Zukunftsangst einer Generation. Niedrigere Gehälter, schwache Lobby: Ökonom meint, dass es die heute Unter-40-Jährigen als Erste nicht besser haben als ihre Eltern. In NÖ sind das 368.000 Leute.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 11. Februar 2020 (01:15)
Sustala, Statistik Austria; Ksyu Deniska/Moremar/Shutterstock.com; Gastegger

Noch vor dem Master-Abschluss eine Fixanstellung und dann auch noch eine gut bezahlte Position mit viel Verantwortung – wesentlich jünger als die meisten Kollegen: Hannes Baumgartner ist einer der 368.000 20- bis 40-jährigen Niederösterreicher. Er zählt damit als „Millennial“. Und der St. Pöltner zeigt vor, wie ein erfolgreicher Karrierestart verlaufen kann. Für viele seiner Generation wird das laut Lukas Sustala aber immer seltener. Der Ökonom – mit Wurzeln in Ambach (Bezirk St. Pölten) – zeichnet ein weniger optimistisches Bild von der Situation dieser Generation.

„Meinen Kindern soll es einmal besser gehen.“ Dieses Versprechen ab der Nachkriegszeit gilt für Sustala seit einiger Zeit nicht mehr. Die heute Unter- 40-Jährigen – jeder vierte Niederösterreicher – hätten es schwerer, sich etwas aufzubauen als etwa ihre Eltern. Sustala wählt in seinem Buch den Vergleich einer Party: Während die Babyboomer noch ausgelassen feiern, geht die Sause bereits ihrem Ende zu, als die Millennials dazustoßen. Ihnen bleibt die Katerstimmung am Morgen.

„Studien zeigen, dass das verfügbare Einkommen der Millennials sinkt – verglichen mit dem Einkommen der vorherigen Generation im selben Alter“, so Sustala. Immobilien-Preise und Lebenshaltungskosten steigen hingegen. Schuld am Kater ist laut Sustala auch die Finanzkrise 2008. Sie machte die Sprossen der Karriere-Leiter morsch, als viele der heute Unter-40-Jährigen gerade zu klettern beginnen wollten.

„Zwischen Verträgen liegen Welten“

Sustala ortet zudem ein Insider-Outsider-Problem. „In manchen Branchen, etwa bei Medien oder Banken, sitzen heute 30- und 50-jährige Kollegen nebeneinander im Großraumbüro. Zwischen deren Arbeitsverträgen liegen aber Welten“, meint der Ökonom. Das Senioritätsprinzip führe dazu, dass ältere Arbeitnehmer besser entlohnt werden, weil sie länger im Job sind – unabhängig von der erbrachten Leistung oder den Rahmenbedingungen.

Warum die Jungen nicht einfach schauen, dass ihre Musik weiterläuft? Ihnen fehle die Lobby, sagt Sustala. Gründe dafür findet der stellvertretende Direktor der Agenda Austria in der Demografie. Das Durchschnittsalter liegt in Österreich bei 43,1 Jahren, in Niederösterreich bei 45,2 Jahren, wobei die Bevölkerung im Weinviertel mit 47,3 Jahren am ältesten ist. „Das führt dazu, dass sich die Politik den Jungen oft gar nicht so verantwortlich fühlt.“

Ganz unschuldig sind die Jungen daran für Sustala aber nicht: Sie treten wesentlich schwächer für ihre Interessen ein als etwa Pensionisten oder der Seniorenbund. Selbst junge Spitzenpolitiker seien oft eher Sprachrohr ihrer Parteien als dass sie versuchten, Interessen der Jungen in ihre Parteien zu bringen.

Ist für die Millennials also die Party bald ganz vorbei? Nein, meint Sustala. Er hat Lösungsvorschläge: Einerseits sollten sie politisch aktiver für ihre Generation eintreten. Gleichzeitig sieht Sustala Chancen im immer reicheren Bildungsangebot und der Start-up-Kultur: „Wo alles sehr auf Seniorität ausgerichtet ist, haben Junge eine Möglichkeit: Sie können gründen, statt Angestellte zu sein.“

Dafür ist übrigens auch Hannes Baumgartner ein gutes Beispiel. Er hat sich bald nach seinem Karrierestart selbstständig gemacht und startet mit seiner Firma „naos“ Unternehmen mit digitalen Geschäftsmodellen.