA 70 Prozent Marktanteil), ist das Monopol heuer auch bei den Haushaltsverpackungen gefallen (die ARA hält 80 Prozent Marktanteil).

Produktteuerungen stehen im Raum

Eine versteckte Produktteuerung könnte dabei die noch offene Abgeltungsverordnung bringen, die schon mit Juli gelten soll. Der Hintergrund: Im Restmüll, den die Gemeinden verwerten lassen, landen auch Verpackungen, die nicht getrennt gesammelt werden. In NÖ etwa wird der gesamte Restmüll in Dürnrohr verbrannt, weiß ARA-Vorstand Christoph Scharff.

Zumal Sammelsystem-Unternehmen wie die ARA die Erfassungsquote – also den Anteil der gesammelten Verpackungen – weiter steigern müssen, können sie sich dafür Verpackungen aus dem Restmüll anrechnen lassen.

Mehr Geld für Gemeinden

Dafür soll mehr Geld an die Gemeinden fließen als bisher. Die Rede ist von 19 Millionen Euro. Die Konsequenz: Die Lizenztarife, welche die Wirtschaft an die Sammelsysteme für die Sammlung zahlen muss, müssen erhöht werden, um die Kosten unterzubringen.

„Dadurch können – zumindest vereinzelt – die Produkte teurer werden“, schätzt ARA-Aufsichtsratschef Alfred Berger (der auch NÖM-Chef ist). Die Umsetzungsfrist hält er jedenfalls für zu kurz, damit die Sammelsysteme mit den Gemeinden Abgeltungsvereinbarungen treffen sowie Industrie und Handel die Teuerung einpreisen können. „Es wären zusätzlich mindestens vier Monate nötig“, meint Berger.

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