Rückblick: Ringen um „grünes“ Ticket in NÖ. Der Verkehr steht Corona-still, das 1-2-3-Ticket sorgt für heftige Debatten auch in Niederösterreich.

Von Lisa Röhrer und Norbert Oberndorfer. Erstellt am 28. Dezember 2020 (05:05)
Symbolbild
Gaschwald, Shutterstock.com

Corona entpuppt sich als Mobilitätshemmer, und auch als Klimachance. Im Frühjahr sorgt der harte Lockdown für einen massiven Verkehrsrückgang. Die ÖBB meldet im März ein Minus von 90 Prozent bei den Passagierzahlen, auch der Individualverkehr geht zurück. Autobahnen und Straßen sind apokalyptisch leer gefegt.

Gleichzeitig prescht Infrastruktur-Ministerin Leonore Gewessler vor und verkündet im Juli die Einführung des 1-2-3-Tickets im Jahr 2021. Die Formel der Jahreskarte ist einfach: Um einen Euro pro Tag kann man mit dem „grünen“ Ticket alle öffentlichen Verkehrsmittel, Bus und Bahn, je nach Ticket-Variante in einem Bundesland (365 Euro), zwei Bundesländern (730 Euro) oder in ganz Österreich (1.095 Euro) verwenden.

Damit sollen Menschen motiviert werden, öfters auf ihr Auto zu verzichten und Öffis zu benützen. Zu Jahresende ist das Ticket noch nicht auf Schiene. Aus dem Ministerium heißt es, dass die 3er-Stufe noch im ersten Halbjahr 2021 kommen soll. Länder und Verkehrsverbünde sind weiterhin gegen einen „Schnellschuss“.

Milliarden fließen in den Bahn-Ausbau

Als Grundlage für das 1-2-3-Ticket brauche es „kluge und nachhaltige Investitionen“ im Bereich Klimaschutz, so Gewessler. Mit dem ÖBB-Rahmenplan 2021-2026 investiert der Bund 4,18 Milliarden Euro in den Ausbau der Schiene in der Verkehrsverbund Ost-Region (VOR). Bahnhöfe sollen zu „Drehscheiben des öffentlichen Verkehrs“ ausgebaut, Radstellplätze entstehen und Regionalbahnen wie die Erlauftal-, Mattersburger- und Traisentalbahn elektrifiziert werden.

Neben der Modernisierung der WienerS-Bahn-Stammstrecke (Baustart 2022), dem zweigleisigen Ausbau der Marchegger-Ostbahn (2022), der Direktanbindung von Horn an die Franz-Joseph-Bahn (2024) und deren zweigleisigen Ausbau ist der viergleisige Ausbau der Strecke Meidling bis Mödling (2026) geplant.

Endgültiges „Aus“ für Waldviertel-Autobahn

Kurz vor Weihnachten folgt noch ein Paukenschlag: Land und Bund verkünden das „Aus“ für die Waldviertel-Autobahn. Sie komme „zu spät“ (frühestens 2045) und wirke nur „überregional“. Stattdessen sollen 850 Millionen Euro in neue -Bahnprojekte und 440 Millionen in Straßenprojekte im Wald- und Weinviertel fließen.