Mehr Radler will das Land. Bis 2030 sollen 40 Prozent aller Wege mit Rad, E-Bike, Roller und zu Fuß getätigt werden.

Von Norbert Oberndorfer. Erstellt am 07. April 2021 (03:52)
Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (links) will Gemeinden als Partner gewinnen, Radlobby-NÖ-Vorsitzender
Karl Zauner fordert Landeskompetenz und mehr Radbudget.
Monihart (Schleritzko) bzw. privat (Zauner)

Das Land will „aktive Mobilität“ fördern. Bis 2030 sollen statt 22 Prozent künftig 44 Prozent aller Wege in Niederösterreich mit dem Fahrrad, E-Bike, Roller und zu Fuß zurückgelegt werden. Das betrifft speziell die Wege von zuhause zum Bahnhof, zur Schule, zum Arbeitsplatz und retour. Aktuell legen Niederösterreicher in 40 Prozent aller Autofahrten weniger als fünf Kilometer zurück: Wege, die umweltfreundlicher zurückgelegt werden könnten.

Mobilitätslandesrat Ludwig Schleritzko (ÖVP) kündigte im Herbst den Bau von 200 Kilometern Radschnellwegen an. Trassensuche und Planung für die elf Highways haben zum Teil bereits begonnen. Die Schnellwege sollen möglichst flach und breit verlaufen. Sie haben den Status von Autobahnen im Autoverkehr oder Fußgängerzonen und entstehen dort, wo das Rad-Potenzial vom Land als hoch eingestuft wurde, wie Stockerau-Korneuburg-Wien oder Persenbeug-Ybbs-Wieselburg (siehe NÖ-Atlas bit.ly/3sHRWpQ).

100 Millionen Euro für Radinfrastruktur

Mit zwei Radwege-Förderungen soll Gemeinden der (Aus-) Bau der ländlichen Radinfrastruktur schmackhaft gemacht werden. „Wir liefern mit unseren Mobilitätsmanagern und den Technikern in den Straßenbauabteilungen Know-how zu und unterstützen Gemeinden mit 60 bis 80 Prozent der Detailplanungs- und Errichtungskosten von Radwegen“, sagt Schleritzko. Für die Kommunen als „zentrale Partner“ werde im Land eine Rad- und Fußwege-Servicestelle eingerichtet. Zusammen mit Bundesförderungen sollen 100 Millionen Euro in die Radinfrastruktur fließen.

Positiv reagiert die Radlobby NÖ auf die Pläne des Landes. „Vor allem, wenn man wahrnimmt, dass der Radverkehr nicht nur wegen des Trends zum E-Bike, sondern auch zur Erreichung der Klimaziele an Bedeutung gewinnt und die Politik das aufgreift“, sagt Vorsitzender Karl Zauner. Als „enttäuschend“ wertet er aber die Umsetzung.

Ein Bremsblock sei weiterhin, dass die Schaffung von Radinfrastruktur in die Zuständigkeit der Gemeinden fällt. Fehlende Ressourcen und Unverständnis für den Radverkehr seien in den Gemeindestuben große Behinderer neuer Radwege. „Das Land soll für den Radverkehr auf und entlang von Landestraßen zuständig sein, nicht mehr die Gemeinden. Es braucht hier eine Gesetzesänderung“, kritisiert Zauner. Schleritzko setzt auf eine „Partnerschaft zwischen Bund, Land und Gemeinden“ – da „entsprechende Flächen für Radwege notwendig sind“.

Weiters missfällt Zauner, dass es zwar den Posten „Errichtung Radwege“ im Budget gebe, aber drei Millionen Euro (2021) zu wenig für eine echte Mobilitätswende seien. „18 Euro pro Einwohner, 30 Millionen Euro, wären ein Minimum für ein Radverkehrsbudget“, sagt Zauner.

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