medlog schickt Blutproben auf Reisen. Extrem heikel und häufig sehr dringend können Sendungen sein, die medlog mit Sitz in St. Pölten transportiert. Dazu braucht es eigene Verpackungen und viel Wissen.

Von Christine Haiderer. Erstellt am 21. Juni 2018 (16:30)
Günter Wohlschlager
Beim Transport von biologischen Stoffen spielen die Geschwindigkeit und die passende Verpackung wichtige Rollen. 

Das Wartezimmer ist voll. Unzählige Patienten, jüngere wie ältere, Frauen wie Männer warten vor allem auf eines: Sie wollen ihr Blut analysieren lassen.

„Wenn Sie zum Hausarzt gehen und Blut abgenommen wird, dann beginnt die Reise des Blutes“, so Franz Holler, Geschäftsführer von medlog. Das Unternehmen für Medizinlogistik mit Sitz in St. Pölten transportiert biologische Stoffe. Wie Blutproben, Biopsie-Proben von Tumoruntersuchungen, Plasma und Blutkonserven für Operationen.

„Wir fahren zum Arzt, holen das Analysematerial dort ab und liefern es zu unterschiedlichen Laboren“, erläutert der Logistiker und Spediteur. Und das in ganz Österreich. „Wir betreuen über 2.000 Ärzte im Humanbereich, über 50 Krankenhäuser sowie über 1.000 Veterinäre und beliefern täglich 30 Labore.“ Es gibt Transporte vom Arzt zum Labor, vom Krankenhaus ins Labor, von Krankenhaus zu Krankenhaus. Insgesamt sind es 800.000 Sendungen pro Jahr, wobei eine Sendung genauso nur ein Dokument oder aber auch mehrere hundert Röhrchen enthalten kann.

Es muss schnell gehen

Im Labor werden die Proben dann analysiert. Damit dabei alles passt, müssen die Sendungen dort rasch ankommen, weil sie nicht ewig haltbar sind. Biologische Stoffe unterliegen einer chemischen Veränderung. Und die beginnt in manchen Fällen bereits nach vier bis sechs Stunden. „Das erfordert eine hoch-dynamische Logistik“, so Holler.

Neben geplanten Transporten, wie etwa der Blutproben, gibt es häufig aber auch Akutfälle, bei denen die Proben besonders schnell im Labor oder die Blutkonserven im Krankenhaus sein müssen – für die Gesundheit des Patienten. Auch diese Transporte müssen miteingeplant werden. „Die Prozesse müssen so gestaltet werden, dass sie durchgängig sind und möglichst jegliche Abweichung schon in Betracht gezogen wird“, so Holler. „Wir haben immer Notfallkapazitäten für dringende Fahrten.“ Damit die Sendung dann ankommt, wann sie soll.

Günter Wohlschlager
medlog transportiert biologische Stoffe: von Blut- oder Gewebeproben, die im Labor untersucht werden müssen, bis hin zu Blutkonserven, die im Krankenhaus für Operationen gebraucht werden.

Dieser hohe Grad an Zuverlässigkeit, so Holler, führt übrigens auch dazu, dass Kunden auch andere heikle Dinge, wie etwa wichtige Dokumente oder Befunde, von medlog transportieren lassen. Und: „Wir liefern auch medizintechnische Geräte.“ Da gibt es etwa mobile Geräte zur besseren Wundheilung, die Krankenhäuser anfordern können und die dann durch medlog gebracht werden, direkt auf die Station zum Patienten.

Neben Blutproben, die innerhalb des selben Tages vom Arzt in ein Labor gebracht werden, gibt es aber auch Proben, die von Laboren untersucht werden sollen, die etwa auf eine bestimmte Krankheit spezialisiert sind.

Dann kann es sein, dass die Probe von Niederösterreich aus nach Innsbruck oder auch Deutschland oder Holland geschickt werden muss. In diesen Fällen kommen sie zum medlog-Zentralumschlag nach Salzburg und werden von dort aus über Nacht auf die weitere Reise geschickt. „Wir haben von 0 bis 24 Uhr, 365 Tage im Jahr Fahrbetrieb.“ Übrigens gibt es auch einen weiteren Standort in Wien.

Eine Frage der Verpackung

Was beim Transport wichtig ist? „Die Verpackung nimmt einen sehr großen Stellenwert ein“, so Holler. „Wir haben spezielle Verpackungen entwickelt und patentiert.“ Dreischalige, die gefahrguttauglich sind. Warum gefahrguttauglich? Weil Blut als Gefahrgut gilt. Schon kleinste Mengen können potenziell gefährlich sein, einen Virus enthalten, der ansteckend ist. Besteht übrigens der Verdacht, dass es sich um einen hochansteckenden Virus handelt, dann steigen die gesetzlichen Auflagen für Dokumentation und Verpackung.

Eine große Rolle spielt beim Transport auch die Temperatur. Verschiedene biologische Stoffe verlangen unterschiedliche Temperaturen. So kann es sein, dass eine bestimmte Blutkultur bei Raumtemperatur transportiert werden soll – auch wenn es draußen minus zehn Grad hat – und ein anderer Stoff tiefgefroren werden muss – auch wenn es plus 30 Grad hat. „Das geht hin bis zu Trockeneis und Transporten mit flüssigem Stickstoff.“

Günter Wohlschlager
Franz Holler, Geschäftsführer von medlog.

Welche Verpackung die richtige ist, dazu können sich Kunden umfassend informieren lassen. Kommunikation und Beratung sind bei medlog sehr wichtig. „Unsere Fahrer sind angehalten, mit den Kunden in direktem Kontakt zu bleiben.“ Damit sie genau erfahren, was die Anforderungen sind und es zu keinen Missverständnissen kommt.

Apropos Fahrer: „Unsere Fahrer und Mitarbeiter sind sehr gut geschult und verfügen über sehr viel Wissen.“ Aufgrund von Schulungen. Und: Das macht, so Holler, den Erfolg des Unternehmens aus.

Vermutlich gibt es kaum jemanden, der nicht irgendwie mit medlog in Kontakt kommt, direkt oder indirekt, sei es als Patient in einem Krankenhaus, mit dem medlog zusammenarbeitet, oder bei einem Arzt, sei es als Hundebesitzer – immerhin werden auch Proben von Tieren in Labore gebracht – oder als Kunde in einem Supermarkt. Denn: Auch Lebensmittelproben werden von medlog transportiert.

Im kommenden Jahr soll der Standort, an dem auch ein Medizintechnik-Unternehmen und das größte Labor in NÖ ansässig sind, ausgebaut werden.

Von Christine Haiderer/NÖN-Sonderjournal-Redaktion