Jungunternehmer mit vielen leuchtenden Ideen. Der Elektroinstallateur Daniel Tlaskal aus Maria Gugging stellt mit seinem Unternehmen Holzschein Naturholzleuchten her, wobei jede davon ein kreatives Einzelstück ist. Von Sophie Kronberger

Von Sophie Kronberger und NÖN Sonderjournal-Redaktion. Erstellt am 14. Mai 2019 (07:13)

„Scheiterhaufen“, „Wichtelrutsche“ oder „Schildkröte“ heißen unter anderem die kreativen Lampen aus Holz, die Daniel Tlaskal in Maria Gugging per Hand anfertigt. Jedes Stück ist dabei ein Unikat. Die Idee zu seinem Unternehmen Holzschein, das er im September 2016 gründet hat, kam ganz spontan. „Ich war im Wald unterwegs und habe besonders schöne Äste am Boden entdeckt. Als Elektroinstallateur war die Idee, daraus eine Lampe zu machen, eigentlich einleuchtend“, lacht Tlaskal. Die Fundstücke der Waldspaziergänge in Leuchten zu verwandeln, wurde zum Hobby, das den Keller des Elternhauses schnell bis zum Rand anfüllte. „Ich dachte mir, dass es schön wäre, mein Hobby auch mit anderen Leuten zu teilen und die Holz-Leuchten zu verkaufen, und so kam es dann auch zur Unternehmensgründung.“

Nachhaltigkeit als wichtiges Anliegen

Tlaskal verwendet für seine leuchtenden Unikate ausschließlich Holz, das er in heimischen Wäldern oder an Flussufern findet. Natürlich sei das auch abgeklärt mit den jeweiligen Grundstücksbesitzern. „Mir ist es vor allem wichtig, dass keine Äste abgeschnitten werden. Die Natur soll so belassen werden, wie sie ist. Ich verarbeite nur das, was die Natur auch anbietet.“ Aus diesem Grund benützt er auch nur natürliche Materialien, um die Lampen zu bearbeiten. „Naturwachs, Bienenöl oder Leinöl verwende ich meistens und schaue, dass ich so die natürliche Schönheit des Holzes hervorhebe.“

Drei bis 40 Stunden kann die Fertigung einer Leuchte schon mal dauern, je nach Aufwand. Daher kostet eine Lampe zwischen 120 und 800 Euro. Zirka 80 Steh-, Hänge- oder Wandleuchten hat er bis jetzt schon angefertigt. Was manchmal simpel ausschaut, kann sehr viel Arbeit bedeuten. „Der schwierigste Schritt ist es, den Kabelkanal in die Äste zu bohren. Ich habe mir dazu eine Art Langlochbohrer selbst gebaut, um so die gewundenen Äste bearbeiten zu können.“ Bei diesem Prozess muss besonders sorgfältig gearbeitet werden, und es kann schon mal passieren, dass ein Werkstück kaputtgeht. „Ich erzähle dann gerne, dass ich einen Borkenkäfer dressiert habe und er einfach zu gefräßig war“, scherzt Tlaskal. Auch auf die Sicherheit hat der Jungunternehmer, der seine Elektroinstallationstechniker-Lehre mit Auszeichnung bestanden hat, natürlich ein Auge: Er verwendet nur geprüfte und schutzisolierte Leitungen.

NOEN

In der Werkstatt von Tlaskals Vater in Maria Gugging stellt der Jungunternehmer die Lampen sorgfältig her, in Trübensee bei der Mutter werden sie gelagert. „Mein Bruder hilft ebenfalls mit und gibt gute Tipps, daher kann man auch ein wenig von einem Familienunternehmen sprechen“, so Tlaskal, der Holzschein eigentlich als Einpersonenunternehmen führt.

Obwohl es das Unternehmen erst seit 2016 gibt, hat Tlaskal schon treue Kunden. „Ein Bekannter hat mittlerweile schon acht Lampen von Holzschein, und es ist immer wieder schön zu sehen, wie er sich an jedem Produkt erfreut.“ Die Zielgruppe sind aber in erster Linie
keine Privatkunden, sondern

Geschäftskunden wie Hotels und Inneneinrichter, auch aufgrund des Preises. „Natürlich ist eine Holzschein-Lampe ein Luxusprodukt“, ist sich der 26-Jährige bewusst.

