Ab August Tempo 140 auf zwei Abschnitten der A1 erlaubt. Ab August ist auf zwei Abschnitten der Westautobahn (A1) Tempo 140 erlaubt.

Von Redaktion, APA. Update am 24. Juli 2018 (14:58)
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Auf rund 88 Kilometern zwischen Melk und Oed in Nieder- sowie auf den bereits bekannten 32 Kilometern zwischen Haid und Sattledt in Oberösterreich wird die höchstzulässige Geschwindigkeit um zehn km/h angehoben. Das neue Tempolimit gilt für beide Fahrtrichtungen, sagte Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ) am Dienstag.

Beginn und Ende werden nicht - wie ursprünglich angekündigt - via elektronischer Überkopfanzeigen, sogenannten Verkehrsbeeinflussungs-Anlagen angezeigt, sondern per eigenem Verkehrsschild. Das Pilotprojekt soll ein Jahr dauern und wird von der Asfinag mit Vorher-Nachher-Messungen begleitet.

Konkret werden noch bei Tempo 130 in den betroffenen Abschnitten Luftgüte, Lärm, Durchschnittsgeschwindigkeiten und Unfallzahlen ermittelt. Auf Basis der Vergleichswerte will das Verkehrsministerium im August 2019 entscheiden, ob Tempo 140 beibehalten und ausgeweitet wird. Dafür infrage kommen laut Hofer weniger als 50 Prozent der heimischen Autobahnkilometer.

Kritik von allen Oppositionsparteien

Kritik am Pilotprojekt des Verkehrsministers, das am 1. August startet, gab es am Dienstag von allen drei Oppositionsparteien und auch den oberösterreichischen Grünen.

"Tempo 140 schadet der Umwelt und ist eine Gefahr für die Verkehrsteilnehmer", kritisierte Hofers Vorgänger Jörg Leichtfried (SPÖ). "Bei Tempo 140 ist mit 20 Prozent mehr Schadstoffemissionen als bei Tempo 130 zu rechnen. Vergleicht man den Schadstoffausstoß mit Tempo 100, erhöhen sich die Emissionen sogar um 50 Prozent", rechnete der ehemalige Verkehrsminister in einer Aussendung vor.

Schnellfahren würde außerdem "kaum Zeitersparnis" bringen, dafür aber eine "viel größere Unfallgefahr", warnte der SPÖ-Nationalratsabgeordnete. Leidtragende seien aufgrund der höheren Lärmbelästigung die Anrainer.

"Österreich hat einen Verkehrsminister, der sich nicht um die Sicherheit im Verkehr kümmert und eine Umweltministerin, die sich nicht um die Umwelt schert", kritisierte der Klubobmann der Liste Pilz, Bruno Rossmann. "Es liegt ja wohl klar auf der Hand, dass ein höheres Tempo auch einen höheren Schadstoff-Ausstoß bedeutet. Wir rasen also mit Tempo 140 noch schneller in den Klimakollaps."

Auch er betonte, dass neben der Umweltbelastung auch Spritverbrauch, Lärmpegel und Unfallrisiko steigen. Rossmann sieht im Pilotprojekt ein "populistisches Ablenkmanöver" der Regierung. "Puren Populismus" konstatierte auch der Verkehrssprecher der oberösterreichischen Grünen, Severin Mayr. "Eine Maßnahme, die kaum Zeit, aber mehr Umweltbelastung bringt. Mit dieser Retropolitik will Hofer offenbar von den wirklichen Problemen in der Verkehrspolitik ablenken. Mit mehr Gas auf der Autobahn sind diese sicher nicht zu lösen", sagte Mayr in einer Aussendung.

Wenn der Minister etwas beschleunigen solle, "dann den Öffi-Ausbau", forderte er. Die NEOS kritisierten in einer Aussendung, dass Tempo 140 den Steuerzahlern teuer zu stehen komme. Denn es bringe "zusätzliche Emissionen und macht zusätzliche Klimainvestitionen notwendig", meinte Umweltsprecher Michael Bernhard. "Der Verkehrsminister greift hier die Lebensqualität der Österreicherinnen und Österreicher an und schämt sich nicht einmal dafür. Haltung sieht anders aus."

ÖAMTC kann sich Anhebung des Limits prinzipiell vorstellen

Dem künftigen Tempo 140 nicht abgeneigt ist der ÖAMTC. Immerhin entspreche das höhere Limit dem Wunsch der Österreicher, wie auch eine Umfrage im Jänner ergab. Der Mobilitätsclub ist auf die Ergebnisse des Pilotprojekts, das ein Jahr dauern soll, jedenfalls "gespannt". "Der seinerzeitige 160 km/h-Versuch hat gezeigt, dass die Rechtsfahrordnung besser eingehalten wird und die Unfallzahlen sogar etwas zurückgegangen sind", erinnerte Chefjurist Martin Hoffer an die 160er-Teststrecke des FPÖ-Verkehrsministers Hubert Gorbach 2006 in Kärnten.

"Das deutet mitunter auf ein höheres Gefahrenbewusstsein hin." Prinzipiell kann sich der ÖAMTC eine Anhebung des Tempolimits vorstellen, hätte das aber lieber mit einer elektronisch angezeigten Flexibilisierung von Geschwindigkeitsbeschränkungen, also via Überkopfanzeige. So war das Projekt auch ursprünglich angekündigt gewesen. Mit den Überkopfanzeigen kann das Tempolimit bei ungünstigen Verkehrs- oder Witterungsverhältnissen gesenkt werden.