Mehr Heim-Promille durch Corona-Stille. Gastro hat zu, Feste fallen aus, Zuhause wird mehr getrunken und im Handel mehr verkauft.

Von Lisa Röhrer und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 18. November 2020 (04:56)
Symbolbild
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Ein Gläschen Wein oder das verdiente Feierabend-Bier: In Zeiten von Homeoffice, Kontaktbeschränkungen und abgesagten Veranstaltungen wird mehr in den eigenen vier Wänden getrunken. Das merken auch Suchtberatungs-Experten (siehe Infos unten).

Eine Studie der Österreichischen Weinmarketing (ÖWM) zeigt, dass die Weinvorräte schon im Frühling regelmäßig aufgefüllt wurden. Die Befragten gaben an, im Verhältnis zum Vorjahr fast 17 Prozent mehr Wein im Handel gekauft und dafür 12 Prozent mehr ausgegeben zu haben. Denselben Effekt beobachtet man bei Spar nun wieder, wie Unternehmenssprecherin Nicole Berkmann erzählt.

Während sich die Situation über den Sommer normalisiert hatte, gehe der Alkoholkonsum nun wieder rauf. Berkmann zieht eine Analogie zum März-Lockdown: „Die Menschen haben zu Hause das Bier oder den Wein anstatt im Gasthaus getrunken. Stark nachgefragt waren alle alkoholischen Getränke.“ Bei Rewe (Billa, Penny, Merkur) verzeichne man einen „geringfügigen Anstieg“ bei Alkoholika „seit dem März-Lockdown“. Bei Hofer sei die Nachfrage hingegen „vergleichbar mit den Vorjahren.

Gekauft wird aber nicht nur bei den Handelsriesen, sondern auch bei lokalen Anbietern. Der Traisentaler Winzer Markus Huber berichtet, dass in der Zeit des ersten Lockdowns verstärkt auf den Online-Shop zurückgegriffen wurde. Konrad Hackl vom Weinbauverband Niederösterreich erzählt, dass viele Menschen weiter Ab-Hof kaufen oder Paketdienste von Winzern nutzen.

Klassische Sorten sind in Krise gefragt

Zumindest was den Wein betrifft, setzen Menschen in Krisenzeiten auf Altbewährtes. „Es lässt sich beobachten, dass die Kunden auf bekannte Marken und klassische Rebsorten wie etwa Grüner Veltliner zurückgreifen“, heißt es von ÖWM. Auch Sorten wie Muskateller und Sauvignon blanc finden guten Anklang. Der Trend zu Neuem sei nicht so groß.

Insgesamt wurde heuer aber weniger Alkohol verkauft. Immerhin fehlt die Gastronomie als wichtigster Abnehmer. Auch Feste fielen aus. Das kann der höhere Konsum zuhause nicht wettmachen, heißt es von allen Seiten. Ein Sprecher der Privatbrauerei Zwettler, die Partner vieler Gastronomie- und Tourismusbetriebe ist, spricht twa von einer „existenzbedrohende Situation“ für die Brauerei.