Vom Holz-Pokal bis zum Gin-Regal

Stolz ist Tlaskal darauf, dass er 2017 für den Wiener-Wiesn-Fest-Trachtenaward den Pokal herstellen durfte. „Das Holz für den Pokal habe ich mit Epoxidharz behandelt und auch einen Akku eingebaut, um das Licht ein- und ausschalten zu können.“ Genau solche Spezialanfertigungen machen dem Jungunternehmer Spaß. Beispiele dafür gibt es in seinem Portfolio genug, etwa die Beleuchtung im Wiener Szenelokal Prateralm, die aus einem alten Pferdegespann besteht. Aus alten Weinfässern wurde schon eine Barbeleuchtung gezaubert oder ein „leuchtendes Gin-Regal“.

Er mache auch gerne Sonderanfertigungen, etwa wenn jemand ein exotisches Holz aus dem Urlaub mitnimmt oder ein alter Baum gefällt werden muss, aber noch viele Erinnerungen daran hängen. „Eine Lampe ist einfach ein Erinnerungsstück, das schön und funktional zugleich ist“, so Tlaskal.

Holzschein
Jedes Stück Holz, das Daniel Tlaskal für seine Unikate verwendet, hat er selbst sorgfältig ausgewählt.

Kreatives Austoben und Ausprobieren

Zu kaufen sind die Leuchten momentan nur auf Messen und im Online-Shop. „Ein eigener Schauraum fehlt noch, aber mal schauen, was die Zukunft bringt.“ Sicher ist er sich, dass er noch mehr mit Materialien experimentieren möchte, als er es ohnehin schon tut. „Epoxidharz ist ein Favorit von mir, aber ich verwende auch gerne Halbedelsteine, etwa Achatscheiben aus der Amethyst Welt Maissau. Das Funkeln, das sich dadurch bei der Lampe ergibt, ist einzigartig“, erzählt Daniel Tlaskal.

Holzschein ist nicht das einzige Unternehmen, das der 26-Jährige bereits gegründet hat. Gemeinsam mit Freunden ist er auch Gründer von ElektroAlpinist, eine Firma mit Sitz in Wien, die elektrotechnische Arbeiten mit Industrieklettern verbindet. „Wenn also beispielsweise ein Architekt ein besonders hohes Gebäude gebaut hat und dort etwa Lampen installiert werden müssen, erledigen wir die Arbeit mit unserer Kletterausrüstung deutlich schneller und kostengünstiger, als es mit einer Hebebühne möglich wäre.“

Zusätzlich arbeitet der umtriebige Klosterneuburger noch in einer Elektrotechnik-Firma. „Man muss einfach alle möglichen Chancen nutzen, die sich einem bieten.“ Mit seinen gleich drei beruflichen Tätigkeiten komme er schon mal auf bis zu 100 Stunden Wochenarbeitszeit. In seiner spärlich gesäten Freizeit ist er bei der Freiwilligen Feuerwehr aktiv und spielt American Football in Langenlebarn. Die Waldspaziergänge, die er für Holzschein unternimmt, um neues Material für seine Leuchten zu finden, sieht er ebenfalls als gute Möglichkeit, um ein wenig abzuschalten.

Aber es zahlt sich aus, denn was er mache, mache er gerne. „Ich bin schon seit 2012 selbstständig und würde es genauso wieder machen, weil es mich einfach erfüllt.“ Genau das ist auch sein Rat an andere Jungunternehmer: „Zuerst sollte man schauen, wo die persönlichen Kompetenzen liegen, und dann sollte man es einfach machen, vor allem, wenn man auch Spaß daran hat.“

Holzschein als Herzensprojekt

Neben den „Brotjobs“ ist Holzschein eindeutig das Herzensprojekt von Daniel Tlaskal. „Hier sind meiner Fantasie keine Grenzen gesetzt, und ich kann mich kreativ austoben.“ Es sei einfach eine besondere Freude, die Holzleuchten dann bei den Kunden zu sehen. Für das weitere Bestehen seines Unternehmens wünscht er sich, noch mehr Kooperationen mit Firmen an Land zu ziehen und sich besonders in der Design-Branche „einen Namen zu machen“.

Schön sei für ihn die Vorstellung, in einem Hotel zu übernachten und dort seine eigenen Lampen hängen zu sehen. „Leider habe ich selbst keine Holzschein-Lampen zuhause, da meine Katzen sie mit einem Kratzbaum verwechseln würden“, lacht der Jungunternehmer. „Ich habe deswegen auch einer besonders länglichen Stehlampe den Namen Kratzbaum gegeben, die natürlich nicht unbedingt für Katzenbesitzer empfehlenswert ist“, schmunzelt Tlaskal.