Fast 2.000 Fachkräfte fehlen. Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Wirtschaftskammer-Chefin Sonja Zwazl, Spartenobmann Veit Schmid-Schmidsfelden sowie Bildungsdirektor Johann Heuras präsentierten Ergebnisse erstmalig erstellter "Bildungslandkarte".

Von Philipp Grabner. Erstellt am 29. Januar 2020 (16:29)
Veit Schmid-Schmidsfelden, Johann Heuras und Christiane Teschl-Hofmeister mit einem Schüler der LBS Neunkirchen.
Philipp Grabner

Der Metalltechnischen Industrie in Niederösterreich fehlen Fachkräfte. Und: Lehrlinge müssen jenen Stellenwert bekommen, den sie sich aufgrund ihrer Qualifikation auch verdienen. Das waren zwei der zentralen Botschaften, die Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP), Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl, Bildungsdirektor Johann Heuras sowie Veit Schmid-Schmidsfelden, Obmann der Metalltechnischen Industrie in der Wirtschaftskammer NÖ, bei einem Besuch an der Landesberufsschule in Neunkirchen ausgaben. Gemeinsam mit Studienautor Herwig Steiner vom Industriewissenschaftlichen Institut präsentierten sie die erstmalig erstellte „Bildungslandkarte der Metalltechnischen Industrie“.

Fachkräftelücke wird weiter anwachsen

Unter anderem kam die Studie zu dem Schluss, dass in der Metalltechnischen Industrie rund 1.800 bis 1.950 Fachkräfte fehlen würden. Besonders betroffen sind demnach das nördliche Wiener Umland, das Weinviertel sowie die Region Mostviertel-Eisenwurzen. In den nächsten fünf Jahren werde, so die Studie weiter, die Fachkräftelücke allein in der niederösterreichischen Metalltechnischen Industrie auf etwa 2.100 anwachsen.

Studienautor Herwig Schneider, Spartenobmann Veit Schmid-Schmidsfelden, Bildungsdirektor Johann Heuras, Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) sowie Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl.
Philipp Grabner

Umso wichtiger sei es daher, „in unseren Unternehmen stärker denn je darauf zu achten, dass im geforderten Moment das Know-how im Unternehmen langfristig vorhanden ist“, wie Veit Schmid-Schmidsfelden, Obmann der Metalltechnischen Industrie in der WK NÖ, vor Medienvertretern bekräftigte. Die Bildungslandkarte sei „ein wertvolles Instrument für mögliche Maßnahmen, die wir in einem gemeinsamen Prozess erarbeiten und umsetzen können“, so Schmid-Schmidsfelden, der den Dialog zwischen Land, Bildungsdirektion und der Branche dabei besonders hervorhob.

Der Bedarf an zusätzlichen Fachkräften ist vor allem im Bereich Metalltechnik (53 Prozent) sehr hoch, gefolgt von Elektrotechnik (47 Prozent), Projektmanagement (33 Prozent), Informationstechnologie (30 Prozent) sowie Mechanik (ebenso 30 Prozent).

Die für Bildung zuständige Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) bekräftigte, in den kommenden Jahren rund 41,5 Millionen Euro in Ausstattung und Räumlichkeiten in Berufsschulen investieren zu wollen. „Der Wichtigkeit unserer Berufsschüler für die Wirtschaft sind wir uns bewusst, deshalb ist es unser oberstes Ziel im berufsbildenden Landesschulwesen, zukunftsorientierte Ausbildungsmöglichkeiten mit möglichst viel Praxisbezug auf dem neuesten Stand der Technik anzubieten.“

Dass die Schulen hervorragende Arbeit leisten würden, beweise etwa der Standort in Neunkirchen, „wo mir der Herr Direktor jedes Mal, wenn ich zu Besuch bin, ein neues Gerät vorstellt, zuletzt etwa den 3D-Drucker“, lobte Teschl-Hofmeister die Arbeit an der LBS Neunkirchen ganz besonders.


"Meister" gleich wie "Bachelor": Vorstoß wird begrüßt

Sowohl Teschl-Hofmeister, als auch Wirtschaftskammer-Präsidentin Sonja Zwazl begrüßten den Vorstoß, den „Meister“ mit dem „Bachelor“ gleichstellen zu wollen. Teschl-Hofmeister meinte, man könne das belächeln, „aber ich halte es trotzdem für eine gute Entscheidung“. Denn, so die Landesrätin, es gehe um die entsprechende Wertschätzung und auch darum, dass es bei Bewerbungen zu keinen Nachteilen für Personen komme, die eine Meisterprüfung absolviert hätten.

Derselben Meinung ist auch Sonja Zwazl: „Wir brauchen noch mehr Lehrlinge. Und wir müssen auch verstärkt darauf achten, welche Qualifikationen aufgrund der jeweiligen Wirtschaftsstruktur in den Regionen besonders wichtig sind – um diese Chancen den jungen Menschen entsprechend aufzuzeigen – etwa durch eine noch weitere Verknüpfung von regionalen Unternehmen und örtlichen Schulen.“

Johann Heuras und Christiane Teschl-Hofmeister bei der Pressekonferenz in Neunkirchen.
Philipp Grabner

Bildungsdirektor Johann Heraus bekräftigte den engen Kontakt zwischen Wirtschaft und Industrie, den man bereits jetzt lebe. Und er hob neue Schwerpunktsetzungen in Neuen Mittelschulen vor. Es gelte, die Mittelschulen aufzuwerten, da diese einen starken Fokus auf Berufsorientierung legen würden, so der Bildungsdirektor. Gleichzeitig verwies er auf einen „Akademisierungswahn“ und appellierte, ein Studium nicht überzubewerten. Es gelte, so der allgemeine Tenor, vermehrt die Vorteile einer Lehre hervorzuheben, nicht nur bei Schülern, auch bei den Eltern.